Kon­takt­lis­ten als Druckerzeug­nis

Das Umsatz­steu­er­recht sieht neben dem Regel­steu­er­satz von der­zeit 19% für bestimm­te Pro­duk­te einen ermä­ßig­ten Steu­er­satz von 7% vor. Die­ser ermä­ßig­te Umsatz­steu­er­satz gilt auch für Druckerzeug­nis­se, etwa für Tages­zei­tun­gen. Der Bun­des­fi­nanz­hof nun zu ent­schei­den, ob die­ser ermä­ßig­te Umsatz­steu­er­satz auch für Kon­takt­lis­ten gilt, also für den Ver­kauf von Lis­ten mit per­sön­li­chen Anga­ben von kon­takt­su­chen­den Per­so­nen. Und der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te ein Herz mit den Anschluss Suchen­den: Sofern die­se Lis­ten für eine unbe­stimm­te Anzahl von Inter­es­sen­ten her­ge­stellt wer­den, han­delt es sich, so der BFH, um Lie­fe­run­gen von Druckerzeug­nis­sen, die ledig­lich dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz von 7% unter­lie­gen.

Kon­takt­lis­ten als Druckerzeug­nis

In dem vom BFH ent­schie­de­nen Streit­fall bot eine Gesell­schaft für Part­ner­ver­mitt­lung mit­tels Zei­tungs­an­non­cen eine für Damen kos­ten­lo­se Part­ner­ver­mitt­lung an. Die­se tru­gen in einen Auf­nahme­bo­gen ihre Adres­se und Tele­fon­num­mer sowie Anga­ben zur Per­son (Alter, Grö­ße, Figur, Haar­far­be, Augen­far­be, Fami­li­en­stand, Kin­der) ein und kon­kre­ti­sier­ten ihre Wün­sche hin­sicht­lich der gesuch­ten Her­ren. Nach­dem die Part­ner­ver­mitt­lung die ange­ge­be­ne Tele­fon­num­mer über­prüft und Bewer­bun­gen mit finan­zi­el­len Inter­es­sen oder unse­riö­sen Anga­ben aus­sor­tiert hat­te, berei­te­te sie die aus den Auf­nah­me­bö­gen gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen druck­tech­nisch auf und erstell­te hier­aus eine immer wie­der aktua­li­sier­te Kon­takt­lis­te. Das Finanz­amt wie auch das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg [1] gin­gen davon aus, dass der wirt­schaft­li­che Gehalt der Leis­tung aus­schließ­lich in der Ver­schaf­fung von Kon­takt­mög­lich­kei­ten bestehe und die aus dem Ver­kauf erziel­ten Umsät­ze daher dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen.

Der BFH hob nun jedoch das Urteil des Finanz­ge­richts auf und ent­schied, dass es sich um die Lie­fe­rung von Druckerzeug­nis­sen han­delt, für die der ermä­ßig­te Steu­er­satz gilt. Ent­schei­dungs­er­heb­lich für den BFH war dabei, dass die Kon­takt­lis­ten nach Post­leit­zah­len geord­net Adres­sen, Tele­fon­num­mern und per­sön­li­che Anga­ben von kon­takt­wil­li­gen Damen aus dem gesam­ten Bun­des­ge­biet ent­hiel­ten und somit nicht auf die indi­vi­du­el­len Wün­sche des jewei­li­gen Inter­es­sen­ten zuge­schnit­ten waren.

Umsät­ze aus dem Ver­kauf von Lis­ten mit per­sön­li­chen Anga­ben von kon­takt­su­chen­den Per­so­nen (sog. Kon­takt­lis­ten), die für eine unbe­stimm­te Anzahl von Inter­es­sen­ten her­ge­stellt wer­den, unter­lie­gen als Lie­fe­run­gen von Druckerzeug­nis­sen dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Mai 2009 – XI R 75/​07

  1. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24. Juli 2007 – 12 K 50/​06, EFG 2008, 652[]