Lang­fris­ti­ge Ver­mie­tung eines Turn­hal­len­ge­bäu­des an einen Ver­ein

Die Umsät­ze aus der lang­fris­ti­gen Ver­mie­tung eines Turn­hal­len­ge­bäu­des an einen Ver­ein, der steu­er­freie Leis­tun­gen aus­führt, sind nach einem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs gemäß § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG 1999 steu­er­frei, wenn abge­se­hen von der Über­las­sung von Betriebs­vor­rich­tun­gen kei­ne wei­te­ren Leis­tun­gen aus­ge­führt wer­den.

Lang­fris­ti­ge Ver­mie­tung eines Turn­hal­len­ge­bäu­des an einen Ver­ein

Die Ver­mie­tung des Turn­hal­len­ge­bäu­des ist eine nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG steu­er­freie Grund­stücks­ver­mie­tung. Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass der Grund­stücks­ei­gen­tüe­mer neben der Über­las­sung des Turn­hal­len­ge­bäu­des dem Ver­ein noch Betriebs­vor­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stell­te. Denn auch dies führt nicht zu einer steu­er­pflich­ti­gen Grund­stücks­über­las­sung. Die­se wäre nur dann steu­er­pflich­tig, wenn sie Teil einer steu­er­pflich­ti­gen ein­heit­li­chen Leis­tung wäre. Das ist aber nicht der Fall.

Eine ein­heit­li­che Leis­tung liegt vor, wenn meh­re­re Leis­tun­gen so auf­ein­an­der abge­stimmt sind, dass sie aus Sicht eines Durch­schnitts­ver­brau­chers ihre Selb­stän­dig­keit ver­lie­ren und wirt­schaft­lich etwas selb­stän­di­ges "Drit­tes" bil­den oder wenn es sich um eine Haupt- und eine Neben­leis­tung han­delt 1. In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze hat der EuGH im Urteil vom 18. Janu­ar 2001 2 zur Besteue­rung von Sport­an­la­gen Stel­lung genom­men. Danach ist es grund­sätz­lich nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Zur­ver­fü­gung­stel­lung von Räu­men für die Aus­übung von Sport oder die Kör­per­er­tüch­ti­gung unter beson­de­ren Umstän­den eine Ver­mie­tung eines Grund­stücks dar­stel­len und damit in den Anwen­dungs­be­reich der Befrei­ung nach Art. 13 Teil B Buchst. b der Sechs­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie 3 fal­len kann 4.

Jedoch sind die Dienst­leis­tun­gen, die mit Sport und Kör­per­er­tüch­ti­gung zusam­men­hän­gen, mög­lichst als Gesamt­heit zu wür­di­gen. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Betrei­ben einer Sport­an­la­ge im All­ge­mei­nen nicht nur die pas­si­ve Zur­ver­fü­gung­stel­lung des Grund­stücks, son­dern außer­dem sei­tens des Dienst­leis­ten­den eine Viel­zahl geschäft­li­cher Tätig­kei­ten wie Auf­sicht, Ver­wal­tung und stän­di­ge Unter­hal­tung, Zur­ver­fü­gung­stel­lung ande­rer Anla­gen u.Ä. umfasst. Sofern nicht ganz beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, kann die Ver­mie­tung des Grund­stücks daher nicht die aus­schlag­ge­ben­de Dienst­leis­tung dar­stel­len 5.

Der EuGH weist fer­ner dar­auf hin, dass die Zur­ver­fü­gung­stel­lung einer Sport­an­la­ge gewöhn­lich nach Gegen­stand und Dau­er der Benut­zung beschränkt sein kön­ne. Inso­weit erge­be sich aus sei­ner Recht­spre­chung, dass die Dau­er der Grund­stücks­nut­zung ein Haupt­ele­ment eines Miet­ver­trags bil­de 6.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist die Ver­mie­tung des Turn­hal­len­ge­bäu­des samt Betriebs­vor­rich­tun­gen an einen ein­zi­gen Ver­trags­part­ner jeden­falls kei­ne ein­heit­li­che Leis­tung, die steu­er­pflich­tig ist. Sie ist mit den Umsät­zen des Betrei­bers einer Sport­an­la­ge, der eine Viel­zahl von unter­schied­li­chen Leis­tun­gen erbringt, nicht ver­gleich­bar. Viel­mehr gäbe hier die steu­er­freie Grund­stücks­ver­mie­tung der Leis­tung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers das Geprä­ge.

Der Miet­ver­trag war in dem jetzt vom BFH ent­schie­de­nen Fall auf die Dau­er von 15 Jah­ren und damit lang­fris­tig geschlos­sen. Die Miet­dau­er ist aus Sicht des Durch­schnitts­ver­brau­chers ein geeig­ne­tes Kri­te­ri­um, um eine selb­stän­di­ge Ver­mie­tungs­leis­tung von einer ein­heit­li­chen sons­ti­gen Leis­tung abzu­gren­zen 7.

Die Grund­stücks­über­las­sung beschränk­te sich auch nicht auf die Zei­ten, in denen in der Turn­hal­le tat­säch­lich Sport aus­ge­übt wur­de, son­dern das Gebäu­de stand dem Ver­ein unun­ter­bro­chen und aus­schließ­lich zur Ver­fü­gung. Die Leis­tung des Klä­gers bestand allein in der "pas­si­ven" Zur­ver­fü­gung­stel­lung des Turn­hal­len­ge­bäu­des und der dar­in befind­li­chen Betriebs­vor­rich­tun­gen.

Der BFH hat dabei aus­drück­lich offen­ge­las­sen, ob die Ver­mie­tung des Turn­hal­len­ge­bäu­des und der Betriebs­vor­rich­tun­gen ent­spre­chend der Auf­fas­sung des erst­in­stanz­lich zustän­di­gen Finanz­ge­richts Düs­sel­dorfs und des Finanz­am­tes unter Berück­sich­ti­gung von § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG als zwei selb­stän­di­ge Leis­tun­gen zu qua­li­fi­zie­ren sind und das Finanz­amt für die Betriebs­vor­rich­tun­gen zu Recht einen antei­li­gen Vor­steu­er­ab­zug gewährt hat 8. Denn selbst wenn abwei­chend von der Ansicht des FG eine ein­heit­li­che Leis­tung anzu­neh­men wäre, wäre die­se jeden­falls steu­er­frei. Die steu­er­freie Grund­stücks­ver­mie­tung wäre als die Haupt­leis­tung und die Über­las­sung der Betriebs­vor­rich­tun­gen als unter­ge­ord­ne­te Neben­leis­tung anzu­se­hen 9. Die­se Fra­ge ist aber nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, weil das Finanz­amt dem Klä­ger einen antei­li­gen Vor­steu­er­ab­zug gewährt hat und eine sog. Ver­bö­se­rung im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren unzu­läs­sig ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2008 XI R 23/​08

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 27. Okto­ber 2005 – Rs. C‑41/​04 –Levob Ver­ze­ke­rin­gen und OV Bank – , Slg. 2005, I‑9433, Randnrn. 19 bis 22, sowie Mar­tin in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 3 Rz 30[]
  2. Rs. C‑150/​99Stock­holm Lin­dö­park– (Slg. 2001, I‑493) []
  3. Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern[]
  4. vgl. EuGH, Urteil in Slg. 2001, I‑493, Randnr. 22[]
  5. vgl. EuGH, Urteil in Slg. 2001, I‑493, Randnr. 26, kon­kret zur Ver­mie­tung eines Golf­plat­zes; BFH, Urteil vom 31. Mai 2001 V R 97/​98, BFHE 194, 555, BSt­Bl II 2001, 658[]
  6. vgl. EuGH, Urteil in Slg. 2001, I‑493, Randnr. 27[]
  7. vgl. auch EuGH, Urteil vom 18. Novem­ber 2004 Rs. C‑284/​03 –Tem­co Euro­pe – , Slg. 2004, I‑11237, Randnr. 20, m.w.N.[]
  8. vgl. zur Ein­schrän­kung des sog. Auf­tei­lungs­ge­bots Klenk in Sölch/​Ring­leb, a.a.O., § 4 Nr. 12 Rz 19[]
  9. vgl. zur ein­heit­li­chen Ver­mie­tungs­leis­tung auch BFH, Urteil vom 24. Janu­ar 2008 V R 12/​05, BFHE 221, 310[]