Leis­tungs­aus­tausch bei erfolgs­ab­hän­gi­ger Vergütung

Der Steu­er­bar­keit von Bera­tungs­leis­tun­gen steht bei sum­ma­ri­scher Prü­fung nicht ent­ge­gen, dass die Ver­gü­tung nur im Fal­le eines Finan­zie­rungs­er­folgs zu zah­len ist.

Leis­tungs­aus­tausch bei erfolgs­ab­hän­gi­ger Vergütung

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof in einem AdV-Fall, in dem der den Bera­tungs­leis­tun­gen zugrun­de lie­gen­de Ver­trag eine Klau­sel ent­hält, wonach die Leis­tung unab­hän­gig vom zeit­li­chen Anfall nur bei wirk­sa­mem Abschluss einer Refi­nan­zie­rung als erbracht gilt und damit eine Ver­gü­tung auf den Erfolgs­fall beschränkt ist.

Nach dem Urteil „Baš­to­vá“ des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on1 und der Fol­ge­recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs fehlt es zwar bei Preis­gel­dern aus Reit­tur­nie­ren und bei Spiel­ge­win­nen eines Berufs­po­ker­spie­lers an einem ent­gelt­li­chen Leis­tungs­aus­tausch2, weil die Unge­wiss­heit einer Zah­lung geeig­net ist, den unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang zwi­schen der dem Leis­tungs­emp­fän­ger erbrach­ten Dienst­leis­tung und der ggf. erhal­te­nen Zah­lung auf­zu­he­ben3.

Dies führt aller­dings nicht dazu, dass bei erfolgs­ab­hän­gi­gen Ver­gü­tun­gen gene­rell Zwei­fel an einem steu­er­ba­ren Leis­tungs­aus­tausch bestehen. Abge­se­hen davon, dass sowohl das natio­na­le Recht als auch das Uni­ons­recht von der Steu­er­bar­keit von (typi­scher­wei­se erfolgs­ab­hän­gi­gen) Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen (vgl. Art. 135 Abs. 1 Buchst. a bis f MwSt­Sys­tRL, § 4 Nr. 5 UStG) aus­ge­hen, könn­te die Erfolgs­ab­hän­gig­keit der Ver­gü­tung einem Leis­tungs­aus­tausch allen­falls dann ent­ge­gen­ste­hen, wenn die Zah­lung im Rah­men eines Wett­be­werbs mit meh­re­ren Kon­kur­ren­ten von Unwäg­bar­kei­ten ähn­li­cher Art abhängt wie bei einem Reit- oder Poker­tur­nier. Dass die Zah­lung des Ent­gelts von der Erfül­lung einer bestimm­ten Bedin­gung (im Streit­fall: Finan­zie­rungs­er­folg) abhängt, nimmt dem Umsatz aber nicht sei­nen ent­gelt­li­chen Cha­rak­ter4. Im Streit­fall befand sich die Unter­neh­me­rin bei ihrer Bera­tungs­tä­tig­keit für die F nicht in einem Wett­be­werbs­ver­hält­nis mit ande­ren Kon­kur­ren­ten. Zudem soll­te die Ver­gü­tung im Erfolgs­fall (Abschluss einer Refi­nan­zie­rung) ihre jah­re­lan­gen Dau­er­leis­tun­gen abgel­ten und nicht ledig­lich den (im Ergeb­nis unge­wis­sen) Refinanzierungserfolg.

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Auf­grund der recht­li­chen Unklar­heit in Bezug auf den Umfang des Vor­steu­er­ab­zugs bei geschäfts­lei­ten­den Hol­ding­ge­sell­schaf­ten mit eige­ner Umsatz­tä­tig­keit lie­gen nach den Ver­hält­nis­sen des Streit­falls ernst­li­che Zwei­fel an der Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs vor. Die Ent­schei­dung hier­zu muss dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. März 2021 – V B 63/​20 (AdV)

  1. EU:C:2016:855[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 30.08.2017 – XI R 37/​14, BFHE 259, 175, BStBl II 2019, 336, Rz 25; vom 02.08.2018 – V R 21/​16, BFHE 262, 548, BStBl II 2019, 339, Rz 22[]
  3. vgl. EuGH, Urteil Baš­to­vá, EU:C:2016:855, Rz 37[]
  4. vgl. EuGH, Schluss­an­trag des Gene­ral­an­walts Wahl vom 14.06.2016 in der Rechts­sa­che Baš­to­vá, EU:C:2016:438, Rz 38 und 39[]
  5. vgl. dazu BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2014, 550, Rz 26; vom 24.02.2000 – IV B 83/​99, BFHE 191, 304, BStBl II 2000, 298; vom 30.10.2007 – V B 170/​07, BFH/​NV 2008, 627; vom 08.08.2011 – XI B 39/​11, BFH/​NV 2011, 2106, jeweils m.w.N.[]

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