Leis­tungs­aus­tausch oder Gesell­schaf­ter­bei­trag?

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs setzt die nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steu­er­ba­re Leis­tung gegen Ent­gelt vor­aus, dass zwi­schen dem Unter­neh­mer und dem Leis­tungs­emp­fän­ger ein Rechts­ver­hält­nis besteht, das einen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und Ent­gelt begrün­det, sodass das Ent­gelt als Gegen­wert für die Leis­tung anzu­se­hen ist 1.

Leis­tungs­aus­tausch oder Gesell­schaf­ter­bei­trag?

Den für einen Leis­tungs­aus­tausch erfor­der­li­chen Zusam­men­hang hat der Bun­des­fi­nanz­hof in dem ‑die Über­las­sung von Bau­ge­rä­ten im Rah­men einer Arbeits­ge­mein­schaft des Bau­ge­wer­bes betref­fen­den- Urteil vom 07.12 1967 2 bejaht, weil die Über­las­sung ent­spre­chend dem Umfang der Leis­tung abge­gol­ten wur­de. Dem­entspre­chend ist der Bun­des­fi­nanz­hof im sog. Kar­tof­fel­bren­ne­rei-Fall 3 von einem Leis­tungs­aus­tausch aus­ge­gan­gen, weil die Gewinn­ver­tei­lung nicht nach einem pau­scha­len und vor­ab fest­ge­leg­ten, son­dern nach einem varia­blen Gewinn­ver­tei­lungs­schlüs­sel ent­spre­chend der Men­ge der jeweils ange­lie­fer­ten Roh­stof­fe erfolg­te.

Den BFH, Urtei­len vom 16.03.1993 4 ist zu ent­neh­men, dass die Abhän­gig­keit des Ent­gelt­an­teils (Gewinn­an­teils) vom Umfang des jewei­li­gen Leis­tungs­bei­trags das ent­schei­den­de Merk­mal der Abgren­zung zwi­schen nicht steu­er­ba­rem Leis­tungs­bei­trag und steu­er­ba­rem Leis­tungs­aus­tausch dar­stellt.

Schließ­lich hat der Bun­des­fi­nanz­hof im sog. Feri­en­haus-Fall 5 für einen Leis­tungs­aus­tausch die Abhän­gig­keit der "Ver­gü­tung" von der tat­säch­li­chen Bele­gung der Feri­en­woh­nung und damit einen kon­kre­ten Bezug zum Umfang der jewei­li­gen Leis­tung des Gesell­schaf­ters gefor­dert.

Steht der Umfang der tat­säch­lich erbrach­ten Leis­tung (Strom­lie­fe­rung) nicht fest und wird die Ver­gü­tung daher nach einem von die­ser unab­hän­gi­gen Pro­zent­satz ‑wie dem Anteil des Kom­man­di­tis­ten an der tech­ni­schen Infra­struk­tur einer Gesell­schaft- bemes­sen, fehlt es an der gegen­sei­ti­gen Abhän­gig­keit und Wech­sel­sei­tig­keit von Leis­tung und Gegen­leis­tung, sodass ein Leis­tungs­aus­tausch aus­ge­schlos­sen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Juni 2015 – V B 140/​14

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 04.07.2013 – V R 33/​11, BFHE 242, 280, BSt­Bl II 2013, 937; und vom 05.12 2007 – V R 60/​05, BFHE 219, 455, BSt­Bl II 2009, 486, unter II. 1.a, m.w.N. zur Recht­spre­chung von EuGH und BFH[]
  2. BFH, Urteil vom 07.12.1967 – V 45/​65, BFHE 91, 448, BSt­Bl II 1968, 398[]
  3. BFH, Urteil vom 10.05.1990 – V R 47/​86, BFHE 161, 185, BSt­Bl II 1990, 757[]
  4. BFH, Urtei­le vom 16.03.1993 – XI R 44/​90, BFHE 171, 114, BSt­Bl II 1993, 529; und – XI R 45/​90, BFHE 171, 122, BSt­Bl II 1993, 530[]
  5. BFH, Urteil vom 25.05.2000 – V R 66/​99, BFHE 191, 458, BSt­Bl II 2004, 310[]