Lie­fe­rung und Ein­pflan­zen von Pflan­zen

Die Finanz­ver­wal­tung zieht die Kon­se­quen­zen aus einem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Umsatz­steu­er bei Pflan­zen­lie­fe­run­gen. Im Juni 2009 hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass die Lie­fe­rung einer Pflan­ze und deren Ein­pflan­zen durch den lie­fern­den Unter­neh­mer umsatz­steu­er­recht­lich jeweils selb­stän­dig zu beur­tei­len­de Leis­tun­gen sein kön­nen.

Lie­fe­rung und Ein­pflan­zen von Pflan­zen

Die Finanz­ver­wal­tung möch­te die umsatz­steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung der Pflan­zen­lie­fe­rung und des Ein­brin­gens in den Boden als jeweils selb­stän­di­ge Leis­tung nun­mehr im Ein­zel­fall nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des Abschnitts 29 der Umsatz­steu­er-Richt­li­ni­en vor­neh­men. Die Annah­me einer nur dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz unter­lie­gen­den Pflan­zen­lie­fe­rung setzt danach ins­be­son­de­re vor­aus, dass es das vor­ran­gi­ge Inter­es­se des Ver­brau­chers ist, die Ver­fü­gungs­macht über die Pflan­ze zu erhal­ten.
Soweit bis­her ergan­ge­ne Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen [1] eine dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­lie­gen­de Pflan­zen­lie­fe­rung bereits dann aus­schlie­ßen, wenn der Unter­neh­mer – über den Trans­port hin­aus – auch das Ein­pflan­zen der von ihm gelie­fer­ten Pflan­ze über­nimmt, sind sie nicht mehr anzu­wen­den.

Sofern zum Ein­pflan­zen wei­te­re Dienst­leis­tungs­ele­men­te hin­zu­tre­ten, besteht das vor­ran­gi­ge Inter­es­se des Leis­tungs­emp­fän­gers dage­gen regel­mä­ßig nicht nur am Erhalt der Ver­fü­gungs-macht über die Pflan­ze. In die­sen Fäl­len, z. B. bei der Grab­pfle­ge, ist daher wei­ter­hin von einer ein­heit­li­chen, nicht ermä­ßigt zu besteu­ern­den sons­ti­gen Leis­tung bzw. Werk­leis­tung aus­zu­ge­hen [2], denn das Inter­es­se des Leis­tungs­emp­fän­gers besteht hier vor­ran­gig an den gärt­ne­ri­schen Pfle­ge­ar­bei­ten. Eben­so ist bei zusätz­li­chen gestal­te­ri­schen Arbei­ten (z. B. Pla­nungs­ar­bei­ten, Gar­ten­ge­stal­tung) auch wei­ter­hin ins­ge­samt von einer ein­heit­li­chen Werk­lie­fe­rung – Erstel­lung einer Gar­ten­an­la­ge – aus­zu­ge­hen, die dem all­ge­mei­nen Umsatz­steu­er­satz unter­liegt [3].

Die neue Rege­lung soll unein­ge­schränkt ab dem 1. April 2010 gel­ten. Für die bis dahin aus­ge­führ­ten Lie­fe­run­gen und Ein­pflan­zen besteht ein Wahl­recht: Für vor dem 1. April 2010 aus­ge­führ­te Umsät­ze wird es auch für Zwe­cke des Vor­steu­er­ab­zugs des Leis­tungs­emp­fän­gers nicht bean­stan­det, wenn der Unter­neh­mer die Lie­fe­rung einer Pflan­ze sowie deren Ein­brin­gen in den Boden als ein­heit­li­che, dem all­ge­mei­nen Umsatz­steu­er­satz unter­lie­gen­de Leis­tung behan­delt.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 4. Febru­ar 2010 – IV D 2 – S 7221/​09/​10001 [2010/​0073876]

  1. ins­be­son­de­re Rz. 41 des BMF-Schrei­bens vom 5. August 2004 – IV B 7 – S 7220 – 46/​04, BStBl I S. 638[]
  2. vgl. Rz. 40 des BMF-Schrei­bens vom 5. August 2004, a.a.O.[]
  3. vgl. Rz. 41 des BMF-Schrei­bens vom 5. August 2004, a.a.O.[]