Min­dest­li­zenz­ge­büh­ren – und der Vor­steu­er­ab­zug bei Teil­leis­tun­gen

Die Ver­ein­ba­rung von Min­dest­li­zenz­ge­büh­ren kann zu Teil­leis­tun­gen füh­ren, die auch ohne Ent­gelt­ent­rich­tung zum Vor­steu­er­ab­zug berech­ti­gen.

Min­dest­li­zenz­ge­büh­ren – und der Vor­steu­er­ab­zug bei Teil­leis­tun­gen

Nach der im Jahr 2000 gel­ten­den Fas­sung des § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG war der Unter­neh­mer berech­tigt, als Vor­steu­er­be­trag "die in Rech­nun­gen im Sin­ne des § 14 geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er für Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind" abzu­zie­hen. Soweit der geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er­be­trag auf eine Zah­lung vor Aus­füh­rung die­ser Umsät­ze ent­fällt, war er nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG bereits abzieh­bar, wenn die Rech­nung vor­liegt und die Zah­lung geleis­tet wor­den ist.

Zum Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG berech­ti­gen neben Leis­tun­gen auch Teil­leis­tun­gen. Teil­leis­tun­gen lie­gen nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 3 UStG vor, wenn für bestimm­te Tei­le einer wirt­schaft­lich teil­ba­ren Leis­tung das Ent­gelt geson­dert ver­ein­bart wird. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs sind der­ar­ti­ge Teil­leis­tun­gen z.B. bei Miet­ver­trä­gen über eine bestimm­te (Mindest-)Laufzeit gege­ben, wenn sie in monat­li­che Zah­lungs- und Leis­tungs­ab­schnit­te unter­glie­dert sind und durch die monat­li­chen Zah­lungs­auf­for­de­run­gen oder -bele­ge kon­kre­ti­siert wer­den 1.

Im Streit­fall führ­te die Ver­ein­ba­rung der für ein­zel­ne Kalen­der­jah­re geschul­de­ten Min­dest­li­zenz­ge­bühr zu Teil­leis­tun­gen. Eben­so wie bei einem Miet­ver­trag sah der Lizenz­ver­trag eine bestimm­te Gesamt­lauf­zeit vor, wobei für ein­zel­ne Zeit­räu­me der ver­trag­li­chen Gesamt­lauf­zeit ein jeweils eigen­stän­di­ges Ent­gelt zu ent­rich­ten war. Bei die­sen Ein­zel­zeit­räu­men wie z.B. dem Kalen­der­jahr 2000 han­del­te es sich um Tei­le einer wirt­schaft­lich teil­ba­ren Leis­tung, für die geson­der­te Ent­gelt­ver­ein­ba­run­gen vor­la­gen. Daher kommt es für die Inan­spruch­nah­me des Vor­steu­er­ab­zugs ent­ge­gen dem Finanz­ge­richt, Urteil nur auf die Erbrin­gung der Teil­leis­tung und die Ertei­lung der Rech­nung, nicht aber auch auf die Bezah­lung der Rech­nung an, so dass im Hin­blick auf den für Dezem­ber 2000 vor­ge­nom­me­nen Vor­steu­er­ab­zug auch kei­ne Berich­ti­gungs­pflicht nach § 153 AO bestehen konn­te.

Dem Vor­steu­er­ab­zug steht auch nicht ent­ge­gen, dass die der GmbH ein­ge­räum­te Lizenz wirt­schaft­lich wert­los war und der Lizenz­ge­ber mög­li­cher­wei­se in Betrugs­ab­sicht gehan­delt hat 2.

Auf­grund der Kün­di­gung des Lizenz­ver­tra­ges durch die GmbH am 2.03.2001 war der für das Jahr 2000 zu Recht in Anspruch genom­me­ne Vor­steu­er­ab­zug nach § 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG erst im Jahr 2001 zu berich­ti­gen. Aus der Kün­di­gung ergab sich, dass die GmbH im Hin­blick auf die Män­gel der ein­ge­räum­ten Lizenz nicht mehr bereit war, die für das Vor­jahr geschul­de­te Zah­lung zu leis­ten. Auf­grund der Kün­di­gung stand fest, dass der Anspruch auf Ent­rich­tung der Lizenz­ge­bühr nicht erfüllt wird und bei objek­ti­ver Betrach­tung damit zu rech­nen war, dass der Lizenz­ge­ber sei­nen Anspruch jeden­falls auf abseh­ba­re Zeit nicht durch­set­zen kann 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. April 2013 – V R 19/​12

  1. BFH, Urteil vom 09.09.1993 – V R 42/​91, BFHE 173, 231, BSt­Bl II 1994, 269, Leit­satz 1[]
  2. vgl. zur Lie­fe­rung abhan­den­ge­kom­me­ner Sachen und zur Lie­fe­rung in Betrugs­ab­sicht BFH, Urteil vom 08.09.2011 – V R 43/​10, BFHE 235, 501, BFH/​NV 2012, 664, unter II.2.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 20.07.2006 – V R 13/​04, BFHE 214, 471, BSt­Bl II 2007, 22, unter II.1.a[]