MOSS – Leis­tungs­ort bei elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen

Die Euro­päi­sche Uni­on hat im Bereich der Umsatz­steu­er eini­ge Ände­run­gen vor­ge­nom­men, die zum Jah­res­wech­sel 2015 in Kraft tre­ten. Die wohl wich­tigs­te Ände­rung betrifft die Ände­rung des Leis­tungs­orts bei der Erbrin­gung von elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen und Tele­komu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen. Der deut­che Gesetz­ge­ber hat die­se Ände­rung inzwi­schen durch eine Ände­rung des § 3a UStG sowie die Ein­füh­rung eines neu­en § 18h UStG nach­voll­zo­gen.

MOSS – Leis­tungs­ort bei elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen

Im Fol­gen­den geben wir einen Über­blick über die ab dem 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Rege­lun­gen:

Die neu­en Vor­ga­ben der MwSt-Sys­tem­richt­li­nie[↑]

Nach Arti­kel 58 MwSt­Sys­tRL in der ab dem 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 1 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG des Rates vom 12. Febru­ar 2008 zur Ände­rung der Richt­li­nie 2006/​112/​EG bezüg­lich des Ortes der Dienst­leis­tung (ABl. EU 2008 Nr. L 44 S. 11) gilt als Leis­tungs­ort bei Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen, Rund­funk- und Fern­seh­leis­tun­gen und bei auf elek­tro­ni­schem Weg erbrach­ten Leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer der Ort, an dem der Leis­tungs­emp­fän­ger sei­nen Sitz, sei­nen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort hat. Damit soll eine sys­te­ma­tisch zutref­fen­de Besteue­rung am tat­säch­li­chen Ver­brauchs­ort erreicht wer­den. Der Leis­tungs­ort bei die­sen Leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer bestimmt sich somit unab­hän­gig von dem Ort, an dem der leis­ten­de Unter­neh­mer ansäs­sig ist. Künf­tig ist es daher uner­heb­lich, ob dies im Gemein­schafts­ge­biet oder im Dritt­lands­ge­biet ist.

Für nicht im Gemein­schafts­ge­biet ansäs­si­ge Unter­neh­mer, die der­ar­ti­ge Leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer mit Sitz, Wohn­sitz oder gewöhn­li­chem Auf­ent­halt im Uni­ons­ge­biet erbrin­gen, wird die bis­he­ri­ge Son­der­re­ge­lung (vgl. Arti­kel 359 bis 369 MwSt­Sys­tRL in der ab dem 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 11 bis 14 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG), nach der sich die­se Unter­neh­mer nur in einem EU-Mit­glied­staat erfas­sen las­sen müs­sen, wenn sie in der EU sons­ti­ge Leis­tun­gen auf elek­tro­ni­schem Weg erbrin­gen, um Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen und Rund­funk- und Fern­seh­leis­tun­gen erwei­tert. Die Rege­lung dient der Ver­ein­fa­chung. Damit müs­sen sich Unter­neh­mer, die die­se Umsät­ze EU-weit erbrin­gen, nur noch in einem EU-Mit­glied­staat für Umsatz­steu­er­zwe­cke erfas­sen las­sen.

Neben den ent­spre­chen­den Orts­re­ge­lun­gen für die vor­ge­nann­ten Umsät­ze ent­hält die Ände­rungs­richt­li­nie Rege­lun­gen zur Ver­ein­fa­chung des Besteue­rungs­ver­fah­rens von im Gemein­schafts­ge­biet ansäs­si­gen Unter­neh­mern, die die vor­ge­nann­ten Umsät­ze an Nicht­un­ter­neh­mer mit Sitz, Wohn­sitz oder gewöhn­li­chem Auf­ent­halt in einem ande­ren EU-Mit­glied­staat erbrin­gen (sog. Mini-one-stop-shop/ein­zi­ge Mini-Anlauf­stel­le). Hier wird durch die Arti­kel 369a bis 369k MwSt­Sys­tRL in der ab dem 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 15 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG ein neu­es Besteue­rungs­ver­fah­ren ein­ge­führt, nach dem die­se Unter­neh­mer von der Mög­lich­keit Gebrauch machen kön­nen, alle vor­ge­nann­ten Umsät­ze an Nicht­un­ter­neh­mer mit Sitz, Wohn­sitz oder gewöhn­li­chem Auf­ent­halt in ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten nur in dem EU-Mit­glied­staat umsatz­steu­er­lich zu erklä­ren, in dem sie ansäs­sig sind. Vor­aus­set­zung ist, dass der leis­ten­de Unter­neh­mer in dem jewei­li­gen EU-Mit­glied­staat, in dem er die vor­ge­nann­ten Leis­tun­gen erbringt, weder sei­nen Sitz noch eine fes­te Nie­der­las­sung (= Betriebs­stät­te im Sin­ne von Abschnitt 3a.1 Absatz 3 USt-AE) hat (vgl. Arti­kel 369b i. V. mit Arti­kel 369a Absatz 1 Num­mer 1 MwSt­Sys­tRL in der ab 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 15 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG). Die­se Son­der­re­ge­lung gilt auch dann, wenn der Unter­neh­mer im Ver­brauchs­mit­glied­staat auch ande­re Umsät­ze erbringt, die nicht der Son­der­re­ge­lung unter­lie­gen und für die er die Umsatz­steu­er schul­det (vgl. Arti­kel 369a Absatz 1 Num­mer 1 und Umkehr­schluss aus Arti­kel 369j Absatz 2 MwSt­Sys­tRL in der ab 1. Janu­ar 2015 gel­ten­den Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 15 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG). Damit wird es den Unter­neh­mern, die ab 1. Janu­ar 2015 im Mit­glied­staat des tat­säch­li­chen Ver­brauchs die vor­ge­nann­ten Umsät­ze erbrin­gen, ermög­licht, ihren umsatz­steu­er­li­chen Pflich­ten in die­sen Staa­ten unmit­tel­bar durch Über­mitt­lung der Steu­er­erklä­run­gen auf elek­tro­ni­schem Weg über ein inlän­di­sches Por­tal und Zah­lung der Steu­er­schuld über ein Kon­to der inlän­di­schen Finanz­ver­wal­tung nach­zu­kom­men. Unab­hän­gig davon, ob die Unter­neh­mer die­se Leis­tun­gen in einem oder meh­re­ren Mit­glied­staa­ten erbrin­gen, kön­nen sie die genann­ten Pflich­ten und Zah­lun­gen somit inso­weit bei einer Stel­le im Inland erfül­len. Unge­ach­tet des­sen ist der all­ge­mei­ne Steu­er­satz des Ver­brauchs­mit­glied­staa­tes anzu­wen­den, also des Staa­tes, in dem der Leis­tungs­emp­fän­ger ansäs­sig ist. Die­sem Mit­glied­staat steht auch die Umsatz­steu­er zu.

Die Rege­lun­gen, wie der Ver­brauchs­mit­glied­staat die ihm zuste­hen­de Umsatz­steu­er erhält und wie eine Kon­trol­le der Unter­neh­mer erfol­gen soll, beinhal­tet die gleich­zei­tig ver­ab­schie­de­te Ver­ord­nung (EG) Nr. 143/​2008 des Rates vom 12. Febru­ar 2008 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1798/​2003 hin­sicht­lich der Ein­füh­rung von Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­run­gen und des Infor­ma­ti­ons­aus­tauschs im Hin­blick auf die Rege­lun­gen bezüg­lich des Ortes der Dienst­leis­tung, die Son­der­re­ge­lun­gen und die Rege­lung der Erstat­tung der Mehr­wert­steu­er (ABl. EU 2008 Nr. L 44 S. 1). Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1798/​2003 ist zwi­schen­zeit­lich ersetzt wor­den durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 904/​2010 des Rates vom 7. Okto­ber 2010 über die Zusam­men­ar­beit der Ver­wal­tungs­be­hör­den und die Betrugs­be­kämp­fung auf dem Gebiet der Mehr­wert­steu­er.

Die Ände­rungs­richt­li­nie ist zum 1. Janu­ar 2015 in natio­na­les Recht umzu­set­zen. Die sich auf Grund der Ände­rungs­ver­ord­nung erge­ben­den not­wen­di­gen Anpas­sun­gen des natio­na­len Rechts sind eben­falls zum 1. Janu­ar 2015 durch­zu­füh­ren. Die Unter­neh­mer, die ab dem 1. Janu­ar 2015 an dem neu­en Ver­fah­ren teil­neh­men wol­len, kön­nen dies ab dem 1. Okto­ber 2014 ihrem Ansäs­sig­keits­mit­glied­staat anzei­gen.

Leis­tungs­ort bei elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen – §3a Absatz 5 UStG n.F.[↑]

§3a Abs. 5 UStG sieht vor, dass sich bei Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen, bei Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen und bei auf elek­tro­ni­schem Weg erbrach­ten sons­ti­gen Leis­tun­gen, die an Nicht­un­ter­neh­mer erbracht wer­den, der Leis­tungs­ort stets an dem Ort befin­det, an dem der Leis­tungs­emp­fän­ger sei­nen Wohn­sitz, sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort oder sei­nen Sitz hat. Auf die Nut­zung oder Aus­wer­tung kommt es grund­sätz­lich nicht an; vgl. aber hier­zu nach­fol­gend unter Buch­sta­be d. Damit erfolgt grund­sätz­lich eine sys­tem­ge­rech­te Umsatz­be­steue­rung die­ser Leis­tun­gen am Ver­brauchs­ort.

Die­se Orts­re­ge­lung gilt auch dann, wenn die sons­ti­ge Leis­tung auf elek­tro­ni­schem Weg tat­säch­lich von einer sich im Dritt­lands­ge­biet befind­li­chen Betriebs­stät­te eines Unter­neh­mers aus­ge­führt wird. Ein im Dritt­land befind­li­cher Ser­ver ist jeden­falls für umsatz­steu­er­li­che Zwe­cke nicht als Betriebs­stät­te anzu­se­hen. Der bis­he­ri­gen in § 3a Absatz 5 UStG ent­hal­te­nen beson­de­ren Leis­tungs­ort­re­ge­lung im Ver­brauchs­mit­glied­staat für auf elek­tro­ni­schem Weg erbrach­te Dienst­leis­tun­gen, die von einem im Dritt­lands­ge­biet ansäs­si­gen Unter­neh­mer an im Gemein­schafts­ge­biet ansäs­si­ge Nicht­un­ter­neh­mer erbracht wer­den, bedarf es des­halb nicht mehr.

Der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) – § 18h UStG[↑]

Die zum 1. Janu­ar 2015 in Kraft tre­ten­de neue Vor­schrift des § 18h UStG regelt im Wesent­li­chen die Anzei­ge über die Teil­nah­me an dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren und die Über­mitt­lung von Umsatz­steu­er­erklä­run­gen von im Inland ansäs­si­gen Unter­neh­mern, die in ande­ren Mit­glied­staa­ten Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen und/​oder auf elek­tro­ni­schem Weg Dienst­leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer erbrin­gen und von dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren nach Arti­kel 369a ff. der Richt­li­nie 2006/​112/​EG in der Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 15 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG Gebrauch machen, an die zustän­di­ge Finanz­be­hör­de in einem ande­ren Mit­glied­staat.

Die Rege­lung beruht auf den Arti­keln 369b bis 369f der Mehr­wert­steu­er-Sys­tem­richt­li­nie 2006/​112/​EG in der Fas­sung von Arti­kel 5 Num­mer 15 der Richt­li­nie 2008/​8/​EG.

Nach § 18 h Abs. 1 UStG haben Unter­neh­mer, die im Inland ihren Sitz haben oder als im Dritt­lands­ge­biet ansäs­si­ge Unter­neh­mer im Inland eine Betriebs­stät­te haben und an dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren teil­neh­men wol­len, dies gegen­über dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern anzu­zei­gen. Die Teil­nah­me an dem beson­de­ren Ver­fah­ren ist nur ein­heit­lich für alle Mit­glied­staa­ten mög­lich, in denen der Unter­neh­mer kei­ne Betriebs­stät­te hat und in denen er der­ar­ti­ge Umsät­ze erbringt. Die Anzei­ge muss vor Beginn des Besteue­rungs­zeit­raums erfol­gen, für den der Unter­neh­mer erst­ma­lig an dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren teil­neh­men will.

Nach § 18h Abs. 2 UStG stellt das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern durch Ver­wal­tungs­akt fest, wenn der Unter­neh­mer nicht mehr die Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung des beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­rens erfüllt. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn der Unter­neh­mer mit­teilt, dass er kei­ne Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder Dienst­leis­tun­gen auf elek­tro­ni­schem Weg an in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­si­ge Nicht­un­ter­neh­mer erbringt oder die­se wirt­schaft­li­che Tätig­keit nicht mehr aus­übt oder er die Vor­aus­set­zun­gen für die Inan­spruch­nah­me des beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­rens nicht mehr erfüllt, weil er z. B. im Inland kei­nen Sitz mehr hat oder in allen ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten, in denen er die vor­ge­nann­ten Dienst­leis­tun­gen erbringt, eine Betriebs­stät­te unter­hält.

Die Teil­nah­me an dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren kann vom Unter­neh­mer wider­ru­fen wer­den. Der Wider­ruf ist gegen­über dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern zu erklä­ren. Ein Wider­ruf ist nur bis zum Beginn eines neu­en Besteue­rungs­zeit­raums mit Wir­kung ab die­sem Zeit­raum mög­lich.

Der im Inland ansäs­si­ge Unter­neh­mer hat nach § 18h Absatz 3 UStG bis zum 20. Tag nach Ende jedes Kalen­der­vier­tel­jah­res eine Umsatz­steu­er­erklä­rung für jeden Mit­glied­staat, in dem er das beson­de­re Besteue­rungs­ver­fah­ren anwen­det, auf elek­tro­ni­schem Weg zu über­mit­teln. Die Erklä­run­gen sind über ein elek­tro­ni­sches Por­tal (ELSTER-Por­tal oder BZSt Online Por­tal) zunächst dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern zu über­mit­teln. Das BZSt über­mit­telt die Erklä­run­gen an das für den Unter­neh­mer zustän­di­ge Finanz­amt im jewei­li­gen Mit­glied­staat wei­ter.)

Der Unter­neh­mer hat den Vor­druck aus­zu­fül­len und die Steu­er selbst zu berech­nen. Die berech­ne­te Steu­er ist an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern zu ent­rich­ten.

Nach § 18h Abs. 4 UStG kann der im Inland ansäs­si­ge Unter­neh­mer von dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren durch das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn er sei­nen Ver­pflich­tun­gen in die­sem Ver­fah­ren wie­der­holt nicht oder nicht recht­zei­tig nach­kommt. Der Aus­schluss kann auch dann erfol­gen, wenn der Unter­neh­mer sei­nen Auf­zeich­nungs­pflich­ten und der Ver­pflich­tung, die Auf­zeich­nun­gen der zustän­di­gen Finanz­be­hör­de auf elek­tro­ni­schem Weg zur Ver­fü­gung zu stel­len, nicht nach­kommt. Der Aus­schluss gilt ab dem Besteue­rungs­zeit­raum, der nach dem Zeit­punkt der Bekannt­ga­be des Aus­schlus­ses gegen­über dem Unter­neh­mer beginnt.

§ 18h Abs. 5 UStG defi­niert den im Inland ansäs­si­gen Unter­neh­mer, der die Mög­lich­keit hat, an dem beson­de­ren Besteue­rungs­ver­fah­ren teil­zu­neh­men. Dies sind Unter­neh­mer, die hier ihren Sitz oder ihre Geschäfts­lei­tung haben, oder im Dritt­lands­ge­biet ansäs­si­ge Unter­neh­mer, die im Inland eine Betriebs­stät­te haben.

Gemäß § 18h Abs. 6 UStG gel­ten für das Ver­fah­ren, soweit es vom Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern durch­ge­führt wird, die ange­führ­ten Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung (AO) und der Finanz­ge­richts­ord­nung (FGO). Die Rege­lung ist erfor­der­lich, da § 18h UStG aus­län­di­sche Umsatz­steu­er und somit kei­ne durch Bun­des­recht gere­gel­te Steu­er betrifft und des­halb die AO und die FGO nicht unmit­tel­bar anwend­bar sind (§ 1 Absatz 1 Satz 1 AO, § 33 Absatz 1 Num­mer 1 FGO). Aus der ange­ord­ne­ten Anwen­dung von Vor­schrif­ten der AO und der FGO folgt u. a., dass die dem BZSt bekannt gewor­de­nen Daten dem Steu­er­ge­heim­nis (§ 30 AO) unter­lie­gen und gegen Ver­wal­tungs­ak­te des BZSt nach den Absät­zen 2 und 4 das Ein­spruchs­ver­fah­ren (§§ 347 ff. AO) und die Anfech­tungs­kla­ge zum Finanz­ge­richt gege­ben sind. Auf­grund EU-recht­li­cher Vor­ga­ben sind ins­be­son­de­re die Rege­lun­gen zum Ver­spä­tungs­zu­schlag (§ 152 AO), zum Säum­nis­zu­schlag (§ 240 AO) sowie zum Voll­stre­ckungs- und zum Straf­ver­fah­ren (Sechs­ter und Ach­ter Teil der AO) von der Anwen­dung aus­ge­schlos­sen.

Grund­be­griff­lich­kei­ten zum MOSS[↑]

  1. Steu­er­pflich­ti­ger im Rah­men der EU-Rege­lung ist ein Unter­neh­men (Gesell­schaft oder Ein­zel­un­ter­neh­mer), das den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit oder eine fes­te Nie­der­las­sung im Gebiet der EU hat. Der Steu­er­pflich­ti­ge kann die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le nicht für Dienst­leis­tun­gen nut­zen, die er in einem Mit­glied­staat erbracht hat, in dem sich der Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit oder eine fes­te Nie­der­las­sung befin­det).

    Steu­er­pflich­ti­ger im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung ist ein Unter­neh­men (Gesell­schaft oder Ein­zel­un­ter­neh­mer), das weder den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit noch eine fes­te Nie­der­las­sung in der EU hat und in der EU nicht umsatz­steu­er­lich regis­triert ist oder auf ande­re Wei­se für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke iden­ti­fi­ziert sein muss.

  2. Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung ist der Mit­glied­staat, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge für die Inan­spruch­nah­me der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le regis­triert ist und in dem er die in den Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs anfal­len­de Mehr­wert­steu­er angibt und ent­rich­tet. Im Rah­men der EU-Rege­lung kann der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung nur der Mit­glied­staat sein, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit hat, d. h. in dem sich der Haupt­sitz eines Unter­neh­mens oder die Betriebs­stät­te eines Ein­zel­un­ter­neh­mers befin­det. Befin­det sich der Sitz der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen nicht in der EU, so ist ein Mit­glied­staat, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge eine fes­te Nie­der­las­sung hat, Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung. Hat der Steu­er­pflich­ti­ge mehr als eine fes­te Nie­der­las­sung, kann er selbst ent­schei­den, wel­cher der Mit­glied­staa­ten, in denen sich die­se Nie­der­las­sun­gen befin­den, für ihn Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung sein soll. Im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung kann der Steu­er­pflich­ti­ge sei­nen Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung selbst wäh­len.
  3. Mit­glied­staat des Ver­brau­chers ist ein Mit­glied­staat, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­sche Dienst­leis­tun­gen für Nicht­steu­er­pflich­ti­ge erbringt. Im Rah­men der EU-Rege­lung darf der Steu­er­pflich­ti­ge weder den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit noch eine fes­te Nie­der­las­sung in die­sem Mit­glied­staat haben. Im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung darf der Steu­er­pflich­ti­ge kei­ne Betriebs­stät­te oder Nie­der­las­sung in dem Mit­glied­staat haben und dort auch nicht aus ande­ren Grün­den zur Regis­trie­rung für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke ver­pflich­tet sein.

    Im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung kann der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung auch Mit­glied­staat des Ver­brauchs sein. In dem Fall nutzt der Steu­er­pflich­ti­ge die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le für die Anga­be und die Ent­rich­tung der Mehr­wert­steu­er, die auf sei­ne für Kun­den im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung erbrach­ten Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen anfällt. Hier­bei ist zu beach­ten, dass die bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le ange­ge­be­nen Dienst­leis­tun­gen im Mit­glied­staat des Ver­brauchs und nicht im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung oder der Nie­der­las­sung erbracht wor­den sind. Die im Mit­glied­staat des Ver­brauchs für inlän­di­sche Dienst­leis­tun­gen gel­ten­den Bestim­mun­gen gel­ten auch für Dienst­leis­tun­gen, die über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le gemel­det wer­den. Dazu gehö­ren Vor­schrif­ten für die Rech­nungs­stel­lung, für die Ist­ver­steue­rung und für Schul­den­er­las­se.

  4. Vor­aus­set­zung für eine fes­te Nie­der­las­sung ist, dass sie einen hin­rei­chen­den Grad an Bestän­dig­keit und eine Struk­tur auf­weist, die es ihr von der per­so­nel­len und tech­ni­schen Aus­stat­tung her erlaubt, Dienst­leis­tun­gen zu emp­fan­gen und zu ver­wen­den bzw. Dienst­leis­tun­gen zu erbrin­gen. Die blo­ße Tat­sa­che, dass einer Nie­der­las­sung eine Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­teilt wur­de, bedeu­tet noch nicht, dass es sich um eine fes­te Nie­der­las­sung han­delt.
  5. Mit­glied­staat der Nie­der­las­sung ist der Mit­glied­staat, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge eine fes­te Nie­der­las­sung hat. Der Steu­er­pflich­ti­ge kann den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung und zugleich fes­te Nie­der­las­sun­gen in ande­ren Mit­glied­staa­ten haben. Dienst­leis­tun­gen, die von die­sen fes­ten Nie­der­las­sun­gen in Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs erbracht wer­den, müs­sen eben­falls in den über die Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Mehr­wert­steu­er­erklä­run­gen ange­ge­ben wer­den.

    Der Mit­glied­staat der Nie­der­las­sung kann nicht Mit­glied­staat des Ver­brauchs sein. Alle Dienst­leis­tun­gen, die in die­sem Mit­glied­staat erbracht wor­den sind, müs­sen in der inlän­di­schen Umsatz­steu­er­erklä­rung für die fes­te Nie­der­las­sung ange­ge­ben wer­den.

MOSS-Regis­trie­rung[↑]

Ein Steu­er­pflich­ti­ger, der die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le in Anspruch neh­men möch­te, muss sich im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung regis­trie­ren las­sen. Im Rah­men der EU-Rege­lung ist dies der Mit­glied­staat, in dem sich der Sitz der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen befin­det.

Wenn sich der Sitz der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen nicht in der EU befin­det, muss er sich in dem Mit­glied­staat regis­trie­ren las­sen, in dem er eine fes­te Nie­der­las­sung hat. Hat der Steu­er­pflich­ti­ge mehr als eine fes­te Nie­der­las­sung in der EU, kann er selbst ent­schei­den, wel­cher die­ser Staa­ten Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung sein soll. Nur in die­sem Fall kann der Steu­er­pflich­ti­ge im Rah­men der EU-Rege­lung den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung selbst wäh­len. Für die Dau­er des Kalen­der­jah­res, in dem er die Ent­schei­dung getrof­fen hat, und die bei­den fol­gen­den Kalen­der­jah­re ist er an die­se Ent­schei­dung gebun­den. Im Rah­men der EU-Rege­lung hat jeder Steu­er­pflich­ti­ge die glei­che indi­vi­du­el­le Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer für die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le, die auch für die Umsatz­steu­er­erklä­run­gen in sei­nem Mit­glied­staat gilt.

Im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung kann der Steu­er­pflich­ti­ge (der weder einen Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit noch eine fes­te Nie­der­las­sung in der EU hat und der in der EU weder umsatz­steu­er­lich regis­triert noch zu einer ande­ren Regis­trie­rung ver­pflich­tet ist den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung selbst wäh­len. Von die­sem Mit­glied­staat erhält er eine indi­vi­du­el­le Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer.

In bei­den Fäl­len (EU- und Nicht-EU-Rege­lung) kann der Steu­er­pflich­ti­ge nur einen Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung haben. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le in Anspruch neh­men will, muss er alle Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen und elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen, die er für Nicht­steu­er­pflich­ti­ge in einem Mit­glied­staat erbracht hat, in dem sich nicht der Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit befin­det, über die­se Anlauf­stel­le ange­ben.

Dies bedeu­tet: Jeder Steu­er­pflich­ti­ge, der Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­sche Dienst­leis­tun­gen für Nicht­steu­er­pflich­ti­ge in einem Mit­glied­staat erbringt, in dem sich nicht der Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit befin­det und in dem er weder umsatz­steu­er­lich regis­triert noch zu einer ande­ren Regis­trie­rung ver­pflich­tet ist, kann sich für die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le regis­trie­ren las­sen. Dabei ste­hen zwei Rege­lun­gen zur Aus­wahl:

  1. Die EU-Rege­lung: Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le in Anspruch neh­men, wenn sich der Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit in der EU befin­det oder wenn er eine fes­te Nie­der­las­sung in der EU hat.
  2. die Nicht-EU-Rege­lung: Ein nicht in der EU ansäs­si­ger Steu­er­pflich­ti­ger kann die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le in Anspruch neh­men, wenn sich der Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nicht in der EU befin­det und er kei­ne fes­te Nie­der­las­sung in der EU hat und wenn er in der EU nicht für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke regis­triert ist oder auf ande­re Wei­se iden­ti­fi­ziert sein muss.

    Das bedeu­tet, dass ein nicht in der EU ansäs­si­ger Steu­er­pflich­ti­ger, der in der EU für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke regis­triert oder zur Regis­trie­rung ver­pflich­tet ist, aber kei­ne Betriebs­stät­te oder Nie­der­las­sung in der EU hat, die Nicht-EU-Rege­lung nicht in Anspruch neh­men kann (weil er dafür umsatz­steu­er­lich iden­ti­fi­ziert wer­den müss­te). Die­ser Steu­er­pflich­ti­ge kann auch nicht die EU-Rege­lung anwen­den (weil er kei­ne Betriebs­stät­te oder Nie­der­las­sung in der EU hat). In dem Fall muss sich der nicht in der EU ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge in jedem Mit­glied­staat für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke regis­trie­ren las­sen, in dem er für einen sei­ner Kun­den ein­schlä­gi­ge Dienst­leis­tun­gen erbringt.

Zur Regis­trie­rung für die Anlauf­stel­le muss der Steu­er­pflich­ti­ge dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung eini­ge Aus­künf­te ertei­len. Die Mit­glied­staa­ten kön­nen selbst fest­le­gen, wie sie die­se Aus­künf­te bei dem Steu­er­pflich­ti­gen ein­ho­len. Auf jeden Fall muss die Über­mitt­lung elek­tro­nisch erfol­gen. In der Pra­xis wird es so aus­se­hen, dass die Mit­glied­staa­ten ein Inter­net­por­tal bereit­stel­len, über das die­se Anga­ben über­mit­telt wer­den kön­nen. Wel­che Anga­ben zu machen sind, hängt davon ab, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die EURe­ge­lung oder die Nicht-EU-Rege­lung in Anspruch neh­men will. Bei der EURe­ge­lung ist zu beach­ten, dass mög­li­cher­wei­se schon ein Teil der gefor­der­ten Anga­ben vor­liegt, da der Steu­er­pflich­ti­ge im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung bereits umsatz­steu­er­lich regis­triert ist. Nach­dem der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung die gefor­der­ten Anmel­de­da­ten erhal­ten und geprüft hat (sie­he nach­fol­gen­de Num­mer 3), wer­den sie in der Daten­bank gespei­chert und an die ande­ren Mit­glied­staa­ten über­mit­telt. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Nicht-EU-Rege­lung in Anspruch neh­men will, wird ihm an die­ser Stel­le vom Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung eine Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­teilt.

Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung führt eini­ge Prü­fun­gen der Anmel­de­da­ten durch, um fest­zu­stel­len, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die Vor­aus­set­zun­gen für die Inan­spruch­nah­me der Rege­lung erfüllt. Er wird zumin­dest prü­fen, ob der Steu­er­pflich­ti­ge bereits in einem ande­ren Mit­glied­staat für die Anlauf­stel­le regis­triert ist und ob für ihn noch eine Sperr­frist gilt (sie­he Aus­füh­run­gen zur Abmel­dung). Auf der Grund­la­ge die­ser Über­prü­fung kann der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung die Regis­trie­rung für die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le ver­wei­gern. Gegen die­se Ent­schei­dung kann der Steu­er­pflich­ti­ge auf dem in die­sem Staat vor­ge­se­he­nen Weg Wider­spruch ein­le­gen.

Im Rah­men der EU-Rege­lung hat der Steu­er­pflich­ti­ge die glei­che Mehr­wert­steu­er- Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer, die ihm der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung bereits für sei­ne inlän­di­schen Dienst­leis­tun­gen zuge­teilt hat. Ohne die­se Num­mer kann sich der Steu­er­pflich­ti­ge nicht für die EU-Rege­lung regis­trie­ren las­sen. Im Rah­men der Nicht-EU-Rege­lung ver­gibt der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung eine indi­vi­du­el­le Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer an den Steu­er­pflich­ti­gen.

Nor­ma­ler­wei­se gilt die Regis­trie­rung ab dem ers­ten Tag des Quar­tals nach Ablauf des Quar­tals, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung mit­ge­teilt hat, dass er die Rege­lung in Anspruch neh­men möch­te. Die Regis­trie­rung gilt also immer zum Beginn des Fol­ge­quar­tals.

Unter Umstän­den erbringt der Steu­er­pflich­ti­ge aber auch schon vor die­sem Datum Dienst­leis­tun­gen im Rah­men der Rege­lung. In dem Fall gilt die Rege­lung vom Tag der ers­ten erbrach­ten Dienst­leis­tung an, sofern der Steu­er­pflich­ti­ge den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung bis zum zehn­ten Tag des Monats nach der ers­ten Dienst­leis­tung dar­über infor­miert hat, dass er sei­ne Tätig­keit im Rah­men der Rege­lung auf­ge­nom­men hat. Die­se Frist gilt auch für jede Ände­rung von Anmel­de­da­ten, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung bereits dar­über infor­miert hat, dass er mit Beginn des fol­gen­den Quar­tals die Anlauf­stel­le nut­zen möch­te, aber schon vor die­sem Datum Dienst­leis­tun­gen erbringt. Hält der Steu­er­pflich­ti­ge die­se Frist nicht ein, muss er sich in jedem Mit­glied­staat, in dem sei­ne Kun­den ansäs­sig sind, für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke regis­trie­ren las­sen.

Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung teilt dem Steu­er­pflich­ti­gen das Datum der Ent­schei­dung über die Regis­trie­rung auf elek­tro­ni­schem Wege mit.

Die Mit­glied­staa­ten ermög­li­chen den Steu­er­pflich­ti­gen ab dem 1. Okto­ber 2014 die Teil­nah­me am Regis­trie­rungs­ver­fah­ren. Damit soll ver­mie­den wer­den, dass sich zu vie­le Steu­er­pflich­ti­ge am 1. Janu­ar 2015 zur Anlauf­stel­le anmel­den. Wenn sich ein Steu­er­pflich­ti­ger zwi­schen dem 1. Okto­ber 2014 und dem 31. Dezem­ber 2014 zu dem Ver­fah­ren anmel­det, wird die Regis­trie­rung am 1. Janu­ar 2015 gül­tig.

Wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger, der die EU-Rege­lung in Anspruch nimmt, fes­te Nie­der­las­sun­gen außer­halb des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung hat, sind bei der Anmel­dung für die Anlauf­stel­le die Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer oder die Steu­er­num­mer sowie Name und Anschrift jeder die­ser Nie­der­las­sun­gen in ande­ren Mit­glied­staa­ten anzu­ge­ben. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob die fes­te Nie­der­las­sung Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen sowie elek­tro­ni­sche Dienst­leis­tun­gen erbrin­gen wird oder nicht.

Für die EU-Rege­lung gilt fer­ner: Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge in einem ande­ren Mit­glied­staat umsatz­steu­er­lich regis­triert ist, obwohl er dort kei­ne Betriebs­stät­te oder Nie­der­las­sung hat (wenn er bei­spiels­wei­se für sei­ne Ver­sand­ver­käu­fe dort regis­triert sein muss), ist die­se Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer bei der Anmel­dung für die Anlauf­stel­le anzu­ge­ben.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge eine Betriebs­stät­te oder Nie­der­las­sung in der EU hat oder aus ande­ren Grün­den in der EU für Mehr­wert­steu­er­zwe­cke regis­triert sein muss, kann er die Nicht-EU-Rege­lung nicht in Anspruch neh­men.

Ände­rung der Anmel­de­da­ten[↑]

Der Steu­er­pflich­ti­ge ist gesetz­lich ver­pflich­tet, den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung über jede Ände­rung sei­ner Anmel­de­da­ten spä­tes­tens am zehn­ten Tag des Monats nach der Ände­rung zu infor­mie­ren.

Bestimm­te Daten in der Anmel­dung wie Anschrif­ten, E‑Mail-Adres­sen, Kon­takt­da­ten, die Lis­te der fes­ten Nie­der­las­sun­gen, die Lis­te der Mehr­wert­steu­er- Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern in ande­ren Mit­glied­staa­ten usw. kön­nen geän­dert wer­den. Nicht geän­dert wer­den darf die indi­vi­du­el­le Mehr­wert­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. Die Mit­glied­staa­ten wer­den genau fest­le­gen, wel­che Ände­run­gen der Anmel­de­da­ten auf wel­che Wei­se vor­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Die Anmel­de­da­ten ein­schließ­lich aller Ände­run­gen wer­den in einer Daten­bank des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung gespei­chert. Alle Mit­glied­staa­ten wer­den auf Ersu­chen Zugang zu die­sen Daten haben.

Wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit in einen ande­ren Mit­glied­staat ver­legt oder sei­ne Tätig­keit im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung been­det, aber wei­ter­hin die Rege­lung von einem Mit­glied­staat aus in Anspruch neh­men möch­te, in dem er eine ande­re fes­te Nie­der­las­sung hat, muss er sich in einem Mit­glied­staat abmel­den und sich in einem ande­ren Mit­glied­staat für die Rege­lung regis­trie­ren las­sen. In die­sem Fall (d. h. wenn die wirt­schaft­li­che Tätig­keit im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung been­det wird) ent­spricht das Datum der Abmeldung/​Anmeldung dem Datum des Wech­sels, und der Steu­er­pflich­ti­ge unter­liegt kei­ner Sperr­frist. Er muss aber bei­de Mit­glied­staa­ten (den bis­he­ri­gen und den künf­ti­gen Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung) spä­tes­tens am 10. Tag des auf den Wech­sel fol­gen­den Monats über den Wech­sel unter­rich­ten.

Das glei­che Ver­fah­ren gilt für die Fäl­le, in denen der Steu­er­pflich­ti­ge von der EURe­ge­lung zur Nicht-EU-Rege­lung (oder umge­kehrt) wech­selt.

Abmel­dung vom MOSS[↑]

Zur Abmel­dung von der Rege­lung muss der Steu­er­pflich­ti­ge den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung spä­tes­tens 15 Tage vor Ablauf des Quar­tals, in dem er die Rege­lung nicht mehr anwen­den möch­te, hier­über infor­mie­ren. Wenn er sich zum 1. Juli abmel­den möch­te, muss er dies dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung vor dem 15. Juni mit­tei­len.

Die Mit­glied­staa­ten wer­den für die Mit­tei­lung der Abmel­dung von der Rege­lung eige­ne Ver­fah­ren vor­se­hen. Auf jeden Fall muss die Abmel­dung elek­tro­nisch erfol­gen. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Rege­lung nicht mehr in Anspruch nimmt, muss er die für sei­ne Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen anfal­len­de Mehr­wert­steu­er vom Zeit­punkt der Abmel­dung an im Mit­glied­staat des Ver­brauchs erklä­ren und ent­rich­ten.

In die­sem Fall ist zu beach­ten, dass der Steu­er­pflich­ti­ge von der Rege­lung, die er nicht mehr nutzt, in allen Mit­glied­staa­ten für die Dau­er von zwei Quar­ta­len aus­ge­schlos­sen ist.

Aus­schluss vom MOSS-Ver­fah­ren[↑]

Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann aus ver­schie­de­nen Grün­den von der MOSS-Rege­lung aus­ge­schlos­sen wer­den:

  • Er teilt mit, dass er kei­ne Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen mehr erbringt.
  • Es wird ver­mu­tet, dass sei­ne Tätig­keit im Rah­men der Son­der­re­ge­lun­gen been­det ist. Dies wird ver­mu­tet, wenn er in acht auf­ein­an­der­fol­gen­den Quar­ta­len kei­ne Leis­tun­gen im Rah­men der Son­der­re­ge­lung mehr erbracht hat.
  • Er erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen für die Inan­spruch­nah­me der Rege­lung nicht mehr (bei­spiels­wei­se muss sich ein Steu­er­pflich­ti­ger, der die Nicht-EU-Rege­lung anwen­det, anschlie­ßend in einem Mit­glied­staat regis­trie­ren las­sen).
  • Er ver­stößt wie­der­holt gegen die für die Rege­lung gel­ten­den Bestim­mun­gen. Von einem sol­chen zum Aus­schluss füh­ren­den Ver­stoß wird u.a. in fol­gen­den Fäl­len aus­ge­gan­gen:
    • In drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Quar­ta­len wur­de die Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ange­mahnt, ohne dass die Erklä­rung für das jewei­li­ge Quar­tal inner­halb von zehn Tagen nach der Mah­nung vor­ge­legt wur­de.
    • Für drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Quar­ta­le hat der Steu­er­pflich­ti­ge Zah­lungs­er­in­ne­run­gen erhal­ten, ohne dass der voll­stän­di­ge Betrag inner­halb von zehn Tagen nach der jewei­li­gen Mah­nung ent­rich­tet wur­de, es sei denn, dass der jeweils aus­ste­hen­de Betrag weni­ger als 100 € beträgt.
    • Der Steu­er­pflich­ti­ge hat es ver­säumt, sei­ne Erklä­run­gen inner­halb eines Monats nach einer nach­fol­gen­den Mah­nung durch den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung elek­tro­nisch die­sem Mit­glied­staat oder dem Mit­glied­staat des Ver­brauchs zu über­mit­teln.

Jeder EU-Mit­glied­staat kann den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung ersu­chen, den Steu­er­pflich­ti­gen aus­zu­schlie­ßen. Die Ent­schei­dung über den Aus­schluss kann jedoch nur der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung tref­fen. Der Steu­er­pflich­ti­ge kann gegen die Ent­schei­dung über den Aus­schluss Wider­spruch ein­le­gen. Hier­bei gel­ten die natio­na­len Ver­fah­ren des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge von sich aus auf die Rege­lung ver­zich­tet, endet die­se am ers­ten Tag des nächs­ten Quar­tals.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung mit­teilt, dass er kei­ne Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen mehr erbringt, oder wenn er wie­der­holt gegen die Bestim­mun­gen der Son­der­re­ge­lung ver­stößt, tritt der Aus­schluss mit dem ers­ten Tag des Quar­tals nach dem Tag in Kraft, an dem dem Steu­er­pflich­ti­gen die Ent­schei­dung über den Aus­schluss auf elek­tro­ni­schem Wege zuge­stellt wor­den ist. Wenn der Aus­schluss erfolgt, weil sich der Stand­ort des Steu­er­pflich­ti­gen oder sei­ner fes­ten Nie­der­las­sung geän­dert hat, tritt der Aus­schluss mit dem Datum der Ände­rung in Kraft, sofern der Steu­er­pflich­ti­ge bei­de Mit­glied­staa­ten spä­tes­tens am zehn­ten Tag des auf die Ände­rung fol­gen­den Monats dar­über infor­miert hat.

Sperr­frist[↑]

Die Sperr­frist ist der Zeit­raum, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge von der Anwen­dung einer der bei­den Rege­lun­gen oder bei­der Rege­lun­gen in der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le aus­ge­schlos­sen ist. Eine sol­che Sperr­frist kann nur aus den fol­gen­den Grün­den ver­hängt wer­den:

  • Der Steu­er­pflich­ti­ge teilt dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung mit, dass er kei­ne Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen mehr erbringt. In dem Fall dau­ert die Sperr­frist zwei Quar­ta­le ab dem Zeit­punkt des Aus­schlus­ses. Die Sperr­frist gilt nur für die Rege­lung, die der Steu­er­pflich­ti­ge in Anspruch genom­men hat.
  • Der Steu­er­pflich­ti­ge ver­zich­tet von sich aus auf die Anwen­dung der Rege­lung. In dem Fall gilt eine Sperr­frist von zwei Quar­ta­len ab dem Zeit­punkt des Aus­schlus­ses. Die Sperr­frist gilt nur für die Rege­lung, die der Steu­er­pflich­ti­ge in Anspruch genom­men hat.
  • Der Steu­er­pflich­ti­ge ver­stößt wie­der­holt gegen die Bestim­mun­gen der Son­der­re­ge­lung. In die­sem Fall gilt eine Sperr­frist von acht Quar­ta­len ab dem Zeit­punkt des Aus­schlus­ses. Die­se Sperr­frist gilt für bei­de Rege­lun­gen.
  • Der Steu­er­pflich­ti­ge wird aus­ge­schlos­sen, weil er die Vor­aus­set­zun­gen für die Inan­spruch­nah­me der betref­fen­den Son­der­re­ge­lung nicht mehr erfüllt. Hier­für gilt kei­ne Sperr­frist.
  • Es wird ange­nom­men, dass der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Tätig­keit, für die er die Son­der­re­ge­lung in Anspruch genom­men hat, ein­ge­stellt hat, nach­dem er in acht auf­ein­an­der­fol­gen­den Quar­ta­len kei­ne Leis­tun­gen im Rah­men die­ser Rege­lung mehr erbracht hat. Hier­für gilt kei­ne Sperr­frist.

USt-Erklä­run­gen über das MOSS-Sys­tem[↑]

Ein Steu­er­pflich­ti­ger, der eine der Son­der­re­ge­lun­gen in Anspruch nimmt, muss bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le auf elek­tro­ni­schem Wege für jedes Quar­tal eine Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ein­rei­chen, unab­hän­gig davon, ob er in dem betref­fen­den Quar­tal tat­säch­lich Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­sche Dienst­leis­tun­gen erbracht hat. (Wenn in dem Quar­tal kei­ne ent­spre­chen­den Leis­tun­gen in der EU erbracht wor­den sind, wird eine soge­nann­te „Null-Erklä­rung“ abge­ge­ben.) Die über die Anlauf­stel­le ein­ge­reich­te Mehr­wert­steu­er­erklä­rung (mit der ent­spre­chen­den Zah­lung) ist inner­halb von 20 Tagen nach Ablauf des Erklä­rungs­zeit­raums abzu­ge­ben.

Die über die Anlauf­stel­le abge­ge­be­ne Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ent­hält genaue Anga­ben zu den Dienst­leis­tun­gen, die der Steu­er­pflich­ti­ge, der die Rege­lung in Anspruch nimmt, und im Rah­men der EU-Rege­lung auch jede fes­te Nie­der­las­sung für Kun­den in jedem Mit­glied­staat des Ver­brauchs erbracht hat.

Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung schlüs­selt die bei der Anlauf­stel­le ein­ge­gan­ge­ne Mehr­wert­steu­er­erklä­rung nach Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs auf und lei­tet die Anga­ben an die jewei­li­gen Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs und Mit­glied­staa­ten der Nie­der­las­sung wei­ter. Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung ver­gibt für jede bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le ein­ge­gan­ge­ne Erklä­rung eine ein­ma­li­ge Bezugs­num­mer und teilt sie dem Steu­er­pflich­ti­gen mit. Die­se Num­mer ist wich­tig, da der Steu­er­pflich­ti­ge sie bei der ent­spre­chen­den Zah­lung ange­ben muss.

Die Anga­ben in der über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Mehr­wert­steu­er­erklä­rung betref­fen die im Rah­men der Rege­lung für Nicht­steu­er­pflich­ti­ge erbrach­ten Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen und elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen. Bei der Nicht-EURe­ge­lung fal­len dar­un­ter alle der­ar­ti­gen in der EU im Rah­men der Rege­lung erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen (auch im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung).

Bei der EU-Rege­lung fal­len dar­un­ter alle der­ar­ti­gen Dienst­leis­tun­gen, die vom Sitz der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit oder jeder fes­ten Nie­der­las­sung in einem Mit­glied­staat des Ver­brauchs aus erbracht wer­den.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge eine Nie­der­las­sung in einem Mit­glied­staat hat, sind alle Telekommunikations‑, Rund­funk- und Fern­seh­dienst­leis­tun­gen oder elek­tro­ni­schen Dienst­leis­tun­gen, die er für pri­va­te Kun­den in dem Mit­glied­staat erbringt, in der inlän­di­schen Mehr­wert­steu­er­erklä­rung für die betref­fen­de Nie­der­las­sung und nicht in der über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Erklä­rung anzu­ge­ben. Das gilt sowohl für Dienst­leis­tun­gen der Nie­der­las­sun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen außer­halb des Mit­glied­staats als auch für Dienst­leis­tun­gen der Nie­der­las­sung in dem Mit­glied­staat. Es gilt nicht für Mit­glied­staa­ten, in denen der Steu­er­pflich­ti­ge zwar umsatz­steu­er­lich regis­triert ist, aber kei­ne fes­te Nie­der­las­sung hat.

Der Steu­er­pflich­ti­ge muss die über die Anlauf­stel­le ein­ge­reich­te Mehr­wert­steu­er­erklä­rung inner­halb von 20 Tagen nach Ablauf des Erklä­rungs­zeit­raums auf elek­tro­ni­schem Wege an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung über­mit­teln.

Ein Erklä­rungs­zeit­raum ent­spricht einem Quar­tal. Der ers­te Erklä­rungs­zeit­raum läuft vom 1. Janu­ar bis 31. März, der zwei­te vom 1. April bis 30. Juni, der drit­te vom 1. Juli bis 30. Sep­tem­ber und der vier­te vom 1. Okto­ber bis 31. Dezem­ber. Die ent­spre­chen­den Mehr­wert­steu­er­erklä­run­gen sind jeweils bis zum 20. April, zum 20. Juli, zum 20. Okto­ber und zum 20. Janu­ar abzu­ge­ben. Die­se Abga­be­frist gilt auch dann, wenn der Tag auf ein Wochen­en­de oder einen öffent­li­chen Fei­er­tag fällt.

Der Steu­er­pflich­ti­ge darf sei­ne über die Anlauf­stel­le erfol­gen­de Mehr­wert­steu­er­erklä­rung nicht vor Ablauf des Erklä­rungs­zeit­raums abge­ben.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Erklä­rung nicht inner­halb von 30 Tagen nach Ablauf des Erklä­rungs­zeit­raums abge­ge­ben hat, erhält er vom Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung auf elek­tro­ni­schem Wege eine Mah­nung, in der er auf sei­ne Ver­pflich­tung hin­ge­wie­sen wird, eine Erklä­rung abzu­ge­ben und die fäl­li­ge Mehr­wert­steu­er abzu­füh­ren.

Jede wei­te­re Mah­nung wird vom Mit­glied­staat des Ver­brauchs ver­schickt. Die Erklä­rung ist grund­sätz­lich auf elek­tro­ni­schem Wege an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung zu über­mit­teln. Für die Erhe­bung von Buß­gel­dern und Gebüh­ren für die ver­spä­te­te Abga­be der Erklä­run­gen ist der Mit­glied­staat des Ver­brauchs zustän­dig. Hier­für gel­ten des­sen Rege­lun­gen und Ver­fah­ren.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Quar­ta­le Mah­nun­gen erhält und er nicht jeweils inner­halb von zehn Tagen die ent­spre­chen­de Erklä­rung abgibt, wird davon aus­ge­gan­gen, dass er wie­der­holt gegen die Bestim­mun­gen der Rege­lung ver­sto­ßen hat. Dies hat den Aus­schluss des Steu­er­pflich­ti­gen zur Fol­ge.

Wel­che Anga­ben in der über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ange­ge­ben wer­den müs­sen, ist in Anhang III der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung der EU-Kom­mis­si­on Nr. 815/​2012 im Ein­zel­nen auf­ge­führt. Grund­sätz­lich muss der Steu­er­pflich­ti­ge für jeden Mit­glied­staat des Ver­brauchs alle Dienst­leis­tun­gen zum nor­ma­len und zum ermä­ßig­ten Steu­er­satz sowie die Mehr­wert­steu­er zum nor­ma­len und zum ermä­ßig­ten Steu­er­satz ange­ben. Die jewei­li­gen Steu­er­sät­ze für jeden Mit­glied­staat wer­den von der EU-Kom­mis­si­on ver­öf­fent­licht.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge in einem Mit­glied­staat des Ver­brauchs im Erklä­rungs­zeit­raum kei­ne für die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le rele­van­ten Dienst­leis­tun­gen erbracht hat, wird der betref­fen­de Mit­glied­staat in der über die Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Erklä­rung nicht ange­ge­ben, unab­hän­gig davon, ob der Steu­er­pflich­ti­ge zu einem frü­he­ren Zeit­punkt in die­sem Mit­glied­staat des Ver­brauchs Dienst­leis­tun­gen erbracht hat.

Dienst­leis­tun­gen, die in einem Mit­glied­staat des Ver­brauchs von der Umsatz­steu­er befreit sind, zu denen unter Umstän­den bestimm­te Online-Glücks­spie­le oder ELear­ning gehö­ren kön­nen, wer­den in der über die Anlauf­stel­le über­mit­tel­ten Erklä­rung nicht ange­ge­ben.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge in einem Quar­tal kei­ne für die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le rele­van­ten Dienst­leis­tun­gen in der EU erbracht hat, gibt er eine „Null-Erklä­rung“ ab.

Alle Beträ­ge in der Anmel­dung sind in Euro anzu­ge­ben. Ein Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung, der eine ande­re Wäh­rung hat, kann aber ver­lan­gen, dass die Anga­ben in sei­ner natio­na­len Wäh­rung erfol­gen. Bei Wei­ter­lei­tung der Anga­ben aus der Erklä­rung an die ande­ren Mit­glied­staa­ten wird der Betrag zu dem Wech­sel­kurs, den die Euro­päi­sche Zen­tral­bank am letz­ten Tag des Erklä­rungs­zeit­raums ver­öf­fent­licht hat, in Euro umge­rech­net.

Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung spei­chert die Anga­ben aus der über die Anlauf­stel­le ein­ge­reich­ten Erklä­rung in sei­ner Daten­bank, die für die betref­fen­den Behör­den aller Mit­glied­staa­ten zugäng­lich ist.

Die MOSS-Erklä­run­gen dür­fen auch durch Bevoll­mäch­tig­te (etwa durch den Steu­er­be­ra­ter) über die Anlauf­stel­le im Namen des jewei­li­gen Man­dan­ten nach den im Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung gel­ten­den Vor­schrif­ten und Ver­fah­ren abge­ben.

Wenn kei­ne Mehr­wert­steu­er­erklä­rung über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le abge­ge­ben wur­de, obwohl die Mit­glied­staa­ten Mah­nun­gen geschickt haben, kann der Steu­er­pflich­ti­ge bis zu drei Jah­re nach Ablauf der Abga­be­frist wei­ter­hin die Erklä­rung an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung über­mit­teln. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Erklä­rung nach die­sem Datum abgibt, wird sie direkt an die betref­fen­den Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs wei­ter­ge­lei­tet.

Die ein­ma­li­ge Bezug­num­mer[↑]

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Mehr­wert­steu­er­erklä­rung über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le ein­ge­reicht hat, wird ihm für die­se Erklä­rung eine ein­ma­li­ge Bezugs­num­mer mit­ge­teilt. Die­se Num­mer muss der Steu­er­pflich­ti­ge ange­ben, wenn er die ent­spre­chen­de Zah­lung ver­an­lasst. Die Bezugs­num­mer besteht aus dem Län­der­code des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung, der indi­vi­du­el­len Mehr­wert­steu­er- Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Steu­er­pflich­ti­gen und dem Erklä­rungs­zeit­raum.

Vor­steu­er­ab­zug[↑]

Der Steu­er­pflich­ti­ge kann die Mehr­wert­steu­er auf Geschäfts­aus­ga­ben im Mit­glied­staat des Ver­brauchs in sei­ner über die Anlauf­stel­le ein­ge­reich­ten Erklä­rung nicht abset­zen. Die im Mit­glied­staat des Ver­brauchs anfal­len­de Mehr­wert­steu­er auf Geschäfts­aus­ga­ben kann in kei­nem Fall mit der Mehr­wert­steu­er auf Dienst­leis­tun­gen ver­rech­net wer­den, die in der über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le ein­ge­reich­ten Erklä­rung ange­ge­ben wer­den. Die­se Aus­ga­ben müs­sen bei der EU-Rege­lung über den Mecha­nis­mus der elek­tro­ni­schen Mehr­wert­steu­er­erstat­tung (Richt­li­nie 2008/​9/​EG des Rates) und bei der Nicht-EU-Rege­lung nach Maß­ga­be der 13. Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie 86/​560/​EWG oder über die inlän­di­sche Umsatz­steu­er­erklä­rung gel­tend gemacht wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge im Mit­glied­staat des Ver­brauchs regis­triert (aber nicht ansäs­sig) ist.

Berich­ti­gung der Erklä­rung[↑]

Wer­den Ände­run­gen erfor­der­lich, sind die­se durch eine Berich­ti­gung der ursprüng­li­chen Erklä­rung und nicht durch Ände­rung nach­fol­gen­der Erklä­run­gen vor­zu­neh­men.

Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung ermög­licht es dem Steu­er­pflich­ti­gen, über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le ein­ge­reich­te Mehr­wert­steu­er­erklä­run­gen inner­halb von drei Jah­ren ab dem Datum, an dem die ursprüng­li­che Erklä­rung vor­ge­legt wer­den muss­te, elek­tro­nisch zu berich­ti­gen. Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung über­mit­telt die­se Berich­ti­gung den betref­fen­den Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs. Jeden zusätz­li­chen Mehr­wert­steu­er­be­trag, der dadurch für die Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs anfällt, ent­rich­tet der Steu­er­pflich­ti­ge an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung, der die Gel­der wei­ter­lei­tet. Wenn es durch die Ände­rung zu einer Erstat­tung von­sei­ten der Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs kommt, wird der Betrag dem Steu­er­pflich­ti­gen direkt aus­ge­zahlt.

Der Mit­glied­staat des Ver­brauchs kann auch nach Ablauf der Drei­jah­res­frist Berich­ti­gun­gen akzep­tie­ren, wenn dies sei­nen natio­na­len Bestim­mun­gen ent­spricht. In dem Fall müss­te sich der Steu­er­pflich­ti­ge direkt an den Mit­glied­staat des Ver­brauchs wen­den. Sol­che Berich­ti­gun­gen wer­den nicht im Rah­men der Anlauf­stel­le gere­gelt.

Geht in einem spä­te­ren Quar­tal eine Gut­schrift ein, soll­te die Gut­schrift durch eine Berich­ti­gung der über die MOSS ein­ge­reich­ten Mehr­wert­steu­er­erklä­rung für den Zeit­raum berück­sich­tigt wer­den, in dem die betref­fen­de Dienst­leis­tung ange­ge­ben wor­den war.

Dem­entspre­chend kann es auch nicht zu nega­ti­ven Erklä­run­gen kom­men: Wenn eine Gut­schrift ein­ge­reicht wird oder es zu einer Teil­zah­lung oder Nicht­zah­lung kommt (unter Berück­sich­ti­gung der für Schul­den­er­las­se gel­ten­den Bestim­mun­gen des Mit­glied­staats des Ver­brauchs), muss die über die klei­ne ein­zi­ge Anlauf­stel­le ein­ge­reich­te Erklä­rung berich­tigt wer­den, in der die Dienst­leis­tung ursprüng­lich ange­ge­ben wor­den war.

Fäl­lig­keit und Zah­lung[↑]

Der Steu­er­pflich­ti­ge ent­rich­tet die fäl­li­ge Mehr­wert­steu­er beim Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung. Er zahlt den gesam­ten in der Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ange­ge­be­nen Betrag (für alle Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs). Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung lei­tet die jewei­li­gen Beträ­ge an die ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs wei­ter. Im Rah­men der EU-Rege­lung behält der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung einen Pro­zent­satz der Sum­me bis zum 31. Dezem­ber 2018 ein (Ein­be­hal­tungs­frist).

In der Über­wei­sung muss zwin­gend auf die bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le ein­ge­reich­te Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ver­wie­sen wer­den. Die­ser Ver­weis erfolgt durch die Anga­be der vom Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung ver­ge­be­nen ein­ma­li­ge Bezugs­num­mer.

Die Zah­lung soll­te erfol­gen, wenn die Erklä­rung bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le abge­ge­ben wird. Dabei ist die ein­ma­li­ge Bezugs­num­mer für die­se Erklä­rung anzu­ge­ben. Wenn die Zah­lung nicht zeit­gleich mit der Abga­be der Mehr­wert­steu­er­erklä­rung erfolgt, soll­te sie spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt erfol­gen, zu dem die Erklä­rung fäl­lig wäre. Wenn bei­spiels­wei­se der Steu­er­pflich­ti­ge die Mehr­wert­steu­er­erklä­rung am 10. Tag des Monats nach Ablauf des Erklä­rungs­zeit­raums an die Anlauf­stel­le über­mit­telt, kann die Zah­lung bis zum 20. Tag des Monats erfol­gen.

Der Betrag gilt dann als ent­rich­tet, wenn er auf dem Bank­kon­to des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung ein­ge­gan­gen ist. Der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung kann kei­ne Zah­lungs­plä­ne oder ähn­li­che Mög­lich­kei­ten eines Zah­lungs­auf­schubs für Zah­lun­gen vor­se­hen, die im Zusam­men­hang mit dem MOSS erfol­gen.

Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge den fäl­li­gen Betrag nicht oder nicht voll­stän­dig über­weist, schickt ihm der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung am zehn­ten Tag nach Ablauf des Tages, an dem die Zah­lung fäl­lig war, eine elek­tro­ni­sche Mah­nung. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Quar­ta­le Mah­nun­gen erhält und er nicht jeweils inner­halb von 10 Tagen nach einer Mah­nung den gesam­ten Mehr­wert­steu­er­be­trag ent­rich­tet, gilt dies als wie­der­hol­ter Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen der betref­fen­den Rege­lung, was sei­nen Aus­schluss zur Fol­ge hat, es sei denn, dass für jedes Quar­tal weni­ger als 100 € fäl­lig waren.

Für wei­te­re Mah­nun­gen und Maß­nah­men zur Ein­trei­bung der Mehr­wert­steu­er ist der Mit­glied­staat des Ver­brauchs zustän­dig. Wenn der Mit­glied­staat des Ver­brauchs eine Mah­nung ver­schickt, ist der fäl­li­ge Betrag nicht mehr an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung, son­dern direkt an den Mit­glied­staat des Ver­brauchs zu über­wei­sen. Wenn der Betrag den­noch an den Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung über­wie­sen wird, wird er von die­sem nicht an den Mit­glied­staat des Ver­brauchs wei­ter­ge­lei­tet, son­dern an den Steu­er­pflich­ti­gen zurück über­wie­sen. Buß­gel­der und Gebüh­ren für den Zah­lungs­ver­zug wer­den nicht über den MOSS ver­hängt. Dafür ist der Mit­glied­staat des Ver­brauchs zustän­dig, und es gel­ten sei­ne Vor­schrif­ten und Ver­fah­ren.

Im Fal­le einer über­höh­ten Zah­lung gibt es zwei Mög­lich­kei­ten:

  • Wenn beim Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung eine Zah­lung ein­geht, wird sie mit der Mehr­wert­steu­er­erklä­rung ver­gli­chen. Wird dabei fest­ge­stellt, dass der von dem Steu­er­pflich­ti­gen gezahl­te Betrag höher ist als der in der Erklä­rung ange­ge­be­ne Betrag, über­weist der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung den über­schüs­si­gen Betrag nach Maß­ga­be sei­ner natio­na­len Vor­schrif­ten und Ver­fah­ren an den Steu­er­pflich­ti­gen zurück.
  • Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge einen Feh­ler in sei­ner Mehr­wert­steu­er­erklä­rung fest­stellt und eine Berich­ti­gung vor­nimmt mit dem Ergeb­nis, dass ein zu hoher Betrag über­wie­sen wird, zahlt der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung den Betrag zurück, sofern die Berich­ti­gung vor­ge­nom­men wur­de, bevor das Geld an die Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs wei­ter­ge­lei­tet wor­den ist. Wenn die Berich­ti­gung vor­ge­nom­men wird, nach­dem der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung das Geld an die Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs wei­ter­ge­lei­tet hat, zahlt der Mit­glied­staat des Ver­brauchs (sofern er der Berich­ti­gung zustimmt) den zu viel gezahl­ten Betrag nach Maß­ga­be sei­ner natio­na­len Vor­schrif­ten und Ver­fah­ren direkt an den Steu­er­pflich­ti­gen zurück. Bis zum 31. Dezem­ber 2018 zahlt der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung auch den ein­be­hal­te­nen Betrag der über­höh­ten Zah­lung nach Maß­ga­be sei­ner natio­na­len Vor­schrif­ten und Ver­fah­ren direkt an den Steu­er­pflich­ti­gen zurück, nach­dem der Mit­glied­staat des Ver­brauchs der Berich­ti­gung zuge­stimmt hat.

Die Ent­schei­dung hier­zu obliegt den natio­na­len Behör­den. Die EU-Kom­mis­si­on hat jedoch allen Mit­glieds­staa­ten emp­foh­len, zu viel gezahl­te Beträ­ge inner­halb von 30 Tagen, nach­dem die Finanz­be­hör­de der Berich­ti­gung an den Steu­er­pflich­ti­gen zuge­stimmt hat, zurück zu über­wei­sen. Die Rück­zah­lung kann auch zusam­men mit ande­ren Ver­bind­lich­kei­ten mit dem betref­fen­den Mit­glied­staat des Ver­brauchs ver­rech­net wer­den, sofern die natio­na­len Vor­schrif­ten dies zulas­sen.

Nimmt der Steu­er­pflich­ti­ge eine Berich­ti­gung sei­ner bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le ein­ge­reich­ten Mehr­wert­steu­er­erklä­rung mit dem Ergeb­nis vor, dass an einen Mit­glied­staat ein zu hoher und dafür an einen ande­ren Mit­glied­staat ein ent­spre­chend nied­ri­ge­rer Betrag über­wie­sen wur­de, so wird der jewei­li­ge Mit­glieds­staat, der einen zu hohen Betrag erhal­ten hat, nach­dem der Berich­ti­gung zuge­stimmt wur­de, auf­ge­for­dert, auf der Grund­la­ge der Anga­ben in der bei der klei­nen ein­zi­gen Anlauf­stel­le ein­ge­gan­ge­nen berich­tig­ten Erklä­rung eine Rück­über­wei­sung direkt an den Steu­er­pflich­ti­gen vor­zu­neh­men. Der Steu­er­pflich­ti­ge wird auf­ge­for­dert, den Fehl­be­trag für den ande­ren Mit­glied­staat über die Anlauf­stel­le zu über­wei­sen, nach­dem die Berich­ti­gung vor­ge­nom­men wur­de. Wenn ein Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung einen Betrag für eine Mehr­wert­steu­er­erklä­rung erhal­ten hat, die sich im Nach­hin­ein als feh­ler­haft her­aus­ge­stellt hat (z. B. durch eine von dem Steu­er­pflich­ti­gen vor­ge­nom­me­ne Berich­ti­gung), und der Mit­glied­staat den Betrag noch nicht an die Mit­glied­staa­ten des Ver­brauchs wei­ter­ge­lei­tet hat, erstat­tet der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung den über­schüs­si­gen Betrag direkt an den Steu­er­pflich­ti­gen.

Für jede an die Anlauf­stel­le über­mit­tel­te Mehr­wert­steu­er­erklä­rung wird eine ein­ma­li­ge Bezugs­num­mer ver­ge­ben, die bei der Über­wei­sung ange­ge­ben wer­den muss. Wenn der Steu­er­pflich­ti­ge eine Zah­lung ohne Anga­be der Bezugs­num­mer ver­an­lasst oder die ange­ge­be­ne Bezugs­num­mer kei­nem aus­ste­hen­den Mehr­wert­steu­er­be­trag ent­spricht, kann der Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung von sich aus tätig wer­den, um die Fra­ge zu klä­ren. Andern­falls oder wenn die Sache unge­klärt bleibt, geht der Betrag an den Steu­er­pflich­ti­gen zurück. Wenn die Fris­ten für die erneu­te Über­wei­sung nicht ein­ge­hal­ten wer­den, gilt dies als Zah­lungs­ver­zug.

Auf­zeich­nungs­pflich­ten[↑]

Wel­che Auf­zeich­nun­gen der Steu­er­pflich­ti­ge füh­ren muss, regelt die Arti­kel 63c der EU-Ver­ord­nung Nr. 967/​2012. Dazu gehö­ren all­ge­mei­ne Anga­ben wie der Mit­glied­staat des Ver­brauchs, in dem die Dienst­leis­tung erbracht wird, die Art der erbrach­ten Dienst­leis­tung, das Datum der Dienst­leis­tungs­er­brin­gung und der Betrag der zu zah­len­den Mehr­wert­steu­er sowie spe­zi­fi­sche­re Infor­ma­tio­nen wie genaue Anga­ben zu Vor­aus­zah­lun­gen und Infor­ma­tio­nen zur Bestim­mung des Ortes, an dem der Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger ansäs­sig ist oder sei­nen Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

Die Auf­zeich­nun­gen sind zehn Jah­re nach Ablauf des Jah­res auf­zu­be­wah­ren, in dem das Geschäft getä­tigt wur­de, unab­hän­gig davon, ob die Rege­lung noch in Anspruch genom­men wird. Dies ent­spricht den Auf­be­wah­rungs­fris­ten des deut­schen Steu­er­rechts.

Die Auf­zeich­nun­gen sind dem Mit­glied­staat der Iden­ti­fi­zie­rung oder einem Mit­glied­staat des Ver­brauchs auf Ersu­chen unver­züg­lich elek­tro­nisch zur Ver­fü­gung zu stel­len. Der Mit­glied­staat wird dar­über infor­mie­ren, wie in der Pra­xis vor­zu­ge­hen ist, wenn die Auf­zeich­nun­gen ange­for­dert wer­den. Wenn die­se Auf­zeich­nun­gen nicht inner­halb eines Monats nach Erhalt der Mah­nung des Mit­glied­staats der Iden­ti­fi­zie­rung zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, gilt dies als wie­der­hol­ter Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen der Rege­lung, der zum Aus­schluss von der Rege­lung führt.

Rech­nungs­stel­lung[↑]

Für die Rech­nungs­stel­lung gel­ten die Vor­schrif­ten des Mit­glied­staats des Ver­brauchs. Des­halb soll­ten sich die Steu­er­pflich­ti­gen über die maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen der Mit­glied­staa­ten infor­mie­ren, in denen sie Dienst­leis­tun­gen erbrin­gen.

Zah­lungs­aus­fäl­le[↑]

Wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger von einem Kun­den kei­ne Zah­lung erhält, hat er mög­li­cher­wei­se Anspruch auf einen Schul­den­er­lass. In dem Fall ist die MwSt-Bemes­sungs­grund­la­ge ent­spre­chend zu kür­zen. Im Rah­men des MOSS ändert der Steu­er­pflich­ti­ge die MwSt-Bemes­sungs­grund­la­ge in der ursprüng­li­chen Erklä­rung bei der Anlauf­stel­le so, wie er jede ande­re Berich­ti­gung vor­neh­men wür­de. Der Mit­glied­staat des Ver­brauchs kann die­se Ände­rung prü­fen, um fest­zu­stel­len, ob sie den natio­na­len Vor­schrif­ten ent­spricht.