Nach­weis­pro­ble­me bei der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung

Der Unter­neh­mer darf den ihm oblie­gen­den siche­ren Nach­weis der mate­ri­el­len Tat­be­stands­merk­ma­le einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung auch jen­seits der for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV grund­sätz­lich nicht in ande­rer Wei­se als durch Bele­ge und Auf­zeich­nun­gen füh­ren 1.

Nach­weis­pro­ble­me bei der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat dies damit begrün­det, dass der Neu­tra­li­täts­grund­satz die Steu­er­be­frei­ung zwar auch dann gebie­tet, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die for­mel­len Anfor­de­run­gen an den Nach­weis der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung nicht oder nicht voll­stän­dig erfüllt, die Vor­aus­set­zun­gen einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung dann aber unbe­streit­bar fest­ste­hen müs­sen und dass der Unter­neh­mer auch unter Beach­tung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes grund­sätz­lich nicht berech­tigt ist, den ihm oblie­gen­den siche­ren Nach­weis der mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen in ande­rer Wei­se als durch Bele­ge und Auf­zeich­nun­gen zu füh­ren. Somit kommt ein Beweis durch Zeu­gen als Ersatz für den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Buch- und Beleg­nach­weis grund­sätz­lich nicht in Betracht, und zwar weder von Amts wegen (§ 76 Abs. 1 FGO) noch auf Antrag. Nur wenn der For­mal­be­weis aus­nahms­wei­se nicht oder nicht zumut­bar geführt wer­den kann, gebie­tet es der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, den Nach­weis auch in ande­rer Form zuzu­las­sen 2.

Danach schei­det eine Beweis­erhe­bung mit­tels Aus­kunft des ita­lie­ni­schen Fahr­zeug­re­gis­ters zu der Fra­ge, ob die PKW, die Gegen­stand der strei­ti­gen inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung waren, in Ita­li­en zum Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­sen wor­den sind, bereits wegen § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV und damit aus Grün­den des mate­ri­el­len Rechts aus.

Der bean­trag­te Beweis wäre nur zu erhe­ben gewe­sen, wenn der Unter­neh­me­rin die Ein­hal­tung der § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV "nicht zumut­bar" war. Hier­für lie­gen kei­ne Anhalts­punk­te vor. Damit ist das Urteil nicht ver­fah­rens­feh­ler­haft, son­dern in Über­ein­stim­mung mit dem mate­ri­el­len Recht ergan­gen, das die von der Klä­ge­rin gewünsch­te Art der Beweis­füh­rung ‑abge­se­hen vom Aus­nah­me­tat­be­stand der Unzu­mut­bar­keit- nicht vor­sieht 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2015 – V B 40/​15

  1. BFH, Urteil vom 19.03.2015 – V R 14/​14, BFHE 250, 248, BSt­Bl II 2015, 912, Leit­satz[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 250, 248, BSt­Bl II 2015, 912, unter II. 3.[]
  3. zur Abgren­zung von mate­ri­el­lem Recht und Ver­fah­rens­recht vgl. auch all­ge­mein BFH, Urteil vom 23.04.2013 – VIII R 4/​10, BFHE 241, 42, BSt­Bl II 2013, 615[]