Nar­ko­se­leis­tung bei Schön­heits­ope­ra­ti­on und die Umsatz­steu­er

Das Finanz­ge­richt Köln hat­te zu ent­schei­den, ob Nar­ko­se­leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit medi­zi­nisch nicht indi­zier­ten kos­me­ti­schen Ope­ra­tio­nen nach § 4 Nr. 14 UStG umsatz­steu­er­be­freit sind.

Nar­ko­se­leis­tung bei Schön­heits­ope­ra­ti­on und die Umsatz­steu­er

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts hat es der Beklag­te zu Recht abge­lehnt, Anäs­the­sie­leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit the­ra­peu­tisch nicht indi­zier­ten Schön­heits­ope­ra­tio­nen gem. § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatz­steu­er frei­zu­stel­len.

Nach § 4 Nr. 14 UStG in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung sind steu­er­frei die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Arzt. Die Vor­schrift setzt bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin durch ärzt­li­che oder arzt­ähn­li­che Leis­tun­gen erbringt [1]. Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin i.S. des Art. 132 Abs. 1 c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem, MwSt­Sys­tRL, umfas­sen Tätig­kei­ten, die zum Zwe­cke der Vor­beu­gung, Dia­gno­se, der Behand­lung und, soweit mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen bei Men­schen vor­ge­nom­men wer­den [2]. Wird eine ärzt­li­che Leis­tung in einem Zusam­men­hang erbracht, der die Fest­stel­lung zulässt, dass ihr Haupt­ziel nicht der Schutz der Gesund­heit ist, fin­det die Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 14 UStG kei­ne Anwen­dung.

Unter Berück­sich­ti­gung der dar­ge­stell­ten Grund­sät­ze sind Leis­tun­gen eines Anäs­the­sis­ten im Zusam­men­hang mit einer medi­zi­nisch nicht indi­zier­ten Schön­heits­ope­ra­ti­on umsatz­steu­er­pflich­tig. Der auf die­ser Grund­la­ge ergan­ge­ne Umsatz­steu­er­be­scheid begeg­net damit kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken.

Die Auf­ga­be eines Anäs­the­sis­ten besteht dar­in, einen Zustand der Emp­fin­dungs­lo­sig­keit zum Zwe­cke der Tole­ranz von kör­per­li­chen Ein­grif­fen her­bei­zu­füh­ren und für die Dau­er des Ein­griffs auf­recht­zu­er­hal­ten. Ob es sich bei die­ser Leis­tung um eine Heil­be­hand­lung han­delt, kann nach Dafür­hal­ten des Sena­tes nur unter Wür­di­gung des Ein­griffs beur­teilt wer­den, dem die Anäs­the­sie dient. Denn die Nar­ko­se wür­de ohne die Ope­ra­ti­on nicht statt­fin­den; sie hat für den Pati­en­ten kei­nen von der Ope­ra­ti­on unab­hän­gi­gen Nut­zen.

Ist der durch die Nar­ko­se ermög­lich­te Ein­griff ‑wie hier- unstrei­tig nicht als Heil­be­hand­lung zu qua­li­fi­zie­ren, gilt dies auch für die Nar­ko­se­leis­tung. Dies ergibt sich aus der Ziel­rich­tung der Nar­ko­se, die in besag­ten Fäl­len dar­in besteht, eine nicht indi­zier­te Schön­heits­ope­ra­ti­on zu ermög­li­chen. Der von der Klä­ge­rin ange­führ­te Umstand, dass der Anäs­the­sist wäh­rend der Ope­ra­ti­on die lebens­wich­ti­gen Kör­per­funk­tio­nen kon­trol­liert und damit schützt, beruht nicht auf einer Erkran­kung des Pati­en­ten, son­dern geht dar­auf zurück, dass der Anäs­the­sist zuvor selbst bestimm­te Kör­per­funk­tio­nen aus­ge­schal­tet hat. Der Anäs­the­sist heilt mit der anläss­lich einer Schön­heits­ope­ra­ti­on ver­ab­reich­ten Nar­ko­se kei­ne Gesund­heits­stö­rung und betreibt auch kei­ne Gesund­heits­vor­sor­ge. Eben­so wie die medi­zi­nisch nicht indi­zier­te Schön­heits­ope­ra­ti­on stellt auch die zur Ermög­li­chung des Ein­griffs vor­ge­nom­me­ne Nar­ko­se kei­ne Heil­be­hand­lung dar.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 26. Mai 2011 – 12 K 1316/​10

  1. vgl. z.B. BFH-Urteil vom 15.07.2004 – V R 27/​03, BStBl II 2004, 862; Beschluss vom 22.02.2006 – V B 30/​05, BFH/​NV 2006, 1168; sie­he auch BFH-Beschluss vom 18.02.2008 – V B 35/​06, BFH/​NV 2008, 1001[]
  2. EuGH-Urteil vom 20.11.2003 – C‑307/​01, HFR 2004, 278[]