"Out­sour­cing" bei Ban­ken

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat sich jetzt zu der für die Ban­ken­pra­xis bedeut­sa­men Fra­ge geäu­ßert, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Dienst­leis­ter beim sog. "Out­sour­cing" gegen­über Ban­ken umsatz­steu­er­freie Leis­tun­gen erbrin­gen kön­nen.

<span class="Out­sour­cing" bei Ban­ken" title=""Outsourcing" bei Banken" srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/crash-215512_1920.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/crash-215512_1920-300x212.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/crash-215512_1920-768x543.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/crash-215512_1920-1024x724.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Im Streit­fall ging es um die Leis­tun­gen eines Rechen­zen­trums, das für Ban­ken Daten­ver­ar­bei­tungs­leis­tun­gen erbrach­te, die von den Ban­ken ins­be­son­de­re für Zwe­cke des steu­er­frei­en Über­wei­sungs­ver­kehrs genutzt wur­den. Dabei ver­ar­bei­te­te das Rechen­zen­trum Daten­sät­ze und nahm Prü­fun­gen vor, die sich auf die Kon­to­da­ten des Über­wei­sen­den wie z.B. Kon­to­stand oder Kre­dit­li­nie, die Kon­to­num­mer und den Name des Begüns­tig­ten, die Bank­leit­zahl der Emp­fän­ger­bank und das Bestehen beson­de­rer Über­wei­sungs­sper­ren bezo­gen. Stand der Über­wei­sung kein Hin­de­rungs­grund ent­ge­gen, ver­an­lass­te das Rechen­zen­trum die Abbu­chung vom Kon­to des Über­wei­sen­den und die Wei­ter­lei­tung an die Bank des Begüns­tig­ten.

In sei­nem Urteil betont der BFH die Bedeu­tung der vom Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH) ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zur Erbrin­gung steu­er­frei­er Leis­tun­gen im Ban­ken- und Finanz­be­reich. Danach könn­ten steu­er­freie Bank- und Finanz­dienst­leis­tun­gen nicht nur durch Ban­ken und Finanz­in­sti­tu­te, son­dern auch durch Dienst­leis­ter wie z.B. Rechen­zen­tren gegen­über Ban­ken oder Finanz­in­sti­tu­ten erbracht wer­den. Erfor­der­lich sei hier­für, dass die jewei­li­ge Leis­tung als eigen­stän­di­ges Gan­zes die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen der steu­er­frei­en Bank- oder Finanz­dienst­leis­tung erfül­le. Das Betrei­ben eines auto­ma­ti­sier­ten Über­wei­sungs­sys­tems kön­ne danach Gegen­stand einer steu­er­frei­en Leis­tung sein.

Gleich­wohl hielt der BFH die Leis­tun­gen des Rechen­zen­trums in dem von ihm zu ent­schei­den­den Streit­fall für steu­er­pflich­tig, da das Rechen­zen­trum gegen­über den Ban­ken auch steu­er­pflich­ti­ge Leis­tun­gen all­ge­mei­ner Art erbracht hat­te und der steu­er­freie Leis­tungs­be­reich nicht hin­rei­chend klar von den unstrit­tig steu­er­pflich­ti­gen Leis­tun­gen abge­grenzt wer­den konn­te.

  1. Leis­tun­gen eines Rechen­zen­trums (Rechen­zen­tra­le) an Ban­ken kön­nen nur dann als "Umsät­ze im Ein­la­gen­ge­schäft, im Kon­to­kor­rent­ver­kehr sowie im Zah­lungs- und Über­wei­sungs­ver­kehr" nach § 4 Nr. 8 Buchst. d UStG steu­er­frei sein, wenn die­se Leis­tun­gen ein im Gro­ßen und Gan­zen eigen­stän­di­ges Gan­zes sind, das die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen der in die­ser Vor­schrift genann­ten Umsät­ze erfüllt.
  2. Das Betrei­ben eines auto­ma­ti­sier­ten Über­wei­sungs­sys­tems, das die Prü­fung und Frei­ga­be ein­zel­ner Über­wei­sungs­auf­trä­ge ermög­licht und die Kun­den­wei­sung dadurch umsetzt, dass der Über­wei­sungs­be­trag vom Kon­to des Bank­kun­den abge­bucht und der Bank des Begüns­tig­ten gut­ge­schrie­ben wird, kann als Leis­tung im Über­wei­sungs­ver­kehr steu­er­frei sein. Dass das Rechen­zen­trum hier­bei auf­grund der inhalt­li­chen Vor­ga­ben der Bank für die Aus­füh­rung der Kun­den­wei­sung kei­ne dis­po­si­ti­ven Ent­schei­dun­gen zu tref­fen hat, ist uner­heb­lich.
  3. Aus dem Leis­tungs­ver­zeich­nis eines Rah­men­ver­tra­ges mit 2 623 Ein­zel­po­si­tio­nen, für die eine jeweils eigen­stän­di­ge Ver­gü­tungs­re­ge­lung besteht, kön­nen nicht 145 Ein­zel­tä­tig­kei­ten zu nach § 4 Nr. 8 Buchst. d UStG steu­er­frei­en Leis­tun­gen zusam­men­ge­fasst wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Juni 2008 – V R 32/​06