Schät­zungs­be­scheid trotz Zwei­feln am Vor­lie­gen einer Geschäfts­tä­tig­keit

Die Zwei­fel am Vor­lie­gen einer Geschäfts­tä­tig­keit mit steu­er­pflich­ti­gen Aus­gangs­um­sät­zen kön­nen nicht im Wege einer Schät­zung (§ 162 AO) beho­ben wer­den.

Schät­zungs­be­scheid trotz Zwei­feln am Vor­lie­gen einer Geschäfts­tä­tig­keit

Bei einer Schät­zung wird von der Ver­wirk­li­chung des gesetz­li­chen Tat­be­stan­des aus­ge­gan­gen. Nur hin­sicht­lich ein­zel­ner Besteue­rungs­grund­la­gen lie­gen Unge­wiss­hei­ten spe­zi­fi­scher Art (wie z.B. die Höhe der Umsät­ze) vor, die einer Besei­ti­gung durch Schät­zung zugäng­lich sind 1. Vor­aus­set­zung einer Schät­zung ist somit die Gewiss­heit, dass über­haupt ein steu­er­lich bedeut­sa­mer Sach­ver­halt vor­liegt 2. Hier­an fehlt es im Streit­fall, da kei­ner­lei Tat­sa­chen für das Vor­lie­gen steu­er­pflich­ti­ger Aus­gangs­um­sät­ze der Klä­ge­rin im Streit­jahr ersicht­lich sind.

Auf den Nach­weis des Vor­lie­gens eines umsatz­steu­er­lich bedeut­sa­men Sach­ver­halts kann auch dann nicht ver­zich­tet wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge trotz Auf­for­de­rung kei­ne Steu­er­erklä­rung abgibt. Nach § 162 Abs. 2 Satz 1 AO ist zwar ins­be­son­de­re dann zu schät­zen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge über sei­ne Anga­ben kei­ne aus­rei­chen­den Auf­klä­run­gen zu geben ver­mag oder wei­te­re Aus­kunft oder eine Ver­si­che­rung an Eides statt ver­wei­gert. Abge­se­hen davon, dass die­ses Schät­zungs­ge­bot nach den Aus­füh­run­gen unter II. 1.b bb nicht qua­li­ta­ti­ve, son­dern nur quan­ti­ta­ti­ve Besteue­rungs­merk­ma­le betrifft, hat die Klä­ge­rin dahin­ge­hend Anga­ben gemacht, dass sie im Streit­jahr noch kei­ne Geschäfts­tä­tig­keit ent­fal­tet habe; zu wei­te­ren Aus­künf­ten hier­über ist sie nicht auf­ge­for­dert wor­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Febru­ar 2015 – V B 87/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 03.11.2010 – I R 4/​10, BFH/​NV 2011, 800, unter II. 2.b cc bbb; vom 19.10.1978, – V R 39/​75, BFHE 127, 71, BSt­Bl II 1979, 345, unter II. 1., sowie vom 10.06.1999 – V R 82/​98, BFHE 188, 460; BFH, Beschluss vom 20.07.2010 – X B 70/​10, BFH/​NV 2010, 2007, unter II. 2.c bb[]
  2. Trz­as­ka­lik in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 162 AO Rz 15; Buciek in Beermann/​Gosch, AO § 162 Rz 22, Frot­scher in Schwarz, AO, § 162 Rz 8[]