Selb­stän­di­ge Regis­seu­re in der Umsatz­steu­er

Die Gagen selb­stän­dig täti­ger Regis­seu­re sind umsatz­steu­er­lich begüns­tigt, d.h. sie müs­sen nicht mit dem vol­len Umsatz­steu­er­satz von der­zeit 19 % ver­steu­ert wer­den. Das ent­schied in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg und wider­sprach damit der ein­hel­li­gen Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung. Die berief sich dar­auf, dass nach den gel­ten­den Rege­lun­gen des Umsatz­steu­er­ge­set­zes zwar die Umsät­ze von Thea­tern, Orches­tern, Chö­ren u.ä. umsatz­steu­er­frei oder nur ermä­ßigt zu besteu­ern sei­en, dass aber ein selb­stän­di­ger Regis­seur allein kein „Thea­ter" dar­stel­le.

Selb­stän­di­ge Regis­seu­re in der Umsatz­steu­er

Dem stimm­ten die Cott­bu­ser Rich­ter im Grund­satz zu. Sie gin­gen aber in ihrer Ent­schei­dung inso­weit einen Schritt wei­ter, als sie den Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät dadurch ver­letzt sahen, dass ein selb­stän­dig täti­ger Regis­seur umsatz­steu­er­lich ungüns­ti­ger behan­delt wird als ein Thea­ter als sol­ches, und damit z.B. auch die Leis­tung eines bei einem Thea­ter ange­stell­ten Regis­seurs als Gast­re­gis­seur eines ande­ren Thea­ters. Ein selb­stän­di­ger Regis­seur kön­ne sich, so das Finanz­ge­richt, des­halb direkt auf eine Vor­schrift des Euro­pa­rechts beru­fen, nach der bestimm­te kul­tu­rel­le Dienst­leis­tun­gen umsatz­steu­er­frei gestellt wer­den kön­nen oder dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­lie­gen. Das Umsatz­steu­er­recht ist – anders als z.B. das Ein­kom­men­steu­er­recht – in Euro­pa weit­ge­hend har­mo­ni­siert, d.h. eine Viel­zahl von Rege­lun­gen ist durch die ent­spre­chen­de euro­pa­recht­li­che Richt­li­nie vor­ge­ge­ben. Setzt ein Staat die Richt­li­nie nicht oder nicht voll­stän­dig oder nicht ihrem Sinn ent­spre­chend um, so kann der Steu­er­pflich­ti­ge sich, wie in die­sem Fall, direkt auf das euro­päi­sche Recht stüt­zen.

Ob die Umsät­ze selb­stän­di­ger Regis­seu­re umsatz­steu­er­frei oder ermä­ßigt steu­er­pflich­tig sind, hängt nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts davon ab, ob ihnen in einer soge­nann­ten Gleich­stel­lungs­be­schei­ni­gung beschei­nigt wird, die glei­chen kul­tu­rel­len Auf­ga­ben wie z.B. ein Thea­ter zu erfül­len. Kann eine sol­che Beschei­ni­gung vor­ge­legt wer­den, ist die Gage voll­stän­dig von der Umsatz­steu­er befreit, ansons­ten ist sie zum ermä­ßig­ten Steu­er­satz von 7 % zu ver­steu­ern.

Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig, gegen das Urteil ist Revi­si­on ein­ge­legt wor­den, so dass der Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen dar­über zu ent­schei­den haben wird (XI R 44/​08).

Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04. Novem­ber 2008 – 7 K 2310/​06 B