Stand­ver­mie­tung auf Wochen­märk­ten

Vor einem Jahr hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass die Über­las­sung von Stand­plät­zen durch den Ver­an­stal­ter von Wochen­märk­ten an die Markt­händ­ler als ein­heit­li­che, umsatz­steu­er­freie Ver­mie­tungs­leis­tung anzu­se­hen sein kann. Nun­mehr ver­sucht das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in einem Schrei­ben, ein­heit­li­che Kri­te­ri­en fest­zu­le­gen für die Beur­tei­lung, ob eine ein­heit­li­che Leis­tung oder meh­re­re selb­stän­di­ge Ein­zel­leis­tun­gen vor­lie­gen. Maß­geb­lich hier­für soll nach Ansicht der Finanz­ver­wal­tung der wirt­schaft­li­che Gehalt der erbrach­ten Leis­tun­gen sein.

Stand­ver­mie­tung auf Wochen­märk­ten

Für die Annah­me einer ein­heit­li­chen Leis­tung sind nach dem aktu­el­len BMF-Schrei­ben im Wesent­li­chen fol­gen­de Grund­sät­ze maß­geb­lich: Jede Dienst­leis­tung ist in der Regel als eige­ne, selb­stän­di­ge Leis­tung zu betrach­ten; ande­rer­seits darf aber eine wirt­schaft­lich ein­heit­li­che Dienst­leis­tung nicht künst­lich auf­ge­spal­ten wer­den. Das Wesen des frag­li­chen Umsat­zes ist zu ermit­teln und fest­zu­stel­len, ob eine ein­heit­li­che Leis­tung oder meh­re­re Leis­tun­gen vor­lie­gen; eine Leis­tung ist dann als Neben­leis­tung zu einer Haupt­leis­tung anzu­se­hen, wenn sie für den Leis­tungs­emp­fän­ger kei­nen eige­nen Zweck hat. Für die Annah­me einer ein­heit­li­chen Ver­mie­tungs­leis­tung und damit für die Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG ist ent­schei­dend, ob eine ein­heit­li­che Leis­tung vor­liegt, und wenn dies zutrifft, ob die Ver­mie­tungs­teil­leis­tung prä­gend ist.

Die dem BFH-Urteil ent­ge­gen­ste­hen­de Ansicht in Abschnitt 80 Abs. 1 und 3 der Umsatz­steu­er-Richt­li­ni­en ist nicht mehr anzu­wen­den. Abschnitt 81 Abs. 2 Nr. 3 UStR fin­det aller­dings wei­ter­hin unein­ge­schränkt Anwen­dung.

Gleich­zei­tig will die Finanz­ver­wal­tung die­se Rege­lun­gen aller­dings erst ab dem Jahr 2009 anwen­den: Für vor dem 1. Janu­ar 2009 aus­ge­führ­te Umsät­ze wird es von der Finanz­ver­wal­tung nicht bean­stan­det, wenn die Zur­ver­fü­gung­stel­lung von Stand­plät­zen auf Märk­ten und die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Leis­tun­gen umsatz­steu­er­lich geson­dert beur­teilt wer­den und nur
die Grund­stücks­ver­mie­tung als steu­er­frei nach § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG behan­delt wird. Für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me bis ein­schließ­lich 2008 kann der Ver­mie­ter daher wäh­len, je nach­dem, ob die bis­he­ri­ge Rege­lung (Abschnitt 80 UStR) oder aber die neue­re BFH-Recht­spre­chung für ihn güns­ti­ger ist.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 15. Janu­ar 2009 – IV B 9 – S 7168/​08/​10001 – DOK 2008/​0736096