Steu­er­haf­tung – und die Mit­tel­vor­sor­ge­pflicht des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Eine die Haf­tung des GmbH-Geschäfts­füh­rers für die Steu­er­schul­den der GmbH aus­lö­sen­de Mit­tel­vor­sor­ge­pflicht setzt die Kennt­nis des Geschäfts­füh­rers über die vor­aus­sicht­li­che Ent­ste­hung der Steu­er­ver­bind­lich­kei­ten vor­aus.

Steu­er­haf­tung – und die Mit­tel­vor­sor­ge­pflicht des GmbH-Geschäfts­füh­rers

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kann sich ein gesetz­li­cher Ver­tre­ter bereits vor Fäl­lig­keit einer Steu­er der Ver­let­zung sei­ner Pflicht zur Bereit­hal­tung von Mit­teln schul­dig machen. Denn von ihm ist zu ver­lan­gen, dass er vor­aus­schau­end plant und ins­be­son­de­re in der Kri­se finan­zi­el­le Mit­tel zur Ent­rich­tung der geschul­de­ten Steu­ern bereit­hält. Vom Ein­tritt der Fäl­lig­keit der Steu­ern ist die­se Pflicht unab­hän­gig 1.

Sol­len die Steu­er­schul­den durch Ertei­lung einer Ein­zugs­er­mäch­ti­gung begli­chen wer­den, hat der Geschäfts­füh­rer einer GmbH dafür Sor­ge zu tra­gen, dass von der Ein­zugs­er­mäch­ti­gung auch Gebrauch gemacht wer­den kann und dass das Kon­to eine Deckung auf­weist 2.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall beruht die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers dar­auf, dass er die im Novem­ber 2009 fäl­lig gewor­de­nen Umsatz­steu­ern nicht ent­rich­tet hat. Da die ent­spre­chen­den Vor­anmel­dun­gen am 5.11.2009 und somit wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Geschäfts­füh­rer abge­ge­ben wor­den sind, kann er sich nicht dar­auf beru­fen, ihm sei weder Grund noch Höhe der Umsatz­steu­er­for­de­run­gen, für die er nun haf­tet, bekannt gewe­sen.

Nur in Bezug auf die Til­gungs­quo­te hat das erst­in­stanz­li­che Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf 3 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Schät­zung des Finanz­amt nicht zu bean­stan­den sei, weil der Geschäfts­füh­rer sei­ner Pflicht zur Mit­tel­vor­sor­ge ‑zumin­dest ab Mit­te Okto­ber 2009- nicht nach­ge­kom­men sei.

Bei die­sem Befund bedarf die Fra­ge kei­ner Klä­rung, ob eine Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­pflich­tet ist, Mit­tel für die Beglei­chung unbe­kann­ter Steu­er­schul­den bereit­zu­hal­ten. Denn bei der haf­tungs­be­grün­den­den Pflicht­ver­let­zung i.S. des § 69 AO geht es nicht um die steu­er­li­chen Pflich­ten der vom Haf­ten­den ver­tre­te­nen Gesell­schaft, son­dern um die per­sön­li­che Pflicht des gesetz­li­chen Ver­tre­ters der Gesell­schaft.

Auch waren im Streit­fall die Höhe und der Grund der For­de­rung in dem für die Haf­tung ent­schei­den­den Zeit­punkt der Ver­let­zung der dem Geschäfts­füh­rer oblie­gen­den Ent­rich­tungs­pflicht bekannt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Novem­ber 2015 – VII B 74/​15

  1. BFH, Urteil vom 09.01.1997 – VII R 51/​96, BFH/​NV 1997, 324[]
  2. BFH, Beschluss vom 19.03.1999 – VII B 158/​98, BFH/​NV 1999, 1304[]
  3. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 06.05.2015 – 7 K 2587/​14 H[]