Tat­too-Vor­la­gen sind kei­ne Kunst­wer­ke

Die Anfer­ti­gung von Tat­too-Vor­la­gen unter­liegt nicht als künst­le­ri­sche Arbei­ten dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7% son­dern nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz dem Regel­steu­er­satz von 19%.

Tat­too-Vor­la­gen sind kei­ne Kunst­wer­ke

Der Klä­ger des jetzt vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Falls ist als Tat­too-Zeich­ner unter­neh­me­risch tätig, ohne zugleich selbst als Täto­wie­rer zu arbei­ten. Er erstellt nach Kun­den­wunsch Täto­wier­vor­la­gen. Die Kun­den las­sen die Täto­wie­run­gen dann im Stu­dio der Ehe­frau des Klä­gers vor­neh­men.

In sei­ner Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Streit­jahr 2005 erklär­te der Klä­ger die aus der Erstel­lung von Tat­too-Vor­la­gen erziel­ten Umsät­ze in Höhe von 10.313 € mit dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz, wäh­rend das Finanz­amt den erklär­ten Betrag mit dem Regel­steu­er­satz ver­steu­er­te.

Mit sei­ner Kla­ge begehr­te der Klä­ger die Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes. Der Schwer­punkt sei­ner Tätig­keit lie­ge im künst­le­ri­schen Bereich. Die von ihm gefer­tig­te Tat­too-Vor­la­ge wer­de dem Kun­den gegen Bezah­lung aus­ge­hän­digt. Der Kun­de kön­ne damit ver­fah­ren, wie er wol­le; er kön­ne das Tat­too im Stu­dio der Ehe­frau anfer­ti­gen las­sen oder zu einem ande­ren Täto­wie­rer gehen. Bei sei­ner Tätig­keit han­de­le es sich um die Lie­fe­rung eines Kunst­ge­gen­stan­des, was ermä­ßigt zu besteu­ern sei. Im Streit­fall sei der künst­le­ri­sche Ein­druck vor­herr­schend und prä­gend, die prak­ti­sche Nut­zungs­mög­lich­keit zweit­ran­gig. Er erschaf­fe Wer­ke im Sin­ne des Urhe­ber­rechts, jedes Werk sei durch sei­ne Per­sön­lich­keit geprägt.

Die Kla­ge hat­te vor dem Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz aller­dings kei­nen Erfolg: Kunst­ge­gen­stän­de, und zwar Gemäl­de und Zeich­nun­gen, die voll­stän­dig mit der Hand geschaf­fen wür­den, sowie Col­la­gen und ähn­li­che deko­ra­ti­ve Bild­wer­ke wür­den zwar ermä­ßigt besteu­ert; auch für mit der Hand geschaf­fe­ne Zeich­nun­gen sei der ermä­ßig­te Steu­er­satz grund­sätz­lich anzu­wen­den. Das gel­te jedoch nicht bei Bau­plä­nen, tech­ni­schen Zeich­nun­gen und gewerb­li­chen Zeich­nun­gen, die als Ori­gi­na­le mit der Hand her­ge­stellt wür­den. Der Zweck der Her­aus­nah­me gewerb­li­cher Zeich­nun­gen aus der Begüns­ti­gung lie­ge dar­in, dass nur sol­che Gegen­stän­de begüns­tigt wer­den soll­ten, die wirt­schaft­lich weder unter­ein­an­der noch mit ande­ren Gegen­stän­den in Wett­be­werb stän­den, weil es sich bei ihnen um ganz per­sön­li­che Schöp­fun­gen han­de­le, mit denen der Künst­ler einem ästhe­ti­schen Ide­al Aus­druck ver­lei­hen wol­le. Eine Begüns­ti­gung von Gegen­stän­den, die sich in einer zumin­dest poten­zi­el­len Wett­be­werbs­si­tua­ti­on mit ande­ren ähn­li­chen Erzeug­nis­sen indus­tri­el­ler oder hand­werk­li­cher Her­stel­lung befin­den wür­den, sei daher nicht gerecht­fer­tigt. Somit sei­en Gegen­stän­de, die nach ihrer äuße­ren Gestal­tung ver­gleich­ba­ren indus­tri­ell oder hand­werk­lich gefer­tig­ten Erzeug­nis­sen ähn­lich sei­en, auch dann nicht begüns­tigt, wenn sie von Künst­lern hand­ge­fer­tigt wür­den. Nach die­sen Grund­sät­zen sei­en im Streit­fall gewerb­li­che Zeich­nun­gen gege­ben. Die Tat­too-Vor­la­gen sei­en dazu bestimmt, ent­spre­chen­de Tat­toos anzu­fer­ti­gen. Wenn auch eine ande­re Ver­wen­dung der Vor­la­gen denk­bar sei, so sei doch die Zweck­be­stim­mung der Zeich­nun­gen und nicht deren künst­le­ri­scher Gehalt prä­gend. Auch wenn es sich um indi­vi­du­el­le Erzeug­nis­se han­de­le, befän­den sich die Zeich­nun­gen gleich­wohl im Wett­be­werb mit stan­dar­di­sier­ten Tat­too-Moti­ven.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 6 K 1433/​08