Tau­sch­ähn­li­che Umsät­ze zwi­schen Her­aus­ge­ber und Ver­lag

Zum Vor­lie­gen eines tau­sch­ähn­li­chen Umsat­zes zwi­schen dem Auf­trag­ge­ber/​Her­aus­ge­ber einer Schrif­ten­rei­he und dem mit der Her­stel­lung beauf­trag­ten Ver­lag muss­te aktu­ell der Bun­des­fi­nanz­hof Stel­lung neh­men:

Tau­sch­ähn­li­che Umsät­ze zwi­schen Her­aus­ge­ber und Ver­lag

Ein steu­er­ba­rer Umsatz in Form einer Leis­tung gegen Ent­gelt i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG liegt vor, wenn zwi­schen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungs­emp­fän­ger ein Rechts­ver­hält­nis besteht, in des­sen Rah­men gegen­sei­ti­ge Leis­tun­gen aus­ge­tauscht wer­den, wobei die vom Leis­ten­den emp­fan­ge­ne Ver­gü­tung den tat­säch­li­chen Gegen­wert für die dem Leis­tungs­emp­fän­ger erbrach­te Dienst­leis­tung bil­det 1.

Der Gegen­wert kann bei Tausch und tau­sch­ähn­li­chen Umsät­zen i.S. von § 3 Abs. 12 UStG durch eine tat­säch­lich erhal­te­ne Gegen­leis­tung erbracht wer­den, die nicht in Geld bestehen, aber in Geld aus­drück­bar sein muss 2.

Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer tau­sch­ähn­li­chen Leis­tung ist, dass sich zwei ent­gelt­li­che Leis­tun­gen i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG gegen­über­ste­hen, die durch die Moda­li­tät der Ent­gelt­ver­ein­ba­rung (Tausch) mit­ein­an­der ver­knüpft sind 3.

§ 3 Abs. 12 UStG steht im Ein­klang mit Art. 5 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 4.

Das Finanz­ge­richt ist zutref­fend in Über­ein­stim­mung mit den Betei­lig­ten davon aus­ge­gan­gen, dass zwi­schen der Klä­ge­rin und der S kei­ne Organ­schaft gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG und damit kein nicht steu­er­ba­rer Innen­um­satz vor­liegt.

Die Klä­ge­rin und die S hat­ten unter­schied­li­che Geschäfts­füh­rer; es lie­gen auch sonst kei­ne Anhalts­punk­te für eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­glie­de­rung i.S. von § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG 5 vor.

Die Vor­ent­schei­dung hält der Revi­si­on auch inso­weit stand, als das Finanz­ge­richt ange­nom­men hat, ent­spre­chend den zu § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG gel­ten­den Grund­sät­zen kön­ne sich der den Tausch bzw. den tau­sch­ähn­li­chen Umsatz begrün­den­de unmit­tel­ba­re Zusam­men­hang sowohl aus einer schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung als auch auf gesell­schafts­recht­li­cher Grund­la­ge erge­ben 6.

Aller­dings sind die Aus­füh­run­gen des Finanz­ge­richt, der Leis­tung der Klä­ge­rin ste­he "in der Berech­ti­gung, auf eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung Anzei­gen für die Schrif­ten­rei­he wer­ben zu dür­fen, eine Gegen­leis­tung gegen­über", unzu­rei­chend.

Für die vom Finanz­ge­richt getrof­fe­ne Annah­me eines tau­sch­ähn­li­chen Umsat­zes feh­len Fest­stel­lun­gen, ob der Klä­ge­rin von der S ein Recht, Anzei­gen­kun­den für die Schrif­ten­rei­he akqui­rie­ren zu dür­fen, über­las­sen wor­den ist.

Im Streit­fall lie­fer­te nach § 2 des Ver­trags vom 20.04.2002 der e.V. und nicht die S der Klä­ge­rin den redak­tio­nel­len Teil ein­schließ­lich aller Text- und Bild­bei­trä­ge für alle von der Klä­ge­rin im Auf­trag der S ver­leg­ten Publi­ka­tio­nen und Druckerzeug­nis­se mit Aus­nah­me des Lay­outs und der druck­tech­ni­schen Her­stel­lung. Er stell­te fer­ner die fach­li­che Bera­tung und Unter­stüt­zung zur Ver­fü­gung und ermäch­tig­te die Klä­ge­rin, den Namen und das Logo des e.V. zu benut­zen. Dies spricht dafür, dass die Rech­te an den erstell­ten Arti­keln, Text- oder Bild­bei­trä­gen zunächst dem e.V. zustan­den und die Ver­wer­tungs­rech­te von dem e.V. auf die Klä­ge­rin über­gin­gen, für die sie nach § 3 des Ver­trags ein Ent­gelt gegen­über dem e.V. ent­rich­te­te.

Kei­ne abwei­chen­de recht­li­che Beur­tei­lung ergibt sich aus § 4 des Ver­trags, wonach die Rech­te an Arti­keln, Text- oder Bild­bei­trä­gen auf Grund eines "Ver­trags zuguns­ten Drit­ter" unmit­tel­bar der S zuste­hen sol­len.

Nach § 328 BGB kann zwar durch Ver­trag eine Leis­tung an einen Drit­ten mit der Wir­kung bedun­gen wer­den, dass der Drit­te unmit­tel­bar das Recht erwirkt, die Leis­tung zu for­dern. Die Vor­schrift ist aber auf ding­li­che Rech­te weder unmit­tel­bar noch ana­log anwend­bar 7.

Die (aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te) Über­las­sung eines urhe­ber­recht­li­chen (ein­fa­chen oder aus­schließ­li­chen) Nut­zungs­rechts hat ding­li­chen Cha­rak­ter 8.

Soweit das Finanz­amt vor­trägt, das Finanz­ge­richt sei zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die S Eigen­tü­me­rin der Druckerzeug­nis­se gewor­den sei und aus die­ser Rechts­po­si­ti­on her­aus in Aus­übung des mit der Eigen­tü­merstel­lung ein­her­ge­hen­den allei­ni­gen Ver­wer­tungs­rechts gedul­det habe, dass die Klä­ge­rin das Anzei­gen­ge­schäft im eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung betrie­ben habe, ver­mag der BFH dem nicht zu fol­gen.

Denn dafür fin­det sich im vor­in­stanz­li­chen Urteil kei­ne (aus­rei­chen­de) Grund­la­ge. In sei­ner recht­li­chen Wür­di­gung geht das Finanz­ge­richt weder auf die Eigen­tü­merstel­lung an den Schrif­ten noch auf ein "Dul­den von Anzei­gen" ein. Das Finanz­ge­richt führt ledig­lich aus, der klä­ge­ri­schen Leis­tung ste­he "in der Berech­ti­gung der Klä­ge­rin, auf eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung Anzei­gen für die Schrif­ten­rei­he wer­ben zu dür­fen, eine Gegen­leis­tung gegen­über". Zudem feh­len tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen über einen Eigen­tums­er­werb der S nach §§ 929 ff. BGB an den Schrif­ten.

Dar­über hin­aus wür­de die Annah­me einer Gegen­leis­tung der S in Form der Dul­dung, dass die Klä­ge­rin das Anzei­gen­ge­schäft im eige­nen Namen und auf eige­ne Rech­nung betrei­ben dür­fe, den vom Finanz­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen wider­spre­chen. Denn die Klä­ge­rin selbst hat den redak­tio­nel­len Teil, der ihr das Plat­zie­ren von Anzei­gen erst ermög­lich­te, nach § 2 und § 3 des Ver­trags vom 20.04.2002 ein­schließ­lich aller Text- und Bild­bei­trä­ge ent­gelt­lich unmit­tel­bar von dem e.V. bezo­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Juli 2012 – XI R 31/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 18.03.2004 – V R 101/​01, BFHE 205, 342, BSt­Bl II 2004, 798; vom 18.08.2005 – V R 31/​04, BFHE 211, 551, BSt­Bl II 2007, 183; vom 26.01.2006 – V R 36/​03, BFH/​NV 2006, 1525; vom 06.12.2007 – V R 42/​06, BFHE 221, 74, BSt­Bl II 2009, 493, unter II.1., m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 01.08.2002 – V R 21/​01, BFHE 200, 101, BSt­Bl II 2003, 438; in BFH/​NV 2006, 1525; in BFHE 221, 74, BSt­Bl II 2009, 493; EuGH, Urtei­le vom 02.06.1994 – C‑33/​93 [Empi­re Stores Ltd.], Slg. 1994, I‑2329, Rz 12, 16 und 17; vom 03.07.2001 – C‑380/​99 [Ber­tels­mann AG], BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 192, Rz 17[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 221, 74, BSt­Bl II 2009, 493, unter II.1.a; vom 16.04.2008 – XI R 56/​06, BFHE 221, 475, BSt­Bl II 2008, 909; vom 17.03.2010 – XI R 17/​08, BFHE 230, 466, BFH/​NV 2010, 2359[]
  4. vgl. z.B. Mar­tin in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 3 Rz 741; Nies­kens in Rau/​Dürrwächter, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 3 Rz 4081, m.w.N.[]
  5. vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 28.10.2010 – V R 7/​10, BFHE 231, 356, BSt­Bl II 2011, 391, unter II.2.; vom 07.07.2011 – V R 53/​10, BFHE 234, 548, BFH/​NV 2011, 2195[]
  6. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 05.12.2007 – V R 60/​05, BFHE 219, 455, BSt­Bl II 2009, 486, unter II.1.b, zu § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG; vom 15.04.2010 – V R 10/​08, BFHE 229, 406, BSt­Bl II 2010, 879[]
  7. vgl. z.B. BGH, Urtei­le vom 29.01.1964 – V ZR 209/​61, BGHZ 41, 95, 96; vom 16.02.1965 – V ZR 264/​62, WM 1965, 464; vom 17.04.1986 – IX ZR 54/​85, WM 1986, 749, 750; BGH, Beschluss vom 09.11.1989 – V ZR 18/​89, BGHR BGB § 328 Abs. 1; BGH, Urteil vom 08.07.1993 – IX ZR 222/​92, BGHZ 123, 178, unter II.1.a; Palandt/​Grüneberg, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 71. Aufl., Ein­füh­rung vor § 328 Rz 9; Erman/​Westermann, BGB, 13. Aufl., § 328 Rz 2[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 69/​08, BGHZ 185, 291, NJW 2010, 2731, unter II.3.c aa[]