Tex­til­han­del im Nied­rig­preis­sek­tor – und die Leis­tungs­be­zeich­nung der gelie­fer­ten Gegen­stän­de

Die Leis­tungs­be­zeich­nung gelie­fer­ter Gegen­stän­de erfor­dert eine zur Iden­ti­fi­zie­rung geeig­ne­te Beschrei­bung der Beschaf­fen­heit der Gegen­stän­de; auch bei Tex­ti­li­en im Nied­rig­preis­sek­tor genügt dafür regel­mä­ßig die blo­ße Gat­tungs­be­zeich­nung (z. B. Blu­se, Hose) nicht.

Tex­til­han­del im Nied­rig­preis­sek­tor – und die Leis­tungs­be­zeich­nung der gelie­fer­ten Gegen­stän­de

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann der Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er abzie­hen. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Nach § 14 Abs. 4 Nr. 5 UStG muss eine Rech­nung u. a. die Men­ge und die Art (han­dels­üb­li­che Bezeich­nung) der gelie­fer­ten Gegen­stän­de oder den Umfang und die Art der sons­ti­gen Leis­tung ent­hal­ten. Die­se Anfor­de­rung steht im Ein­klang mit den Rege­lun­gen der Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie 2006/​112/​EG 1. Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht für den Leis­tungs­emp­fän­ger kein Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs dient das Abrech­nungs­pa­pier (Rech­nung oder Gut­schrift) für den Vor­steu­er­ab­zug als Beleg­nach­weis. Des­halb müs­sen die Abrech­nungs­pa­pie­re Anga­ben tat­säch­li­cher Art ent­hal­ten, wel­che die Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung ermög­li­chen, über die abge­rech­net wor­den ist. Die den Leis­tungs­ge­gen­stand betref­fen­den Anga­ben müs­sen eine ein­deu­ti­ge und leicht nach­prüf­ba­re Fest­stel­lung der Leis­tung, über die abge­rech­net wor­den ist, ermög­li­chen, denn aus der Funk­ti­on des Abrech­nungs­pa­piers als Beleg­nach­weis folgt, dass der Auf­wand zur Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung begrenzt sein muss. Was zur Erfül­lung die­ser Vor­aus­set­zung erfor­der­lich ist, rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls. 2.

Dar­an gemes­sen, ent­hiel­ten in dem hier vom Finanz­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall die sie­ben streit­ge­gen­ständ­li­chen Rech­nun­gen alle­samt kei­ne ein­deu­ti­ge und leicht nach­prüf­ba­re Leis­tungs­be­schrei­bung. Bei Klei­dungs­stü­cken, auch im Nied­rig­preis­sek­tor, genügt für eine Leis­tungs­be­schrei­bung dabei nicht die blo­ße Anga­be einer Gat­tung (z. B. Hose, Blu­se). Not­wen­dig ist viel­mehr eine Beschaf­fen­heits­be­schrei­bung der­ge­stalt, dass die zu einer Iden­ti­fi­zie­rung not­wen­di­gen und erfor­der­li­chen Merk­ma­le beschrie­ben wer­den. Neben den Her­stel­ler­an­ga­ben bzw. der Anga­be einer etwai­gen Eigen­mar­ke gehört dazu auch die Benen­nung von Grö­ße, Far­be, Mate­ri­al, gege­be­nen­falls Som­mer- oder Win­ter­wa­re, Schnitt­form, z. B. lan­ger oder kur­zer Arm, lan­ge oder kur­ze Hose, Jog­gings­ho­se etc. 3. Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Rech­nun­gen ent­hal­ten hin­ge­gen ledig­lich Gat­tungs­be­schrei­bun­gen wie Jacken, Pull­over, Hosen, Tops, Klei­der, Röcke, T‑Shirts, Leggins. Auf­grund die­ser pau­scha­len Bezeich­nun­gen ist der kon­kre­te Leis­tungs­be­zug, ins­be­son­de­re die Zuord­nung von bestimm­ter Ware zur ent­spre­chen­den Rech­nung nicht mög­lich. Exem­pla­risch zei­gen dies die Rech­nun­gen der B‑GmbH vom 15.08.2010 und 30.08.2010, in wel­chen über genau die glei­chen sie­ben Posi­tio­nen abge­rech­net wird. Auf­grund der blo­ßen Gat­tungs­be­schrei­bung ist eine Über­prü­fung, auch zum Aus­schluss von Dop­pel­ab­rech­nun­gen, nicht mög­lich. So las­sen sich auch ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Antrag­stel­lers die im Jahr 2012 foto­gra­fier­ten Blu­sen kei­ner der ein­ge­reich­ten Rech­nun­gen aus dem Jahr 2010 ein­deu­tig zuord­nen.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 29. Juli 2016 – 2 V 34/​16

  1. vgl. BFH, Urteil vom 02.09.2010 – V R 55/​09, BSt­Bl II 2011, 235, noch zur Sechs­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie 77/​388/​EWG[]
  2. BFH, Urtei­le vom 10.11.1994 – V R 45/​93, BSt­Bl II 1995, 395; vom 21.01.1993 – V R 30/​88, BSt­Bl II 1993, 385; vom 24.09.1987 – V R 50/​85, BSt­Bl II 1988, 688; BFH, Beschlüs­se vom 29.11.2002 – V B 119/​02, BFH/​NV 2003, 518; vom 14.10.2002 – V B 9/​02, BFH/​NV 2003, 213; vom 22.07.2014 – XI B 29/​14[]
  3. vgl. FG Ham­burg, Urteil vom 30.09.2015 – 5 K 85/​12[]