Trink­was­ser­spen­der

Die Lie­fe­rung von Trink­was­ser in ver­schlos­se­nen 22,5 l‑Behältnissen zum mensch­li­chen Kon­sum in Betrie­ben unter­liegt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz, son­dern dem Regel­steu­er­satz.

Trink­was­ser­spen­der

Nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der Anla­ge zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ermä­ßigt sich die Steu­er auf 7 v.H. für die Lie­fe­rung von Was­ser, aus­ge­nom­men Trink­was­ser, ein­schließ­lich Quell­was­ser und Tafel­was­ser, das in zur Abga­be an den Ver­brau­cher bestimm­ten Fer­tig­pa­ckun­gen in den Ver­kehr gebracht wird. Da die­se gesetz­li­che Rege­lung seit jeher auf die Tafel­was­ser­ver­ord­nung bzw. die MTVO Bezug nimmt und der heu­te maß­geb­li­che Geset­zes­wort­laut mit der neu­en Rechts­la­ge nach der MTVO begrün­det wur­de, ist der Begriff "in zur Abga­be an den Ver­brau­cher bestimm­ten Fer­tig­pa­ckun­gen" anhand der MTVO aus­ge­legt.

Aller­dings lässt sich aus der MTVO aber eine Ver­en­gung des Ver­brau­cher­be­grif­fes für Tafel­was­ser und ins­be­son­de­re hier in Rede ste­hen­des Trink­was­ser auf den "End­ver­brau­cher" –und die damit zusam­men­hän­gen­den Packungs­grö­ßen– nicht begrün­den. Denn die in § 7 Abs. 1 MTVO ("Abfül­lung und Ver­pa­ckung") ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf "Ver­brau­cher, an die Mine­ral­wäs­ser zur per­sön­li­chen Ver­wen­dung oder zur Ver­wen­dung im eige­nen Haus­halt abge­ge­ben wer­den" (§ 6 Abs. 1 LMBG) gilt nur für natür­li­ches Mine­ral­was­ser (das ohne­hin dem all­ge­mei­nen Umsatz­steu­er­satz unter­liegt). Die für Tafel­was­ser (§§ 12 und 13 MTVO) und Trink­was­ser (§ 18 MTVO) ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten der MTVO ent­hal­ten die­se ein­schrän­ken­de Ver­wei­sung jedoch nicht und bezie­hen sich des­halb nach all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­re­geln auch auf Ver­brau­cher i.S. des § 6 Abs. 2 LMBG, d.h. gewerb­li­che Bezie­her zum gewerb­li­chen Ver­brauch; für die­se las­sen sich aber Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich der Packungs­grö­ße weder aus dem all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis, noch aus der FPackV her­lei­ten. Es bleibt daher für Tafel­was­ser und Trink­was­ser bei der volu­men­mä­ßig nicht ein­ge­schränk­ten Defi­ni­ti­on der Fer­tig­pa­ckung in § 6 Abs. 1 des Eich­ge­set­zes ("Fer­tig­pa­ckun­gen im Sin­ne die­ses Geset­zes sind Erzeug­nis­se in Ver­pa­ckun­gen belie­bi­ger Art, die in Abwe­sen­heit des Käu­fers abge­packt und ver­schlos­sen wer­den, wobei die Men­ge des dar­in ent­hal­te­nen Erzeug­nis­ses ohne Öff­nen oder merk­li­che Ände­rung der Ver­pa­ckung nicht ver­än­dert wer­den kann").

Da die For­mu­lie­rung in Nr. 34 der Anla­ge zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG "aus­ge­nom­men Trink­was­ser, ein­schließ­lich Quell­was­ser und Tafel­was­ser, das in zur Abga­be an den Ver­brau­cher bestimm­ten Fer­tig­pa­ckun­gen in den Ver­kehr gebracht wird" der MTVO ent­stammt und sich hier­aus kei­ne volu­men­mä­ßi­ge Beschrän­kung der Fer­tig­pa­ckung ergibt, fällt auch das für die in Geschäf­ten vor­ge­hal­te­nen Trink­was­ser­spen­der bestimm­te, in 22,5 l‑Gallonen gelie­fer­te Trink­was­ser nicht unter die Steu­er­ermä­ßi­gung für Was­ser; denn auch bei die­sen mit Trink­was­ser gefüll­ten Gal­lo­nen han­delt es sich um Fer­tig­pa­ckun­gen, die auch zur Abga­be an den "Ver­brau­cher" bestimmt sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. August 2006 – V R 17/​04