Umsät­ze aus dem Ver­kauf von Ver­si­che­rungs­be­stä­ti­gungs­kar­ten

Umsät­ze aus der ent­gelt­li­chen Wei­ter­ga­be von Ver­si­che­rungs­be­stä­ti­gungs­kar­ten sind nach § 4 Nr. 11 UStG umsatz­steu­er­frei.

Umsät­ze aus dem Ver­kauf von Ver­si­che­rungs­be­stä­ti­gungs­kar­ten

Gemäß § 4 Nr. 11 UStG sind die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Bau­spar­kas­sen­ver­tre­ter, Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter und Ver­si­che­rungs­mak­ler befreit.

§ 4 Nr. 11 UStG dient der Umset­zung von Art. 135 Abs. 1 Buchst. a MWSt-Sys­temRL [1]. Danach befrei­en die Mit­glied­staa­ten Ver­si­che­rungs- und Rück­ver­si­che­rungs­um­sät­ze ein­schließ­lich der dazu gehö­ren­den Dienst­leis­tun­gen, die von Ver­si­che­rungs­mak­lern und ‑ver­tre­tern erbracht wer­den.

Ob jemand Ver­si­che­rungs­mak­ler ist, hängt vom Inhalt sei­ner Tätig­keit ab [2]. In richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung befreit § 4 Nr. 11 UStG Umsät­ze aus einer „Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lungs­tä­tig­keit“. Dafür ist wesent­lich, Kun­den zu suchen und die­se mit dem Ver­si­che­rer zusam­men­zu­brin­gen [3]. Die Ver­mitt­lung kann in einer Nach­weis, einer Kon­takt­auf­nah­me- oder in einer Ver­hand­lungs­tä­tig­keit bestehen, wobei sich die Tätig­keit auf ein ein­zel­nes Geschäft, das ver­mit­telt wer­den soll, bezie­hen muss. Nicht steu­er­frei sind hin­ge­gen Leis­tun­gen, die kei­nen spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Bezug zu ein­zel­nen Ver­mitt­lungs­ge­schäf­ten auf­wei­sen, son­dern allen­falls dazu die­nen, als Sub­un­ter­neh­mer den Ver­si­che­rer bei den ihm selbst oblie­gen­den Auf­ga­ben zu unter­stüt­zen, ohne Ver­trags­be­zie­hun­gen zu den Ver­si­cher­ten zu unter­hal­ten [4]. Der Begriff „dazu­ge­hö­ri­ge Dienst­leis­tun­gen, die von Ver­si­che­rungs­mak­lern und ‑ver­tre­tern erbracht wer­den“ in Art. 13 Teil B Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG umfasst Dienst­leis­tun­gen der Berufs­aus­üben­den, die zugleich mit dem Ver­si­che­rer und dem Ver­si­cher­ten in Ver­bin­dung ste­hen [5]. Dabei muss die­se Ver­bin­dung nicht unmit­tel­bar bestehen [6]. Es genügt, wenn der Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler zu dem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men eine mit­tel­ba­re Ver­bin­dung über einen ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen unter­hält, der selbst in unmit­tel­ba­rer Ver­bin­dung zu einer die­ser Par­tei­en steht [7]. Das folgt aus dem Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät, wonach die Wirt­schafts­teil­neh­mer befugt sind, das Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dell zu wäh­len, das ihren wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis­sen am ehes­ten ent­spricht, ohne Gefahr zu lau­fen, eine Steu­er­be­frei­ung zu ver­lie­ren. Hier­zu gehört auch die Befug­nis, die Dienst­leis­tun­gen eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters i.S. des Art. 13 Teil B Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG in ver­schie­de­ne Dienst­leis­tun­gen auf­zu­tei­len, die ihrer­seits steu­er­frei sind, wenn es sich bei der ein­zel­nen Leis­tung um ein im Gro­ßen und Gan­zen eigen­stän­di­ges Gan­zes han­delt, das die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen der Ver­mitt­lung erfüllt [8].

Nach die­sen Grund­sät­zen hat die Unter­neh­me­rin nach § 4 Nr. 11 UStG umsatz­steu­er­freie Umsät­ze aus der Tätig­keit als Ver­si­che­rungs­mak­ler aus­ge­führt. Sie hat die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen einer Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lungs­leis­tung erfüllt, indem sie durch den An- und Ver­kauf von Deckungs­kar­ten eine ent­schei­den­de Ursa­che für das Zustan­de­kom­men von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen zwi­schen den Ver­si­che­rern und den Ver­si­che­rungs­neh­mern gesetzt hat. Sie hat Ver­si­che­rer und Ver­si­che­rungs­neh­mer zusam­men gebracht, indem sie den Ver­si­che­rungs­neh­mern einen Nach­weis über einen Ver­si­che­rer, der Ver­si­che­rungs­schutz anbie­tet, erbracht und den Kon­takt zu die­sem her­ge­stellt hat. Das genügt für eine Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit, die durch eine Nach­weis- und Kon­takt­auf­nah­me­tä­tig­keit gekenn­zeich­net ist.

Dass die Unter­neh­me­rin die Deckungs­kar­ten nicht unmit­tel­bar von den Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, son­dern von ande­ren Unter­neh­mern erwor­ben hat, steht dabei der Annah­me einer Tätig­keit als Ver­si­che­rungs­mak­ler eben­so wenig ent­ge­gen wie der nur mit­tel­ba­re Kon­takt der Unter­neh­me­rin zu den Ver­si­che­rungs­neh­mern im Fal­le des Ver­kaufs von Deckungs­kar­ten an frem­de Prä­ge­stel­len.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2014 – V R 9/​13

  1. Richt­li­nie des Rates über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem 2006/​112/​EG vom 28.11.2006; bis 31.12 2006 Art. 13 Teil B Buchst. a der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates 77/​388/​EWG vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern ‑Richt­li­nie 77/388/EWG-[]
  2. EuGH, Urtei­le vom 03.04.2008 – C‑124/​07, J.C.M. Beheer, Slg. 2008, I‑2101 Rdnr. 17; und vom 03.03.2005 – C‑472/​03, Arthur Ander­sen, Slg. 2005, I‑1719 Rdnr. 32[]
  3. EuGH, Urteil Arthur Ander­sen in Slg. 2005, I‑1719 Rdnr. 36; BFH, Urteil vom 28.05.2009 – V R 7/​08, BFHE 226, 172, BStBl II 2010, 80[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 226, 172, BStBl II 2010, 80[]
  5. EuGH, Urtei­le vom 20.11.2003 – C‑8/​01, Tak­sa­tor­rin­gen, Slg. 2003, I‑13711 Rdnr. 44; J.C.M. Beheer in Slg. 2008, I‑2101 Rdnr.20[]
  6. EuGH, Urteil J.C.M. Beheer in Slg. 2008, I‑2101 Rdnr. 26[]
  7. EuGH, Urteil J.C.M. Beheer in Slg. 2008, I‑2101 Rdnr. 29; BFH, Urteil in BFHE 226, 172, BStBl II 2010, 80[]
  8. EuGH, Urteil J.C.M. Beheer in Slg. 2008, I‑2101 Rdnrn. 27, 28; BFH, Urtei­le in BFHE 226, 172, BStBl II 2010, 80; vom 30.10.2008 – V R 44/​07, BFHE 223, 507, BStBl II 2009, 554[]