Umsatz­be­steue­rung von Geldspielautomaten

Es ist für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht wei­ter klä­rungs­be­dürf­tig, dass Umsät­ze aus dem Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten mit Gewinn­mög­lich­keit (Glücks­spiel mit Geld­ein­satz) umsatz­steu­er­bar und umsatz­steu­er­pflich­tig sind.

Umsatz­be­steue­rung von Geldspielautomaten

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­nen Urtei­len in BFHE 268, 262, BStBl II 2020, 296, in BFH/​NV 2020, 615 und in BFH/​NV 2020, 616 sowie in sei­nem Beschluss vom 11.12.20191 sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung zur Besteue­rung von Umsät­zen aus dem Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten mit Gewinn­mög­lich­keit2 erneut in meh­re­ren Revi­si­ons­ver­fah­ren über­prüft sowie ‑aus sei­ner Sicht aus­führ­lich und ein­ge­hend- begrün­det, war­um die­se umsatz­steu­er­bar und seit dem 06.05.2006 umsatz­steu­er­pflich­tig sind.

Die Recht­spre­chung der Finanz­ge­rich­te folgt die­ser Recht­spre­chung3 eben­so wie über­wie­gend die Lite­ra­tur4.

Die hier­ge­gen ange­führ­ten Argu­men­te und auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen zu Art. 135 Abs. 1 Buchst. i der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL), zu einem angeb­li­chen struk­tu­rel­len Voll­zugs­de­fi­zit, zur Steu­er­bar­keit gemäß Art. 2 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL, zu § 6 der Ver­ord­nung über öffent­li­che Spiel­ban­ken (SpielbkV), zur Zuläs­sig­keit einer Rechts­fort­bil­dung, zur Abwälz­bar­keit, zur Bemes­sungs­grund­la­ge sowie zur angeb­li­chen Nicht­be­steue­rung der öffent­li­chen Spiel­ban­ken geben dem Bun­des­fi­nanz­hof kei­nen Anlass, von die­ser stän­di­gen, im Jahr 2019 bestä­tig­ten Recht­spre­chung abzu­rü­cken, und begrün­den nicht die Not­wen­dig­keit, sie erneut in einem neu­er­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren zu bestätigen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat, soweit hier von Inter­es­se, im Urteil in BFHE 268, 262, BStBl II 2020, 296 ent­schie­den, dass Umsät­ze aus dem Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten mit Gewinn­mög­lich­keit2 umsatz­steu­er­bar sind, dass ein Auf­stel­ler von Geld­spiel­au­to­ma­ten sich für Umsät­ze ab dem 06.05.2006 nicht auf die Steu­er­be­frei­ung des Art. 135 Abs. 1 Buchst. i MwSt­Sys­tRL beru­fen kann, dass § 6 SpielbkV in Bezug auf die Umsatz­steu­er zum 01.01.1968 außer Kraft getre­ten ist, dass der Teil der Sum­me der Spiel­ein­sät­ze, der den an die Spie­ler aus­ge­zahl­ten Gewin­nen ent­spricht, nicht zur Besteue­rungs­grund­la­ge gehört, son­dern nur der Teil der Ein­sät­ze, über den der Betrei­ber effek­tiv selbst ver­fü­gen kann, dass die Umsatz­steu­er und eine inner­staat­li­che Son­der­ab­ga­be auf Glücks­spie­le kumu­la­tiv erho­ben wer­den dür­fen, sofern die Son­der­ab­ga­be nicht den Cha­rak­ter einer Umsatz­steu­er hat und dass die Fra­ge, ob es gegen das uni­ons­recht­li­che Bei­hil­fe­ver­bot ver­stößt, dass bei öffent­li­chen Spiel­ban­ken die Umsatz­steu­er auf die Spiel­bank­ab­ga­be ange­rech­net wird, im Kla­ge­ver­fah­ren wegen Umsatz­steu­er nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist.

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Soweit hier­in eine Abwei­chung vom Urteil „Baš­to­vá“ des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on5 gese­hen wird, lie­gen dem bereits kei­ne ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­te zugrun­de, da jenes Urteil nicht die Besteue­rung eines Betrei­bers von Geld­spiel­au­to­ma­ten betrifft6. Außer­dem liegt kei­ne Abwei­chung vor7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. April 2021 – XI B 39/​20

  1. BFH, Beschluss vom 11.12.2019 – XI B 62/​19, BFH/​NV 2020, 784[]
  2. Glücks­spiel mit Geld­ein­satz[][]
  3. vgl. z.B. Nds. FG, Urteil vom 09.07.2020 – 11 K 136/​19; FG Müns­ter, Urtei­le vom 24.09.2020 – 5 K 797/​18 U; 5 K 292/​17 U; und 5 K 344/​17 U, EFG 2021, 64, dort auch zur Anwen­dung des Regel­steu­er­sat­zes[]
  4. vgl. z.B. Dziad­kow­ski, Umsatz­steu­er-Rund­schau 2020, 445, 448; Oldi­ges, NWB 2020, 2675, 2678; Salewski/​Brockerhoff, Zeit­schrift für Wett- und Glücks­spiel­recht 2020, 435, 439[]
  5. EuGH, Urteil Baš­to­vá vom 10.11.2016 – C‑432/​15, EU:C:2016:855[]
  6. vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 268, 262, BStBl II 2020, 296, Rz 33[]
  7. vgl. BFH, Urteil in BFHE 268, 262, BStBl II 2020, 296, Rz 30 ff.; sowie BFH, Beschluss in BFH/​NV 2021, 34, Rz 11 f.[]

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