Umsatz­steu­er aus Glo­bal­zes­si­on

Eine Bank haf­tet nicht als Abtre­tungs­emp­fän­ge­rin nach § 13c Abs. 1 Satz 1 UStG 2005 i.V.m. § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG 2005 für die in der For­de­rung ent­hal­te­ne Umsatz­steu­er, wenn ihr die For­de­rung vor dem 8. Novem­ber 2003 abge­tre­ten wor­den ist. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof auch für den Fall einer Glo­bal­zes­si­on und stellt sich damit gegen die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung in den Umsatz­steu­er­richt­li­ni­en 1.

Umsatz­steu­er aus Glo­bal­zes­si­on

Die Haf­tungs­re­ge­lung des §13 c UStG

Nach dem durch das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2003 2 neu ein­ge­füg­ten § 13c Abs. 1 Satz 1 UStG haf­tet der Abtre­tungs­emp­fän­ger, soweit der leis­ten­de Unter­neh­mer den Anspruch auf die Gegen­leis­tung für einen steu­er­pflich­ti­gen Umsatz i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG an einen ande­ren Unter­neh­mer abge­tre­ten und die fest­ge­setz­te Steu­er, bei deren Berech­nung die­ser Umsatz berück­sich­tigt wor­den ist, bei Fäl­lig­keit nicht oder nicht voll­stän­dig ent­rich­tet hat, für die in der For­de­rung ent­hal­te­ne Umsatz­steu­er, soweit sie im ver­ein­nahm­ten Betrag ent­hal­ten ist.

§ 13c UStG ist gemäß § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG auf For­de­run­gen anzu­wen­den, die nach dem 7. Novem­ber 2003 abge­tre­ten, ver­pfän­det oder gepfän­det wor­den sind.

Abtre­tung ist nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 398 Satz 1 BGB der Ver­trag, durch den eine For­de­rung von dem Gläu­bi­ger auf einen ande­ren über­tra­gen wird. Bei einer Vor­aus­ab­tre­tung künf­ti­ger oder auf­schie­bend beding­ter For­de­run­gen ist zwi­schen der Ver­bind­lich­keit des Ver­fü­gungs­ge­schäfts einer­seits und dem Wirk­sam­wer­den des mit ihm bezweck­ten spä­te­ren Rechts­über­gangs ande­rer­seits zu unter­schei­den. Die im Abtre­tungs­ver­trag ent­hal­te­ne rechts­ge­schäft­li­che Ver­fü­gung ist mit Ver­trags­ab­schluss been­det 3. Der Abtre­tungs­ver­trag über eine zukünf­ti­ge For­de­rung ent­hält alle Merk­ma­le, aus denen der Über­tra­gungs­tat­be­stand besteht; die Ent­ste­hung der abge­tre­te­nen For­de­rung gehört sogar dann nicht dazu, wenn noch nicht ein­mal der Rechts­grund für sie gelegt ist 4. Die Abtre­tung geht ins Lee­re, wenn die For­de­rung nicht ent­steht, weil bei­spiels­wei­se das Rechts­ver­hält­nis, das sie begrün­den soll, vor ihrer Ent­ste­hung been­det wird 5.

Danach ist bei einer wort­laut­ge­mä­ßen Anwen­dung des § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG im Streit­fall § 13c UStG nicht anwend­bar. Denn die For­de­run­gen sind der Klä­ge­rin bereits am 16. Juli 1993 und damit vor dem 8. Novem­ber 2003 abge­tre­ten wor­den. Die Abtre­tung war ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­am­tes auch bereits vor der Ent­ste­hung der abge­tre­te­nen For­de­rung wirk­sam. Denn die Ent­ste­hung der abge­tre­te­nen For­de­rung gehört nicht zum Tat­be­stand des § 398 BGB.

Kei­ne kor­ri­gie­ren­de Aus­le­gung für frü­he­re Abtre­tun­gen

Der Bun­des­fi­nanz­hof teilt aus­drück­lich die bereits vom erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­ten Finanz­ge­richt Mün­chen 6, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine den Wort­laut des § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG kor­ri­gie­ren­de Aus­le­gung nicht vor­lie­gen.

Selbst wenn in der Nicht­er­fas­sung von Glo­bal­zes­sio­nen, die vor dem 8. Novem­ber 2003 ver­ein­bart wur­den, ein Redak­ti­ons­ver­se­hen vor­lie­gen soll­te, stün­den das ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­staats­ge­bot und der gemein­schafts­recht­li­che Grund­satz der Rechts­si­cher­heit einer Aus­deh­nung des zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reichs des § 13c UStG über den Wort­laut des § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG hin­aus ent­ge­gen.

Das Rechts­staats­ge­bot ver­langt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass die Ver­wal­tung Steu­er­pflich­ti­ge nur auf­grund sol­cher Geset­ze belas­ten darf, die nach Inhalt, Gegen­stand, Zweck und Aus­maß hin­rei­chend bestimmt und begrenzt sind, sodass die Ein­grif­fe mess­bar und in gewis­sem Umfang für den Ein­zel­nen vor­aus­seh­bar und bere­chen­bar wer­den 7.

Auch nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten müs­sen Rechts­ak­te der Gemein­schaft ein­deu­tig sein, und ihre Anwen­dung muss für die Betrof­fe­nen vor­her­seh­bar sein 8. Die­ses Gebot der Rechts­si­cher­heit gilt in beson­de­rem Maße, wenn es sich um eine Rege­lung han­delt, die sich finan­zi­ell belas­tend aus­wir­ken kann, denn die Betrof­fe­nen müs­sen in der Lage sein, den Umfang der ihnen damit auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen genau zu erken­nen 9. Der Grund­satz der Rechts­si­cher­heit, der Teil der Gemein­schafts­rechts­ord­nung ist, muss sowohl von den Gemein­schafts­or­ga­nen als auch von den Mit­glied­staa­ten bei der Aus­übung der Befug­nis­se, die ihnen die Gemein­schafts­richt­li­ni­en ein­räu­men, beach­tet wer­den 10.

Durch § 13c UStG hat der Gesetz­ge­ber einen Haf­tungs­tat­be­stand, also eine finan­zi­ell belas­ten­de Rege­lung, neu ein­ge­führt. Da sich dem § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG eine Anwen­dung die­ses Haf­tungs­tat­be­stands auf Glo­bal­zes­sio­nen vor dem 8. Novem­ber 2003 nicht ent­neh­men lässt, war für die Klä­ge­rin nicht vor­her­seh­bar, dass sie als Haf­tungs­schuld­ne­rin für die Umsatz­steu­er in Anspruch genom­men wer­den wür­de, die in den ihr vor dem 8. Novem­ber 2003 abge­tre­te­nen For­de­run­gen ent­hal­ten war.

Soweit die Finanz­ver­wal­tung in Abschn. 182b Abs. 38 der Umsatz­steu­er-Richt­li­ni­en 2005 die Auf­fas­sung ver­tritt, die Haf­tung nach § 13c UStG gel­te im Fal­le einer vor dem 8. Novem­ber 2003 abge­schlos­se­nen Glo­bal­zes­si­on für For­de­run­gen, die nach dem 31. Dezem­ber 2003 ent­stan­den sind, hat sie den zeit­li­chen Anwen­dungs­be­reich des § 13c UStG über den Wort­laut des § 27 Abs. 7 Satz 1 UStG hin­aus und damit in unzu­läs­si­ger Wei­se aus­ge­dehnt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Juni 2009 – XI R 57/​07

  1. Abwei­chung von Abschn. 182b Abs. 38 UStR 2005[]
  2. Zwei­te Gesetz zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 15. Dezem­ber 2003 (Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2003), BGBl I 2003, 2645[]
  3. vgl. z.B. BGH, Urteil vom 19.09.1983 – II ZR 12/​83, BGHZ 88, 205[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.11.2007 – IX ZR 30/​07, BGHZ 174, 297, m.w.N.[]
  5. vgl. BGH, Urteil in BGHZ 88, 205[]
  6. FG Mün­chen vom 21.02.2007 – 3 K 2219/​06, EFG 2007, 961[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14. August 1996 2 BvR 2088/​93, NJW 1996, 3146, m.w.N.[]
  8. vgl. EuGH, Urteil vom 16.09.2008 – C‑288/​07 (Isle of Wight Coun­cil), UR 2008, 816, Randnr. 47, m.w.N.[]
  9. vgl. EuGH, Urteil in UR 2008, 816, Randnr. 47, m.w.N.[]
  10. vgl. EuGH, Urteil in UR 2008, 816, Randnr. 48, m.w.N.[]