Umsatz­steu­er bei ambu­lan­ter Che­mo­the­ra­pie

Mit einem an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­te­ten Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen möch­te der Bun­des­fi­nanz­hof durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof geklärt haben, ob die Abga­be von Zyto­sta­ti­ka durch Kran­ken­haus­apo­the­ken bei ambu­lan­ten Behand­lun­gen in Kran­ken­häu­sern umsatz­steu­er­frei ist.

Umsatz­steu­er bei ambu­lan­ter Che­mo­the­ra­pie

Die Finanz­ver­wal­tung sieht nur die ambu­lan­te Behand­lung selbst, nicht aber auch die Lie­fe­rung der­ar­ti­ger Medi­ka­men­te für ambu­lan­te Behand­lun­gen als steu­er­frei an.

Der beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gi­ge Streit­fall betrifft die ambu­lan­te Behand­lung im Rah­men der soge­nann­ten Che­mo­the­ra­pie, die ent­we­der durch den Kran­ken­haus­trä­ger selbst oder durch sog. ermäch­tig­te Kran­ken­haus­ärz­te erbracht wird. Für bei­de Fäl­le der ambu­lan­ten Behand­lung lie­fert der Kran­ken­haus­trä­ger die in einer Kran­ken­haus­apo­the­ke her­ge­stell­ten Zyto­sta­ti­ka. In bei­den Fäl­len kann die Lie­fe­rung als mit der ambu­lan­ten Heil­be­hand­lung eng ver­bun­de­ner Umsatz steu­er­frei sein. Der Ent­schei­dung durch den EuGH bedarf es, da die Vor­schrif­ten des natio­na­len Umsatz­steu­er­rechts in Über­ein­stim­mung mit den Vor­ga­ben des EU-Rechts, hier der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, aus­zu­le­gen sind und im Hin­blick auf den Umfang der Steu­er­frei­heit nach der Richt­li­nie durch den EuGH zu klä­ren­de Aus­le­gungs­zwei­fel bestehen.

Die Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­sche Uni­on wird vor­aus­sicht­lich von all­ge­mei­ner Bedeu­tung für die Umsatz­be­steue­rung von Kran­ken­haus­apo­the­ken sein. Nicht strei­tig ist dem­ge­gen­über die Lie­fe­rung von Zyto­sta­ti­ka bei sta­tio­nä­ren Behand­lun­gen. Der­ar­ti­ge Lie­fe­run­gen sind auch nach Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung steu­er­frei. Der Streit­fall betrifft auch nicht die Lie­fe­rung von Zyto­sta­ti­ka durch ande­re Apo­the­ken als Kran­ken­haus­apo­the­ken.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Mai 2012 – V R 19/​11

  1. FG Müns­ter, Urteil vom 12.05.2011 – 5 K 435/​09 U[]