Umsatz­steu­er bei der 1 %-Rege­lung für auch pri­vat genutz­te Geschäfts­fahr­zeu­ge

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen in einem anhän­gi­gen Rechts­streit zur Fra­ge der Behand­lung der Umsatz­steu­er bei der 1 %-Rege­lung gemäß § 122 Abs. 2 Satz 3 FGO zum Bei­tritt auf­ge­for­dert.

Umsatz­steu­er bei der 1 %-Rege­lung für auch pri­vat genutz­te Geschäfts­fahr­zeu­ge

Nach § 12 Nr. 3 EStG darf die Umsatz­steu­er für Umsät­ze, die Ent­nah­men sind, weder bei den ein­zel­nen Ein­kunfts­ar­ten noch vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den. Weist ein Steu­er­pflich­ti­ger die Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Nut­zung eines betrieb­li­chen PKW durch ein Fahr­ten­buch nach, dem spä­ter die steu­er­li­che Aner­ken­nung ver­sagt wird, ist ertrag­steu­er­lich die pri­va­te Kfz-Nut­zung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG nach der sog. 1 %-Rege­lung zu bemes­sen. Umsatz­steu­er­lich ist indes­sen anders zu ver­fah­ren: Macht der Unter­neh­mer von der 1 %-Rege­lung kei­nen Gebrauch oder wer­den die pau­scha­len Wert­an­sät­ze durch die sog. Kos­ten­de­cke­lung auf die nach­ge­wie­se­nen tat­säch­li­chen Kos­ten begrenzt und lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der sog. Fahr­ten­buch­re­ge­lung (z.B. man­gels ord­nungs­ge­mä­ßen Fahr­ten­bu­ches) nicht vor, ist der pri­va­te Nut­zungs­an­teil für Umsatz­steu­er­zwe­cke anhand geeig­ne­ter Unter­la­gen im Wege einer sach­ge­rech­ten Schät­zung zu ermit­teln. Feh­len geeig­ne­te Unter­la­gen für die Schät­zung, ist der pri­va­te Nut­zungs­an­teil mit min­des­tens 50 % zu ver­an­schla­gen, soweit sich aus den beson­de­ren Ver­hält­nis­sen des Ein­zel­fal­les nichts Gegen­tei­li­ges ergibt; aus den Gesamt­auf­wen­dun­gen sind die nicht mit Vor­steu­ern belas­te­ten Kos­ten in der beleg­mä­ßig nach­ge­wie­se­nen Höhe aus­zu­schei­den [1].

Im Ergeb­nis sind daher der Ent­nah­me­wert nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG und die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Besteue­rung der nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Nut­zung eines dem Unter­neh­men zuge­ord­ne­ten Fahr­zeugs unab­hän­gig von­ein­an­der zu ermit­teln [2].

Hat ein Steu­er­pflich­ti­ger die Umsatz­steu­er auf die Ent­nah­me der PKW-Nut­zung, d.h. auf die unent­gelt­li­che Wert­ab­ga­be im Sin­ne des § 3 Abs. 9a Satz 1 Nr. 1 UStG, ganz oder teil­wei­se (feh­ler­haft) als Betriebs­aus­ga­be behan­delt, ist der Gewinn gemäß § 12 Nr. 3 EStG um die auf die Ent­nah­me ent­fal­len­de Umsatz­steu­er zu erhö­hen. Unklar bleibt indes, wel­cher Betrag hin­zu­zu­rech­nen ist und zu wel­chem Zeit­punkt die Hin­zu­rech­nung zu erfol­gen hat.

Nach dem Wort­laut des § 12 Nr. 3 EStG darf nicht abge­zo­gen wer­den „die Umsatz­steu­er für Umsät­ze, die Ent­nah­men sind“. Da die Umsatz­steu­er für Ent­nah­men gemäß den Vor­schrif­ten des UStG zu ermit­teln und letzt­lich dem Umsatz­steu­er­be­scheid zu ent­neh­men ist, wäre es inso­weit fol­ge­rich­tig, auch ertrag­steu­er­lich die gemäß § 3 Abs. 9a Satz 1 Nr. 1 UStG fest­ge­setz­te Umsatz­steu­er auf die unent­gelt­li­che Wert­ab­ga­be nach § 12 Nr. 3 EStG hin­zu­zu­rech­nen. In der Pra­xis wird für die Gewinn­kor­rek­tur oft­mals aber so ver­fah­ren, dass gemäß der sog. Lis­ten­preis­me­tho­de (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG) die Umsatz­steu­er auf 80 % des danach ermit­tel­ten Wer­tes gewinn­er­hö­hend ange­setzt wird.

Nach dem BFH-Urteil vom 8. Okto­ber 1981 [3] wäre die Gewinn­kor­rek­tur auf den Zeit­punkt der Ent­nah­me vor­zu­neh­men. Bei der Gewinn­ermitt­lung nach § 4 Abs. 3 EStG sind Betriebs­aus­ga­ben indes grund­sätz­lich im Zeit­punkt der Ver­aus­ga­bung anzu­set­zen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält es, weil die strit­ti­ge Fall­ge­stal­tung über­aus häu­fig vor­kommt und von erheb­li­cher prak­ti­scher Bedeu­tung ist, für wün­schens­wert, dass das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um dem Revi­si­ons­ver­fah­ren bei­tritt und zu den ange­spro­che­nen Fra­gen Stel­lung nimmt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 28. April 2010 – VIII R 54/​07

  1. vgl. BMF, Schrei­ben vom 27.08.2004 – IV B 7 ‑S 7300- 70/​04, BStBl I 2004, 864, Tz. 2.3.; und vom 18. Novem­ber 2009 IV C 6 ‑S 2177/​07/​10004, BStBl I 2009, 1326, Tz. 35; stän­di­ge Recht­spre­chung des BFH, vgl. BFH, Urteil vom 11.03.1999 – V R 78/​98, BFHE 188, 160[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 188, 160[]
  3. BFH, Urteil vom 08.10.1981 – IV R 90/​80[]