Umsatz­steu­er bei Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren

Gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 i. V. m. Nr. 52 Buchst. b der Anla­ge 2 zum UStG unter­lie­gen die Lie­fe­run­gen, die Ein­fuhr und der inner­ge­mein­schaft­li­che Erwerb von ortho­pä­di­schen Appa­ra­ten und ande­ren ortho­pä­di­schen Vor­rich­tun­gen ein­schließ­lich Krü­cken sowie medi­zi­nisch-chir­ur­gi­scher Gür­tel und Ban­da­gen, aus­ge­nom­men Tei­le und Zube­hör (aus Unter­po­si­ti­on 9021 10 des Zoll­ta­rifs) dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7 %.

Umsatz­steu­er bei Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren

Zu die­ser Bestim­mung hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den [1], dass die Ver­ord­nung (EG) Nr. 729/​2004 der Kom­mis­si­on vom 15. April 2004 zur Ein­rei­hung von bestimm­ten Waren in die Kom­bi­nier­te Nomen­kla­tur in der Fas­sung der am 7. Mai 2004 ver­öf­fent­lich­ten Berich­ti­gung ungül­tig ist, soweit zum einen durch die Berich­ti­gung der Anwen­dungs­be­reich der ursprüng­li­chen Ver­ord­nung auf Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren erstreckt wor­den ist, die aus einem Alu­mi­ni­um­rohr­rah­men auf vier Rädern, mit vor­de­ren Dreh­la­ger­rä­dern, Grif­fen und Brem­sen bestehen und ihrer Beschaf­fen­heit nach als Hil­fe für Per­so­nen mit Geh­schwie­rig­kei­ten bestimmt sind, und zum ande­ren die Ver­ord­nung in der berich­tig­ten Fas­sung die­se Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren in die Unter­po­si­ti­on 8716 80 00 der Kom­bi­nier­ten Nomen­kla­tur ein­reiht. Nach Rz. 56 des Urteils sind Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren in die Posi­ti­on 9021 ein­zu­rei­hen.

Der­ar­ti­ge Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren die­nen dem Nut­zer als Stüt­ze beim Gehen und bestehen im All­ge­mei­nen aus einem röh­ren­för­mi­gen Metall­rah­men auf drei oder vier Rädern (von denen eini­ge oder alle dreh­bar sind), Grif­fen und Hand­brem­sen. Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren kön­nen in der Höhe ver­stell­bar und mit einem Sitz zwi­schen den Grif­fen sowie einem Korb zur Auf­be­wah­rung per­sön­li­cher Gegen­stän­de aus­ge­stat­tet sein. Der Sitz gestat­tet dem Benut­zer, kur­ze Ras­ten ein-zule­gen.

Hier­zu hat nun das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen einen Anwen­dungs­er­lass ver­öf­fent­licht. Danach unter­lie­gen die Lie­fe­run­gen, die Ein­fuhr und der inner­ge­mein­schaft­li­che Erwerb von Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren unter­lie­gen gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 i. V. m. Nr. 52 Buchst. b der Anla­ge 2 zum UStG dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7%. Der ermäß­tig­te Umsatz­steu­er­satz ist nach dem Schrei­ben des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums in allen offe­nen Fäl­len anzu­wen­den. Soweit bis­her ergan­ge­ne Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen [2] die Anwen­dung der Umsatz­steu­er­ermä­ßi­gung nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 i. V. m. Nr. 52 Buchst. b der Anla­ge 2 zum UStG aus­schlie­ßen, sind sie nicht mehr anzu­wen­den.

Für vor dem 1. Okto­ber 2011 aus­ge­führ­te Umsät­ze mit Geh­hil­fe-Rol­la­to­ren wird es – auch für Zwe­cke des Vor­steu­er­ab­zugs des Leis­tungs­emp­fän­gers – nicht bean­stan­det, wenn sich der leis­ten­de Unter­neh­mer auf die ent­ge­gen ste­hen­den Rege­lun­gen des BMF-Schrei­bens vom 5. August 2004 beruft und den Umsatz dem all­ge­mei­nen Umsatz­steu­er­satz unter­wirft.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 11. August 2011 – IV D 2 – S 7227/​11/​10001 (2011/​0640421)

  1. EuGH, Urteil vom 22.12.2010 – C‑273/​09, ABl. EU 2011 Nr. C 63 S. 5[]
  2. ins­be­son­de­re BMF, Schrei­ben vom 5. August 2004 – IV B 7 – S 7220 – 46/​04, BStBl I S. 638[]