Umsatz­steu­er für trink­ba­re Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel

Trink­ba­re Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel unter­lie­gen nicht dem für Nah­rungs­mit­tel gel­ten­den ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7%, son­dern dem 19%igen regu­lä­ren Umsatz­steu­er­satz.

Umsatz­steu­er für trink­ba­re Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel

Ent­schei­dend für die Fra­ge des Umsatz­steu­er­sat­zes ist dabei die Fra­ge, wie der­ar­ti­ge trink­ba­re Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel zoll­ta­rif­lich ein­zu­ord­nen sind: Eine Ein­rei­hung in die Grup­pe 21.06 der Kom­bi­nier­ten Nomen­kla­tur (KN) führt zu einem 7%igen Umsatz­steu­er­satz, eine Ein­rei­hung in die Posi­ti­on 22.02 KN führt dage­gen zum regu­lä­ren Umsatz­steu­er­satz von 19%.

Die Posi­ti­on 22.02 KN umfasst „Was­ser, einschl. Mine­ral­was­ser und koh­len­säu­re­hal­ti­ges Was­ser, mit Zusatz von Zucker, ande­ren Süß­mit­teln oder Aro­ma­stof­fen, und ande­re nicht­al­ko­hol­hal­ti­ge Geträn­ke (ausg. Frucht- und Gemü­se­säf­te und Milch)“.
Die Posi­ti­on 21.06 KN umfasst dage­gen „Lebens­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen“, so etwa „Eiweiß­kon­zen­tra­te“ (21061020 und 21061080 KN), „Iso­glu­co­se­si­rup, aro­ma­ti­siert oder gefärbt“ (21069030 KN), „Lac­to­se­si­rup, aro­ma­ti­siert oder gefärbt“ (21069051 KN), „Glu­co­se­si­rup und Mal­to­d­ex­trinsi­rup, aro­ma­ti­siert oder gefärbt“ (20169055 KN) oder „Zucker­si­ru­pe, aro­ma­ti­siert oder gefärbt (ausg. Iso­glu­co­se­si­rup, Lac­to­se­si­rup, Glu­co­se- und Mal­to­d­ex­trinsi­rup)“ (21069059 KN).

Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht bei trink­ba­ren Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln eher die Nähe zum Was­ser und ande­ren nicht­al­ko­ho­li­schen Geträn­ken:

Die Ein­rei­hung eines Erzeug­nis­ses in die Posi­ti­on 2202 KN („ande­re nicht­al­ko­hol­hal­ti­ge Geträn­ke“) setzt vor­aus, dass es sich um eine Flüs­sig­keit han­delt, die zum unmit­tel­ba­ren mensch­li­chen Genuss geeig­net und auch bestimmt ist. Lebens­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen, die als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel gekenn­zeich­net sind, in flüs­si­ger Form in Trink­fläsch­chen ver­trie­ben wer­den und sich unmit­tel­bar zum Trin­ken eig­nen, sind in die Posi­ti­on 2202 KN ein­zu­rei­hen, auch wenn sie nach den Emp­feh­lun­gen des Her­stel­lers nur in klei­nen Men­gen oder mit einer bestimm­ten Men­ge Was­ser ver­dünnt ein­zu­neh­men sind. In Bezug auf sol­che Lebens­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen ist die Posi­ti­on 2202 KN im Sin­ne der All­ge­mei­nen Vor­schrift 3a genau­er als die Posi­ti­on 2106 KN.

Auch eine Bin­dung an die Fest­le­gun­gen der Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel­ver­ord­nung, die wie bei Arz­nei­mit­teln zu einer ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er füh­ren könn­te, lehnt der Bun­des­fi­nanz­hof für die Umsatz­be­steue­rung ab.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. März 2010 – VII R 35/​09