Umsatz­steu­er­be­frei­ung für ange­ord­ne­te Labor­leis­tun­gen

Unter die Umsatz­steu­er­be­frei­ung für eine heil­be­ruf­li­che Tätig­keit i.S.d. § 4 Nr. 14 Buch­sta­be a) UStG fal­len auch medi­zi­ni­sche Labor­tests, die auf Anord­nung von Ärz­ten und Heil­prak­ti­kern durch­ge­führt wer­den.

Umsatz­steu­er­be­frei­ung für ange­ord­ne­te Labor­leis­tun­gen

Die­se Umsät­ze sind nach § 4 Nr. 14 a) Satz 1 UStG steu­er­frei.

Die genann­te Norm befreit die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Arzt, Zahn­arzt, Heil­prak­ti­ker, Phy­sio­the­ra­peut (Kran­ken­gym­nast), Heb­am­me oder aus einer ähn­li­chen heil­be­ruf­li­chen Tätig­keit und aus der Tätig­keit als kli­ni­scher Che­mi­ker von der Umsatz­steu­er. Die Steu­er­be­frei­ung beruht auf der Steu­er­be­frei­ungs­re­ge­lung in Art. 132 Abs. 1 c) MwSys­tRL. Hier­nach sind Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin steu­er­be­freit, die im Rah­men der Aus­übung der von dem bes­tref­fen­den Mit­glieds­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe erbracht wer­den. Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin erfas­sen Leis­tun­gen, die zur Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit wie mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen. Die­se Leis­tun­gen müs­sen einen the­ra­peu­ti­schen Zweck haben. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on kön­nen ärzt­li­che Leis­tun­gen, die zum Zweck der Vor­beu­gung erbracht wer­den, steu­er­be­freit sein. Medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die von prak­ti­schen Ärz­ten im Rah­men ihrer Heil­be­hand­lun­gen ange­ord­net wer­den, kön­nen zur Auf­recht­erhal­tung der mensch­li­chen Gesund­heit betra­gen, da sie eben­so wie jede vor­beu­gend erbrach­te ärzt­li­che Leis­tung dar­auf abzie­len, die Beob­ach­tung und die Unter­su­chung der Pati­en­ten zu ermög­li­chen, noch bevor es erfor­der­lich wird, eine etwai­ge Krank­heit zu dia­gnos­ti­zie­ren, zu behan­deln oder zu hei­len 1.

Im Sin­ne der genann­ten Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on, der der Bun­des­fi­nanz­hof im Urteil vom 15.03.2007 2 gefolgt ist, erbringt die Labor­be­trei­be­rin mit den durch­ge­führ­ten Tests Heil­be­hand­lun­gen, die steu­er­be­freit sind. Die Labor­be­trei­be­rin hat hin­rei­chend doku­men­tiert, dass die durch­ge­führ­ten Tests Leis­tun­gen sind, die durch die jewei­li­gen The­ra­peu­ten – Ärz­te und Heil­prak­ti­ker – ange­ord­net waren. Dies bestä­ti­gen auch die schrift­li­chen Aus­sa­gen der nach dem Zufalls­prin­zip aus dem Kreis aller The­ra­peu­ten aus­ge­wähl­ten ins­ge­samt 24 The­ra­peu­ten, die die Labor­be­trei­be­rin mit Schrei­ben vom 25.03.2015 dem Gericht vor­ge­legt hat. Hier­nach wur­den nach jeweils ein­ge­hen­der Abklä­rung der genau­en Krank­heits­sym­pto­me eines Pati­en­ten sowie Erör­te­rung mög­li­cher alter­na­ti­ver The­ra­pie­an­sät­ze und der Vor­be­hand­lun­gen mit den jewei­li­ge Pati­en­ten das "XX-The­ra­pie­kon­zept" als medi­zi­nisch geeig­ne­ter Behand­lungs­an­satz aus­ge­wählt und durch­ge­führt. Das Gericht hat kei­nen begrün­de­ten Zwei­fel an der inhalt­li­chen Aus­sa­ge die­ser Bestä­ti­gun­gen. Sie wer­den auch von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nicht in Zwei­fel gezo­gen. Die Geeig­net­heit der von der Labor­be­trei­be­rin durch­ge­führ­ten Tests zur Behand­lung von Krank­hei­ten hat im Übri­gen auch der in der münd­li­chen Ver­hand­lung gehör­te Zeu­ge Herr Y aus dem Blick­win­kel sei­ner eige­nen ärzt­li­chen Pra­xistä­tig­keit über­zeu­gend geschil­dert.

Die Labor­leis­tun­gen der Labor­be­trei­be­rin sind auch im Rah­men der Aus­übung eines ärzt­li­chen oder arzt­ähn­li­chen Berufs von der Labor­be­trei­be­rin erbracht wor­den. Die für die Labor­be­trei­be­rin han­deln­den Per­so­nen besit­zen die ent­spre­chen­de beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, um die aus­ge­führ­te Tätig­keit der Labor­leis­tung als steu­er­be­freit ein­ord­nen zu kön­nen. So hat sich aus der münd­li­chen Ver­hand­lung vom heu­ti­gen Tage erge­ben, dass die eigent­li­chen Tests bei der Labor­be­trei­be­rin durch die als Zeu­gin gehör­te Frau Y als Team­lei­te­rin des Labors mit wei­te­ren drei Mit­ar­bei­te­rin­nen durch­ge­führt wer­den. Die Team­lei­te­rin und eine wei­te­re Mit­ar­bei­te­rin haben die Erlaub­nis zur Füh­rung der Berufs­be­zeich­nung medi­zi­nisch-tech­ni­sche Labo­ra­to­ri­um­s­as­sis­ten­tin nach dem Gesetz über tech­ni­sche Assis­ten­ten in der Medi­zin (MTAG) vom 02.08.1993 und üben damit eine den in § 4 Nr. 14 a) Satz 1 UStG genann­ten Hilfs­be­ru­fen ähn­li­che Tätig­keit aus. Eines beson­de­ren Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen der Labor­be­trei­be­rin und den Leis­tungs­emp­fän­gern (Pati­en­ten) bedarf es inso­weit nicht – vgl. BFH, Urteil vom 29.06.2011 – XI R 52/​07. Hin­zu kommt im Streit­fall, dass das von der Labor­be­trei­be­rin betrie­be­ne Labor unter der fach­li­chen Auf­sicht des Zeu­gen Y gestan­den hat, der regel­mä­ßig durch Stich­pro­ben die Qua­li­tät der Labor­ar­beit bei der Labor­be­trei­be­rin über­wacht und gewähr­leis­tet hat und zu auf­fäl­li­gen Test­ergeb­nis­sen schrift­li­che Befun­de für die ein­sen­den The­ra­peu­ten gefer­tigt hat.

Nach allem sind die strei­ti­gen Umsät­ze nach § 4 Nr. 14 a) UStG steu­er­be­freit 3.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2015 – 16 K 340/​12 4

  1. vgl. EuGH vom 08.06.2006 – C‑106/​05[]
  2. BFH, Urteil vom 15.03.2007 – V R 55/​03[]
  3. vgl. BFH vom 15.03.2007 – V R 55/​03[]
  4. nicht rechts­kräf­tig, Revi­si­on beim BFH – V R 25/​16[]