Umsatz­steu­er­be­frei­ung für Haus-Not­ruf-Diens­te

Die im Rah­men eines Haus-Not­ruf-Diens­tes erbrach­ten Leis­tun­gen eines Ver­eins sind nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanzhfos von der Umsatz­steu­er befreit, auch wenn der Ver­ein nicht zu einem aner­kann­ten Ver­band der Wohl­fahrts­pfle­ge gehört. Die Leis­tun­gen eines Menü­se­rvices des Ver­eins sind dage­gen nicht steu­er­frei.

Umsatz­steu­er­be­frei­ung für Haus-Not­ruf-Diens­te

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist der Klä­ger ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein für Ret­tungs­diens­te, Kran­ken­trans­por­te und sozia­le Hilfs­diens­te, der nach sei­nem Sat­zungs­zweck Alte, Kran­ke, Behin­der­te und sozi­al Hilfs­be­dürf­ti­ge unter­stützt. Er unter­hielt in den Streit­jah­ren meh­re­re ent­spre­chen­de Ein­rich­tun­gen (u.a. Ret­tungs­dienst, Haus-Not­ruf-Dienst, Menü­se­rvice). Das Finanz­amt war der Mei­nung, dass u.a. die im Zusam­men­hang mit dem Haus-Not­ruf-Dienst und dem Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen des Klä­gers steu­er­pflich­tig sind.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schied, dass die Vor­aus­set­zun­gen der in Betracht kom­men­den deut­schen Befrei­ungs­vor­schrift nicht erfüllt sei­en, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge sei; der Klä­ger kön­ne sich für die Steu­er­frei­heit der im Rah­men sei­nes Haus-Not­ruf-Diens­tes erbrach­ten Leis­tun­gen aber unmit­tel­bar auf das güns­ti­ge­re Uni­ons­recht beru­fen. Die­se Steu­er­be­frei­ung umfas­se jedoch nicht die beim Menü­se­rvice aus­ge­führ­ten Leis­tun­gen. Denn bei dem Menü­se­rvice han­de­le es sich weder um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, noch sei­en die von ihm erbrach­ten Leis­tun­gen eng mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den.

Die Sache wur­de vom Bun­des­fi­nanz­hof daher an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen, damit die­ses nach einer wei­te­ren Auf­klä­rung des Sach­ver­halts und ggf. erst nach Erge­hen einer – inzwi­schen für den 10. März 2011 ange­kün­dig­ten – Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zum Steu­er­satz bei Abga­be von Spei­sen und Mahl­zei­ten ent­schei­det, ob auf die Leis­tun­gen des Menü­se­rvices ein ermä­ßig­ter Steu­er­satz oder der Regel­steu­er­satz anzu­wen­den ist.

Ein nicht zu einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge i.S. von § 23 UStDV gehö­ren­der Ver­ein kann sich für die Inan­spruch­nah­me einer Steu­er­be­frei­ung für einen Haus-Not­ruf-Dienst unmit­tel­bar auf die gegen­über § 4 Nr. 18 UStG güns­ti­ge­re Rege­lung in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.

Für die im Rah­men eines not­ärzt­li­chen Trans­port­diens­tes und eines Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen gilt die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­ge­se­he­ne Steu­er­be­frei­ung nicht.

Umsatz­steu­er­frei­heit für den Haus-Not­ruf-Dienst

Die Leis­tun­gen des kla­gen­den Ver­eins, sind nicht nach § 4 Nr. 18 Satz 1 UStG [1] steu­er­frei, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge im Sin­ne von § 23 UStDV ist und einem sol­chen Ver­band auch nicht als Mit­glied ange­schlos­sen ist.

Der Klä­ger kann sich jedoch wegen sei­ner Leis­tun­gen im Rah­men des Haus-Not­ruf-Diens­tes unmit­tel­bar auf die Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on kann sich ein Ein­zel­ner in Erman­ge­lung frist­ge­mäß erlas­se­ner Umset­zungs­maß­nah­men eines Mit­glied­staa­tes auf Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie, die inhalt­lich als unbe­dingt und hin­rei­chend genau erschei­nen, gegen­über allen nicht richt­li­ni­en­kon­for­men inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten beru­fen [2]. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat ent­schie­den, dass Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG die Tätig­kei­ten, die steu­er­frei sind, hin­rei­chend genau und unbe­dingt auf­zählt und eine unmit­tel­ba­re Beru­fung auf die­se Bestim­mung zuläs­sig ist.

Für die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG lässt der Euro­päi­sche Gerichts­hof es genü­gen, dass zwei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind [3], und zwar

  1. zum einen, dass es sich um Leis­tun­gen han­delt, die mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­den sind, und
  2. zum ande­ren, dass die­se Leis­tun­gen von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­ren Ein­rich­tun­gen, die von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit im Wesent­li­chen sozia­lem Cha­rak­ter aner­kannt wor­den sind, erbracht wer­den.

Als eng mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Leis­tun­gen hat der EuGH bei­spiels­wei­se ange­se­hen die Leis­tun­gen

  • der Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung kör­per­lich oder wirt­schaft­lich hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen [4] und
  • der Kin­der­be­treu­ung durch Tages­el­tern [5].

Außer­dem ist Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Begriff „von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen“ pri­va­te Ein­rich­tun­gen mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht aus­schließt [6].

Das Umsatz­steu­er­ge­setz hat Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bis­her nur unvoll­stän­dig dadurch „umge­setzt“, dass es die bereits bei Inkraft­tre­ten der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­han­de­nen, teil­wei­se bereits im UStG 1951 ent­hal­te­nen Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stän­de im Wesent­li­chen unver­än­dert wei­ter­ge­führt hat [7]. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat des­halb ent­schie­den, dass in unmit­tel­ba­rer Anwen­dung von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG steu­er­frei sind

  • in den Jah­ren 1988 bis 1990 aus­ge­führ­te Umsät­ze einer GmbH durch Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung gegen­über pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­so­nen, wenn die GmbH als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter anzu­er­ken­nen ist [8],
  • die Umsät­ze aus Leg­asthe­nie-Behand­lun­gen, die im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach § 35a des Ach­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch erbracht und gegen­über dem Trä­ger für die betref­fen­de Sozi­al­leis­tung abge­rech­net wer­den [9],
  • Betreu­ungs­leis­tun­gen eines Ver­eins, der einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge ange­hört und gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken dient, weil das in § 4 Nr. 18 Satz 1 Buchst. c UStG 1993/​1999 gere­gel­te Abstands­ge­bot inso­fern gemein­schafts­wid­rig ist, als es auch für behörd­lich geneh­mig­te Prei­se im Sin­ne von Art 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a 3. Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gilt [10].
  • Leis­tun­gen, die ein Ver­ein auf­grund eines nach § 5a Abs. 2 des Zivil­dienst­ge­set­zes abge­schlos­se­nen Ver­tra­ges erbringt und die dazu die­nen, dass Zivil­dienst­leis­ten­de für amt­li­che Beschäf­ti­gungs­stel­len im sozia­len Bereich tätig sind [11].
  • Vor dem Hin­ter­grund die­ser Recht­spre­chung sind die Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bei den gesam­ten Leis­tun­gen des Haus-Not­ruf-Diens­tes erfüllt.

    Die Auf­fas­sung, der Haus-Not­ruf-Dienst sei eine mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Dienst­leis­tung, stützt sich dar­auf, dass er ent­spre­chend dem Zweck des Klä­gers (vgl. § 3 Abs. 2 der Sat­zung) Alten, Kran­ken, Behin­der­ten und sozi­al Hilfs­be­dürf­ti­gen zugu­te kom­me. Die Schluss­fol­ge­rung, es han­de­le sich wegen die­ses bedürf­ti­gen Per­so­nen­krei­ses der Leis­tungs­emp­fän­ger um mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Leis­tun­gen, begeg­net im Lich­te der dar­ge­leg­ten Recht­spre­chung kei­nen revi­si­ons­recht­li­chen Beden­ken. Denn der Per­so­nen­kreis der Leis­tungs­emp­fän­ger beim Haus-Not­ruf-Dienst ent­spricht im Hin­blick auf sei­ne Bedürf­tig­keit dem Per­so­nen­kreis der Sach­ver­hal­te, bei denen die Recht­spre­chung das Merk­mal der mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen bejaht hat [12].

    Die Auf­fas­sung, der Haus-Not­ruf-Dienst sei eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, ist nicht zu bean­stan­den. Nach der oben dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Aner­ken­nung einer Ein­rich­tung mit im Wesent­li­chen sozia­lem Cha­rak­ter auch mög­lich, wenn es sich –wie beim Klä­ger– um kei­nen der in § 23 UStDV genann­ten Wohl­fahrts­ver­bän­de han­delt und der Betrof­fe­ne auch nicht an einen sol­chen Ver­band ange­schlos­sen ist [13].

    Zwar räumt Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG den Mit­glied­staa­ten ein Ermes­sen in der Fra­ge ein, ob sie bestimm­ten Ein­rich­tun­gen sozia­len Cha­rak­ter zuer­ken­nen. Der Ein­zel­ne kann die Eigen­schaft einer Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter daher nicht schon dadurch erlan­gen, dass er sich auf die­se Bestim­mung beruft, solan­ge die Mit­glied­staa­ten die Gren­zen des ihnen in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ein­ge­räum­ten Ermes­sens beach­ten [14].

    Der Bun­des­fi­nanz­hof hat aber ent­schie­den, dass die Aner­ken­nung eines Unter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter auch aus der Über­nah­me der Kos­ten für sei­ne Leis­tun­gen durch Kran­ken­kas­sen oder ande­re Ein­rich­tun­gen der sozia­len Sicher­heit abge­lei­tet wer­den kann [15]. Dabei ist nach der Recht­spre­chung kei­ne voll­stän­di­ge Über­nah­me der Kos­ten erfor­der­lich. Viel­mehr kommt es dar­auf an, dass es sich der Art nach um Leis­tun­gen han­delt, für die die Kos­ten von den Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar sind [16].

    Danach han­delt es sich beim Haus-Not­ruf-Dienst um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, denn die Pfle­ge­kas­sen haben einen Teil der Kos­ten für den Haus-Not­ruf-Dienst über­nom­men, so dass es sich ihrer Art nach um Leis­tun­gen han­delt, für die die Kos­ten von den Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar waren.

    Umsatz­steu­er­pflicht der Fahrt­leis­tun­gen für ärzt­li­che Not­diens­te

    Die Leis­tun­gen des Klä­gers im Rah­men des ärzt­li­chen Not­diens­tes sind dage­gen nicht steu­er­frei. Es han­delt sich nicht um mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Leis­tun­gen i.S. des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.

    Der kla­gen­de Ver­ein benutzt für den Trans­port der Not­ärz­te ein Ret­tungs­fahr­zeug, das umfas­send mit einer Rei­he von medi­zi­ni­schen Gerät­schaf­ten sowie mit Blau­licht und Signal­horn aus­ge­stat­tet ist. Der Fah­rer die­ses Fahr­zeugs ver­fügt zudem über eine Aus­bil­dung als Rettungssanitäter/​Rettungsassistent und wird bei Bedarf als sol­cher ein­ge­setzt. Das Ent­gelt für den Trans­port wird vom Not­arzt unmit­tel­bar an den Klä­ger ent­rich­tet.

    Der Klä­ger hat danach kei­ne Leis­tun­gen an den jewei­li­gen Pati­en­ten, son­dern an den jewei­li­gen Not­arzt erbracht.

    Zwar gehört auch die För­de­rung des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens sowie die Unter­stüt­zung von Per­so­nen, die infol­ge ihres kör­per­li­chen Zustands auf die Hil­fe ande­rer ange­wie­sen sind, zu den von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG begüns­tig­ten Leis­tun­gen. Doch sind Leis­tun­gen dann nicht eng mit der Sozi­al­für­sor­ge ver­bun­den, wenn sie nicht gegen­über dem Hilfs­be­dürf­ti­gen, son­dern an einen Unter­neh­mer erbracht wer­den, der sie benö­tigt, um sei­ne eige­ne steu­er­be­frei­te Aus­gangs­leis­tung an den jewei­li­gen Pati­en­ten oder Hilfs­be­dürf­ti­gen zu erbrin­gen. Inso­weit kann für die Leis­tun­gen des Klä­gers nichts ande­res gel­ten als für die Lie­fe­rung von Medi­ka­men­ten und medi­zi­ni­schen Gerä­ten an einen Arzt für den Gebrauch in sei­ner Pra­xis.

    Die­se Auf­fas­sung steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur begehr­ten Steu­er­be­frei­ung der Umsät­ze eines Sozi­al­ar­bei­ters, der im Auf­trag eines gemein­nüt­zi­gen, umsatz­steu­er­be­frei­ten Ver­eins in der ambu­lan­ten Kin­der-, Jugend- und Fami­li­en­hil­fe tätig ist [17]. So hat der Bun­des­fi­annz­hof [18] u.a. geklärt, dass es für die Aner­ken­nung eines Unter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter nicht reicht, wenn der Unter­neh­mer ledig­lich als Sub­un­ter­neh­mer für eine aner­kann­te Ein­rich­tung tätig gewor­den ist. Die­ser Sach­ver­halt ist mit dem des Streit­falls inso­fern ver­gleich­bar, als der Klä­ger sei­ne Leis­tun­gen gegen­über Ärz­ten erbracht hat, die ihrer­seits steu­er­freie Leis­tun­gen nach § 4 Nr. 14 UStG aus­füh­ren. Der Klä­ger hat eben­falls nur mit­tel­bar an der Erbrin­gung steu­er­be­frei­ter Leis­tun­gen mit­ge­wirkt.

    Umsatz­steu­er­pflicht des Menü­se­rvice

    Der vom Ver­ein betrie­be­ne Menü­se­rvice nicht von der Umsatz­steu­er befreit. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 18 UStG sind –wie bereits aus­ge­führt– schon des­halb nicht erfüllt, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge i.S. von § 23 UStDV ist und auch kei­nem sol­chen Ver­band ange­schlos­sen ist.

    Eine unmit­tel­ba­re Beru­fung des Klä­gers auf die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gere­gel­te Steu­er­be­frei­ung schei­det gleich­falls aus. Bei dem Menü­se­rvice han­delt es sich weder um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, noch sind die von ihm erbrach­ten Leis­tun­gen eng mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den.

    Auch ist der Menü­se­rvice nicht des­halb als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter anzu­er­ken­nen, weil der Klä­ger als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein mög­li­cher­wei­se inso­weit die Vor­aus­set­zun­gen von § 68 Nr. 1 Buchst. a AO erfüllt. Denn der natio­na­le Gesetz­ge­ber hat bei der Umset­zung von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, die er u.a. in dem Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stand des § 4 Nr. 16 Buchst. d UStG vor­ge­nom­men hat, aus­schließ­lich auf die in § 68 Nr. 1 Buchst. a AO genann­ten Alten‑, Alten­wohn- und Pfle­ge­hei­me Bezug genom­men, ohne die außer­dem in die­ser Bestim­mung auf­ge­führ­ten Erho­lungs­hei­me und Mahl­zei­ten­diens­te zu erwäh­nen. Damit hat er zum Aus­druck gebracht, dass er im natio­na­len Umsatz­steu­er­recht bei den auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­hen­den Steu­er­be­frei­un­gen nur die Alten‑, Alten­wohn- und Pfle­ge­hei­me als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­ken­nen woll­te.

    Da die Kos­ten der erbrach­ten Menü­se­rvice­leis­tun­gen nicht von den Kran­ken­kas­sen oder Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar waren, ergibt sich auch inso­weit kei­ne Aner­ken­nung des Menü­se­rvice als einer Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter [16].

    Eine unmit­tel­ba­re Beru­fung des Ver­eins auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG schei­tert auch dar­an, dass die von einem Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen der Art nach von vorn­her­ein nicht eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den sind. Denn die Ver­sor­gung mit Essen ent­spricht einem Grund­be­dürf­nis, das jeder Mensch hat und das unab­hän­gig vom jewei­li­gen Gesund­heits­zu­stand oder Alter des Men­schen besteht. Daher wer­den Leis­tun­gen eines Menü­se­rvice grund­sätz­lich auch von gesun­den und/​oder jun­gen Men­schen in Anspruch genom­men. Damit ent­spricht der Per­so­nen­kreis der Leis­tungs­emp­fän­ger bei einem Menü­se­rvice im Hin­blick auf sei­ne Bedürf­tig­keit nicht dem Per­so­nen­kreis der Sach­ver­hal­te, bei denen die Recht­spre­chung das Merk­mal der mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen bejaht hat [12].

    Soweit ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen von sol­chen Mahl­zei­ten­diens­ten, die einem Wohl­fahrts­ver­band als Mit­glied ange­schlos­sen sind, von der Finanz­ver­wal­tung nach § 4 Nr. 18 UStG steu­er­frei belas­sen wer­den soll­ten, kann dies nichts dar­an ändern, dass die gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG für die Steu­er­be­frei­ung erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sind.

    Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. Dezem­ber 2010 – XI R 46/​08

    1. in der seit dem 1. Janu­ar 1968 (BGBl I 1967, 545, BStBl I 1967, 224) gel­ten­den Fas­sung[]
    2. vgl. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 51[]
    3. vgl. EuGH, Urteil vom 26.05.2005 – C‑498/​03 [Kingscrest Asso­cia­tes und Mon­te­cel­lo Ltd.], Slg. 2005, I‑4427, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 310, Rz 34[]
    4. EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 44[]
    5. EuGH, Urteil vom 09.02.2006 – C‑415/​04 [Kin­de­r­op­vang Ensche­de], Slg. 2006, I‑1385, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 256, Rz 27[]
    6. EuGH, Urteil in Slg. 2005, I‑4427, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 310[]
    7. vgl. BFH, Urteil vom 18.08.2005 – V R 71/​03, BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143[]
    8. BFH, Urteil vom 22.04.2004 – V R 1/​98, BFHE 205, 514, BStBl II 2004, 849[]
    9. BFH, Urteil in BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143[]
    10. BFH, Urteil vom 17.02.2009 – XI R 67/​06, BFHE 224, 183[]
    11. BFH, Urteil vom 23.07.2009 – V R 93/​07, BFHE 226, 435[]
    12. vgl. EuGH, Urtei­le in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 44; und in Slg. 2006, I‑1385, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 256, Rz 27; BFH, Urtei­le in BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143; in BFHE 224, 183; und in BFHE 226, 435[][]
    13. EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 54 ff.; BFH, Urteil in BFHE 205, 514, BStBl II 2004, 849[]
    14. EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 54, 55[]
    15. BFH, Urtei­le in BFHE 205, 514, BStBl II 2004, 849; in BFHE 211, 543, BStBl II 2006, 143; und in BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634; jeweils m.w.N.[]
    16. vgl. BFH, Urteil in BFHE 205, 514, BStBl II 2004, 849, m.w.N.[][]
    17. BFH, Urteil in BFHE 219, 428, BStBl II 2008, 634[]
    18. BFH, a.a.O.[]