Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Nach­hil­fe­in­sti­tu­ten

Für die Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Nach­hil­fe­in­sti­tu­ten besteht kei­ne Min­dest­quo­te von Lehr­kräf­ten mit Lehr­amts­be­fä­hi­gung.

Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Nach­hil­fe­in­sti­tu­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Revi­sio­nen zwei­er Betrei­ber von Nach­hil­fe­in­sti­tu­ten in Unter­fran­ken statt­ge­ge­ben und den Frei­staat Bay­ern ver­pflich­tet, für die betref­fen­den Insti­tu­te jeweils Beschei­ni­gun­gen nach § 4 Nr. 21 Buchst. a Dop­pel­buchst. bb UStG zu ertei­len.

Die­se Beschei­ni­gun­gen sind Vor­aus­set­zung für eine Befrei­ung der Nach­hil­fe­kur­se von der Umsatz­steu­er. Sie sind zu ertei­len, wenn die jewei­li­gen Ein­rich­tun­gen ord­nungs­ge­mäß auf eine vor einer juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts abzu­le­gen­de Prü­fung vor­be­rei­ten. Die ord­nungs­ge­mä­ße Prü­fungs­vor­be­rei­tung durch Nach­hil­feein­rich­tun­gen setzt dabei unter ande­rem vor­aus, dass die ein­ge­setz­ten Lehr­kräf­te die erfor­der­li­che Eig­nung besit­zen.

Nach der Recht­spre­chung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist die­se Vor­aus­set­zung nur dann erfüllt, wenn min­des­tens 25 v.H. der vor­ge­hal­te­nen Nach­hil­fe­kräf­te die Befä­hi­gung für das Lehr­amt an öffent­li­chen Schu­len besit­zen, die übri­gen Nach­hil­fe­lehr­kräf­te jeden­falls fach­lich geeig­net sind und sicher­ge­stellt ist, dass die voll aus­ge­bil­de­ten Lehr­kräf­te für päd­ago­gi­sche Fra­gen der übri­gen Lehr­kräf­te unter­stüt­zend zur Ver­fü­gung ste­hen. Auf die­ser Grund­la­ge wies erst­in­stanz­lich das Ver­wal­tungs­ge­richt Würz­burg 1 die Kla­gen und der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2 die Beru­fun­gen der Nach­hil­fe­in­sti­tu­te zurück. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Nach­hil­fe­in­sti­tu­te hat­ten vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg:

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied, dass die erfor­der­li­che Eig­nung der für Nach­hil­fe­un­ter­richt ein­ge­setz­ten Lehr­kräf­te nicht von einer Min­dest­quo­te an Per­so­nal mit Lehr­amts­be­fä­hi­gung abhän­gig gemacht wer­den darf. Die­se Vor­aus­set­zung fin­det kei­ne Grund­la­ge im Gesetz. Der Nach­hil­fe­un­ter­richt unter­schei­det sich vom Schul­un­ter­richt, den er ledig­lich ergänzt. Erfor­der­lich, aber auch aus­rei­chend ist, dass die jewei­li­gen Lehr­kräf­te geeig­net sind, den kon­kre­ten Nach­hil­fe­un­ter­richt zu ertei­len. Hier waren die­se Min­dest­an­for­de­run­gen auf­grund der im Ein­zel­nen beleg­ten Aus­wahl und Vor­bil­dung der Lehr­kräf­te nach der Über­zeu­gung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts erfüllt. Danach bestand ein Anspruch auf Ertei­lung der begehr­ten Beschei­ni­gun­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 27. April 2017 – 9 C 5.16 und 9 C 6.16

  1. VG Würz­burg, urtei­le vom 13.04.2011 – W 6 K 10.1160 und W 6 K 11.154[]
  2. BayVGH, Urtei­le vom 26.10.2015 – 21 B 14.2091 und 21 B 14.2092[]