Umsatz­steu­er­freie Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen – an allen Werk­ta­gen

Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen i.S. von § 4 Nr. 11b UStG ver­lan­gen eine Post-Zustel­lung an sechs Arbeits­ta­gen pro Woche. Stellt ein Unter­neh­mer an fünf Arbeits­ta­gen pro Woche Post zu, erbringt er kei­ne Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen und hat kei­nen Anspruch gegen das BZSt auf Ertei­lung einer für die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung erfor­der­li­chen Beschei­ni­gung.

Umsatz­steu­er­freie Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen – an allen Werk­ta­gen

Post­dienst­leis­tun­gen sind damit nur umsatz­steu­er­frei, wenn sich der Unter­neh­mer ver­pflich­tet, Post­sen­dun­gen an allen Werk­ta­gen und damit im Regel­fall sechs­mal wöchent­lich zuzu­stel­len.

Die Umsatz­steu­er­frei­heit von Post­dienst­leis­tun­gen (sog. Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen) setzt vor­aus, dass sich der Unter­neh­mer gegen­über dem Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern (BZSt) ver­pflich­tet, die­se Leis­tun­gen flä­chen­de­ckend anzu­bie­ten. Das BZSt muss dies zudem beschei­ni­gen (§ 4 Nr. 11b UStG). In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall bean­trag­te die Post­un­ter­neh­me­rin die für die Steu­er­frei­heit erfor­der­li­che Beschei­ni­gung beim BZSt. Das BZSt ver­sag­te die Ertei­lung, da die Post­un­ter­neh­me­rin Zustel­lun­gen nur an fünf Werk­ta­gen (Diens­tag bis Sams­tag) in der Woche erbrin­gen woll­te.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge blieb vor dem Finanz­ge­richt Köln ohne Erfolg [1]. Und auch der Bun­des­fi­nanz­hof bil­li­ge die Rechts­auf­fas­sung des BZSt. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs setzt die Ertei­lung ‑der für die Steu­er­frei­heit erfor­der­li­chen- Beschei­ni­gung vor­aus, dass der Unter­neh­mer Post­sen­dun­gen an allen Werk­ta­gen unter Ein­schluss des Mon­tags zustellt. Der Bun­des­fi­nanz­hof lei­tet dies aus der Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung ab, die auch umsatz­steu­er­recht­lich zu beach­ten sei.Diese Rechts­la­ge nach natio­na­lem Recht steht nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch nicht im Wider­spruch zu den Bestim­mun­gen des durch das Recht der Euro­päi­schen Uni­on har­mo­ni­sier­ten Mehr­wert­steu­er­rechts.

Die Steu­er­frei­heit für Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen nach Art. 3 Abs. 4 der Richt­li­nie 97/​67/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 15.12 1997 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Ent­wick­lung des Bin­nen­mark­tes der Post­diens­te der Gemein­schaft und die Ver­bes­se­rung der Dienste­qua­li­tät [2] (§ 4 Nr. 11b Satz 1 UStG) setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer sich ent­spre­chend einer Beschei­ni­gung des BZSt gegen­über die­ser Behör­de ver­pflich­tet hat, flä­chen­de­ckend im gesam­ten Gebiet Deutsch­lands die Gesamt­heit der Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen oder einen Teil­be­reich die­ser Leis­tun­gen nach Satz 1 anzu­bie­ten (§ 4 Nr. 11b Satz 2 UStG).

Die nur von Diens­tag bis Sams­tag zustel­len­de Post­un­ter­neh­me­rin kann eine der­ar­ti­ge Beschei­ni­gung nicht erlan­gen, weil sie kei­ne Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen anbie­tet und des­halb die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 11b Satz 2 i.V.m. Satz 1 UStG nicht erfüllt.

Der Uni­ver­sal­dienst umfasst nach Art. 3 Abs. 4 Richt­li­nie 97/​67/​EG das dort beschrie­be­ne Ange­bot: „Abho­lung, Sor­tie­ren, Trans­port und Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen bis 2 kg; Abho­lung, Sor­tie­ren, Trans­port und Zustel­lung von Post­pa­ke­ten bis 10 kg; die Diens­te für Ein­schreib- und Wert­sen­dun­gen“. Der Uni­ver­sal­dienst soll nach Art. 3 Abs. 3 Richt­li­nie 97/​67/​EG an min­des­tens fünf Arbeits­ta­gen statt­fin­den. Die Richt­li­nie wen­det sich an die EU-Mit­glied­staa­ten, damit sie die­se Anfor­de­run­gen an den Uni­ver­sal­dienst gewähr­leis­ten. Der jewei­li­ge EU-Mit­glied­staat hat im durch die Richt­li­nie 97/​67/​EG vor­ge­ge­be­nen Rah­men einen Umset­zungs- und Prä­zi­sie­rungs­spiel­raum: Er muss nur den Min­dest­zeit­raum ein­hal­ten, darf aber auch dar­über hin­aus­ge­hen. So heißt es im 21. Erwä­gungs­grund der Richt­li­nie 2008/​6/​EG [3] zur Ände­rung der Richt­li­nie 97/​67/​EG, der Uni­ver­sal­dienst gewähr­leis­te grund­sätz­lich eine Abho­lung und eine Zustel­lung zu der Wohn­adres­se oder den Geschäfts­räu­men an jedem Werk­tag selbst in abge­le­ge­nen oder dünn besie­del­ten Gebie­ten.

§ 11 Abs. 2 PostG i.V.m. § 2 Ziff. 5 der Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung (PUDLV) [4] regelt ‑die Richt­li­nie umset­zend- auf inner­staat­li­cher Ebe­ne, dass „die Zustel­lung min­des­tens ein­mal werk­täg­lich zu erfol­gen hat“. Werk­ta­ge sind alle Kalen­der­ta­ge, die nicht Sonn- oder gesetz­li­che Fei­er­ta­ge sind (vgl. z.B. § 1 Abs. 2 BUr­lG). Damit ver­langt § 11 Abs. 2 PostG i.V.m. § 2 Ziff. 5 PUDLV die Zustel­lung an sechs Tagen pro Woche.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die Post­un­ter­neh­me­rin nicht. Nach der von ihr abge­ge­be­nen Ver­pflich­tungs­er­klä­rung und den wei­te­ren hier­zu dem BZSt mit­ge­teil­ten Umstän­den zur Erbrin­gung des Post­uni­ver­sal­diens­tes hat sie sich dazu ver­pflich­tet, ihre Post­dienst­leis­tun­gen an fünf Werk­ta­gen ‑unter Aus­schluss des Mon­tags- anzu­bie­ten. Ihre Ver­pflich­tungs­er­klä­rung bezieht die Post­un­ter­neh­me­rin zwar ver­bal auf Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen. In Ver­bin­dung mit ihrer Pra­xis, nur an fünf Tagen zuzu­stel­len, bie­tet sie aber in Wirk­lich­keit gera­de kei­ne Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen an, so dass sie kei­nen Anspruch auf Ertei­lung der Beschei­ni­gung hat.

Die von der Post­un­ter­neh­me­rin in die­sem Zusam­men­hang begehr­te unmit­tel­ba­re Anwen­dung von Art. 132 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2006/​112/​EG über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem vom 28.11.2006 (MwSt­Sys­tRL) kommt nicht in Betracht. Denn hier geht es nicht um die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung für die ent­spre­chen­den Umsät­ze selbst im Rah­men einer Steu­er­fest­set­zung, son­dern allein um die Ertei­lung einer Beschei­ni­gung nach § 4 Nr. 11b Satz 2 UStG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. März 2016 – V R 20/​15

  1. FG Köln, Urteil vom 11.03.2015 – 2 K 2529/​11[]
  2. ABl.EU- Nr. L 15 vom 21.01.1998, S. 14, Nr. L 23 vom 30.01.1998, S. 39, zuletzt geän­dert durch die Richt­li­nie 2008/​6/​EG, ABl.EU Nr. L 52 vom 27.02.2008, S. 3, in der jeweils gel­ten­den Fas­sung[]
  3. ABl.EU Nr. L 52 vom 27.02.2008, S. 3[]
  4. vom 15.12 1999, BGBl I 1999, 2418[]