Umsatz­steu­er­freie Zyto­sta­ti­ka aus der Kran­ken­haus­apo­the­ke

Die Abga­be von Krebs­me­di­ka­men­ten (Zyto­sta­ti­ka) durch eine Kran­ken­haus­apo­the­ke ist umsatz­steu­er­frei, und das nach einem aktu­el­len Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter auch dann, wenn die Pati­en­ten ambu­lant the­ra­piert wer­den.

Umsatz­steu­er­freie Zyto­sta­ti­ka aus der Kran­ken­haus­apo­the­ke

Im hier vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall betrieb die Klä­ge­rin ein gemein­nüt­zi­ges Kran­ken­haus. Auf­grund einer sog. Insti­tuts­er­mäch­ti­gung war es ihr gestat­tet, auch ambu­lan­te Behand­lun­gen (z.B. Che­mo­the­ra­pi­en) durch­zu­füh­ren. Die im Rah­men die­ser The­ra­pi­en an die Pati­en­ten ver­ab­reich­ten Zyto­sta­ti­ka wur­den in der von der Klä­ge­rin unter­hal­te­nen Kran­ken­haus­apo­the­ke nach ärzt­li­cher Anord­nung zeit­nah und indi­vi­du­ell für die Pati­en­ten her­ge­stellt. Wäh­rend die Klä­ge­rin die hier­aus erziel­ten Umsät­ze als steu­er­frei ansah, war das beklag­te Finanz­amt der Auf­fas­sung, die Umsatz­er­lö­se sei­en steu­er­pflich­tig.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter gab dem Kran­ken­haus Recht: Die Abga­be von Zyto­sta­ti­ka an Pati­en­ten der Klä­ge­rin im Rah­men ambu­lan­ter Krebs­the­ra­pi­en unter­fal­le der Steu­er­be­frei­ung gem. § 4 Nr. 16 Buchst. b) UStG a.F., denn die Behand­lung sei – wie vom Gesetz gefor­dert – mit der Kran­ken­haus­be­hand­lung und der ärzt­li­chen Heil­be­hand­lung eng ver­bun­den. Eng ver­bun­de­ne Umsät­ze lägen vor, wenn sie als Neben­leis­tung zu einer Kran­ken­haus­be­hand­lung oder ärzt­li­chen Heil­be­hand­lung anzu­se­hen sei­en, d.h. sie ein Mit­tel dar­stell­ten, um die Haupt­leis­tung unter opti­ma­len Bedin­gun­gen in Anspruch neh­men zu kön­nen. Dies tref­fe auf die strei­ti­gen Medi­ka­men­ten­lie­fe­run­gen zu, die als Neben­leis­tun­gen zur Krebs­the­ra­pie erbracht wür­den.

Unbe­acht­lich sei, so das Finanz­ge­richt Müns­ter wei­ter, ob die Heil­be­hand­lung im Rah­men einer sta­tio­nä­ren Auf­nah­me der Pati­en­ten oder ambu­lant erfol­ge. Die Abga­be der Zyto­sta­ti­ka durch die Klä­ge­rin sei für die Kran­ken­haus­be­hand­lung als uner­läss­lich anzu­se­hen, denn sie för­de­re die ambu­lan­ten Krebs­the­ra­pi­en erheb­lich. Sowohl die Klä­ge­rin als auch die Pati­en­ten könn­ten die The­ra­pie so effek­tiv und mit mög­lichst gerin­gem Auf­wand gestal­ten. Zudem die­ne – hier­von war das Finanz­ge­richt Müns­ter über­zeugt – die Abga­be der Medi­ka­men­te in ers­ter Linie dem rei­bungs­lo­sen Ablauf der Che­mo­the­ra­pi­en und damit einer mög­lichst effek­ti­ven Heil­be­hand­lung. Sie sei nicht vor­ran­gig dazu bestimmt, der Klä­ge­rin zusätz­li­che Ein­nah­men zu ver­schaf­fen. Hier­für spre­che auch die der Klä­ge­rin erteil­te Insti­tuts­er­mäch­ti­gung, die nur bei einer ansons­ten nicht aus­rei­chen­den ärzt­li­chen Ver­sor­gung erteilt wer­de.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 12. Mai 2011 – 5 K 435/​09 U