Umsatz­steu­er­ka­rus­sel­le und Rever­se Char­ge

Als Reak­ti­on auf neue Betrugs­for­men, die in meh­re­ren EU-Mit­glied­staa­ten gemel­det wer­den, hat die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on jetzt einen Vor­schlag für eine fakul­ta­ti­ve befris­te­te Anwen­dung des Rever­se Char­ge-Ver­fah­rens auf Lie­fe­run­gen bestimm­ter Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen ange­nom­men, damit die Mit­glied­staa­ten in der gesam­ten EU ein­heit­lich gegen Karus­sell­be­trug vor­ge­hen können.Der Vor­schlag umfasst Eva­lu­ie­rungs- und Infor­ma­ti­ons­pflich­ten für die Mit­glied­staa­ten, die es erlau­ben, die Wirk­sam­keit der Maß­nah­men genau zu bestim­men.

Umsatz­steu­er­ka­rus­sel­le und Rever­se Char­ge

Bis­her ging es bei den Umsatz­steu­er­ka­rus­sel­len vor allem um klei­ne Gegen­stän­de von hohem Wert. In jüngs­ter Zeit berich­te­ten meh­re­re Mit­glied­staa­ten aber auch über Karus­sell­be­trug bei Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten.

Damit die Mit­glied­staa­ten rasch gegen die­se Art von Betrug vor­ge­hen kön­nen, hat die Kom­mis­si­on einen Richt­li­ni­en­vor­schlag vor­ge­legt, der es erlaubt, das Rever­se Char­ge ‑Ver­fah­ren auf Lie­fe­run­gen von fünf Kate­go­rien beson­ders betrugs­an­fäl­li­ger Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen anzu­wen­den, und zwar für:

  • Com­pu­ter­chips,
  • Mobil­te­le­fo­ne,
  • Edel­me­tal­le,
  • Par­fums und
  • Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te.

Die Mit­glied­staa­ten kön­nen damit das Rever­se Char­ge ‑Ver­fah­ren ein­heit­lich auf eine begrenz­te Zahl von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen anwen­den und ver­fü­gen so über ein wirk­sa­mes Instru­ment, um besorg­nis­er­re­gen­de Betrugs­phä­no­me­ne fle­xi­bel zu bekämp­fen, gleich­zei­tig aber ein­heit­lich auf Karus­sell­be­trug reagie­ren und eine Ver­la­ge­rung des Betrugs ver­hin­dern zu kön­nen. Auf die­se Wei­se sam­meln sie außer­dem wert­vol­le Erfah­run­gen, um die Wirk­sam­keit einer sol­chen Maß­nah­me zu beur­tei­len.

Funk­ti­ons­wei­se der Umsatz­steu­er­ka­rus­sel­le

Bei die­ser Art von Betrug stellt der Leis­tungs­er­brin­ger die Mehr­wert­steu­er dem Kun­den in Rech­nung, ent­rich­tet den Betrag aber nicht an den Fis­kus. Da der steu­er­pflich­ti­ge Leis­tungs­emp­fän­ger grund­sätz­lich wei­ter zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt ist, erhält er vom Fis­kus eine Vergütung/​Erstattung. In grö­ße­rem Maß­stab ergibt sich dar­aus zuwei­len der inner­ge­mein­schaft­li­che Mis­sing-Tra­der- oder Karus­sell­be­trug.

Das Rever­se Char­ge – Ver­fah­ren

Bei Anwen­dung des Rever­se Char­ge ‑Ver­fah­rens wird die Mehr­wert­steu­er nicht von dem Leis­tungs­er­brin­ger in Rech­nung gestellt, son­dern vom Leis­tungs­emp­fän­ger ent­rich­tet, der – sofern er unein­ge­schränkt steu­er­pflich­tig ist – gleich­zei­tig den ent­spre­chen­den Mehr­wert­steu­er­be­trag abzieht. Damit ent­fällt sowohl die Not­wen­dig­keit, eine Zah­lung an den Fis­kus zu leis­ten, als auch die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, die­se Art von Betrug zu bege­hen.

Da mit dem Vor­schlag jedoch nicht beab­sich­tigt ist, die Haupt­grund­sät­ze des Mehr­wert­steu­er­sys­tems aus­zu­he­beln, soll sein Anwen­dungs­be­reich begrenzt blei­ben, und zwar sowohl im Hin­blick auf die Zahl der Gegenstände/​Leistungen, als auch, was den Anwen­dungs­zeit­raum angeht. Bei der Aus­wahl der Lie­fe­run­gen, um die es in dem Vor­schlag geht, wur­den die jüngs­ten Erfah­run­gen mit Mis­sing-Tra­der-Betrug berück­sich­tigt.

Betrug im Zusam­men­hang mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten

Das Emis­si­ons­han­dels­sys­tem (ETS) der EU, das 2005 geschaf­fen wur­de, ist inzwi­schen zum welt­weit größ­ten mul­ti­na­tio­na­len Sys­tem die­ser Art her­an­ge­wach­sen (73 % des Wer­tes des glo­ba­len Koh­len­stoff­mark­tes 2008). Mit die­sem „cap and trade”-System sol­len die Treib­haus­gas­emis­sio­nen durch Zutei­lung (kos­ten­los oder auf dem Wege der Ver­stei­ge­rung) von Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten ver­rin­gert wer­den, die anschlie­ßend zwi­schen Unter­neh­men über­tra­gen wer­den kön­nen. Pha­se 3 des ETS (2013–2020) sieht eine jähr­li­che Redu­zie­rung des Höchst­sat­zes um 1,74 % vor, was zu einem Rück­gang von ins­ge­samt 21% gegen­über den Emis­sio­nen von 2005 füh­ren soll.

Über­tra­gun­gen von Zer­ti­fi­ka­ten zwi­schen Steu­er­pflich­ti­gen gel­ten als Dienst­leis­tung und wer­den daher an dem Ort besteu­ert, an dem der Leis­tungs­emp­fän­ger ansäs­sig ist.

Im Som­mer 2009 wur­den in meh­re­ren Mit­glied­staa­ten Betrugs­fäl­le auf­ge­deckt, auf die die Kom­mis­si­on umge­hend reagiert hat, indem sie Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te in die Lis­te der Lie­fe­run­gen auf­ge­nom­men hat, auf die das Rever­se Char­ge-Ver­fah­ren ange­wen­det wer­den kann.