Umsatz­steu­er­li­che Behand­lung von Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um reagiert auf ein Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs 1, mit dem der BFH zur Umsatz­steu­er­be­frei­ung der Leis­tun­gen eines Han­dels­ver­tre­ters Stel­lung genom­men hat, der für eine T‑AG Fonds einer R‑GmbH ver­mit­teln soll­te. Der Klä­ger hat­te die ihm zuge­dach­ten Ver­triebs­part­ner regel­mä­ßig zu besu­chen und auf der Grund­la­ge der Ent­wick­lung der Fonds­pro­duk­te zu unter­rich­ten. Der Klä­ger hat­te mit dem eigent­li­chen Ver­mitt­lungs­ge­schäft nichts zu tun, son­dern führ­te sei­nem Auf­trag­ge­ber im Wesent­li­chen Abschluss­ver­mitt­ler zu, schul­te die­se und betreu­te sie und unter­stütz­te sie im Rah­men ihrer Tätig­keit für den Auf­trag­ge­ber.

Umsatz­steu­er­li­che Behand­lung von Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen

Der BFH hat­te zu ent­schei­den, ob die Betreu­ung, Schu­lung und Über­wa­chung von nach­ge­ord­ne­ten Ver­mitt­lern beim Ver­trieb von Fonds­an­tei­len als Ver­mitt­lung von Gesell­schafts­an­tei­len gemäß § 4 Nr. 8 Buchst. f UStG umsatz­steu­er­frei sind. Der BFH hat die Steu­er­be­frei­ung ver­neint. Nach dem Urteil ent­hält § 4 Nr. 8 Buchst. f UStG auch unter Berück­sich­ti­gung von Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 5 der 6. EG-Richt­li­nie kei­ne all­ge­mei­ne Steu­er­be­frei­ung für Leis­tun­gen beim Ver­trieb von Antei­len an Gesell­schaf­ten und ande­ren Ver­ei­ni­gun­gen, son­dern erfasst nur die Ver­mitt­lung von Umsät­zen mit der­ar­ti­gen Antei­len. Die steu­er­freie Ver­mitt­lung muss sich auf ein­zel­ne Geschäfts­ab­schlüs­se bezie­hen. Des­wei­te­ren setzt nach dem Urteil die Steu­er­frei­heit der Betreu­ung, Schu­lung und Über­wa­chung von Ver­si­che­rungs­ver­tre­tern nach § 4 Nr. 11 UStG vor­aus, dass der Unter­neh­mer, der die­se Leis­tun­gen über­nimmt, durch Prü­fung eines jeden Ver­trags­an­ge­bots zumin­dest mit­tel­bar auf eine der Ver­trags­par­tei­en ein­wir­ken kann, wobei auf die Mög­lich­keit, eine sol­che Prü­fung im Ein­zel­fall durch­zu­füh­ren, abzu­stel­len sei. Die ein­ma­li­ge Prü­fung und Geneh­mi­gung von Stan­dard­ver­trä­gen und stan­dar­di­sier­ten Vor­gän­gen reicht dabei 2 nicht aus.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ist in Anwen­dung die­ses BFH-Urteils der Begriff der Ver­mitt­lung bei ent­spre­chen­den Umsät­zen der in § 4 Nr. 8 und 11 UStG bezeich­ne­ten Art ein­heit­lich aus­zu­le­gen. Die in § 4 Nr. 8 und 11 UStG bezeich­ne­ten Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen set­zen die Tätig­keit einer Mit­tels­per­son vor­aus, die nicht den Platz einer der Par­tei­en des zu ver­mit­teln­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses ein­nimmt und deren Tätig­keit sich von den ver­trag­li­chen Leis­tun­gen, die von den Par­tei­en die­ses Ver­tra­ges erbracht wer­den, unter­schei­det. Zweck der Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit ist, das Erfor­der­li­che zu tun, damit zwei Par­tei­en einen Ver­trag schlie­ßen, an des­sen Inhalt der Ver­mitt­ler kein Eigen­in­ter­es­se hat. Die Mitt­ler­tä­tig­keit kann dar­in bestehen, einer Ver­trags­par­tei Gele­gen­hei­ten zum Abschluss eines Ver­tra­ges nach­zu­wei­sen, mit der ande­ren Par­tei Kon­takt auf­zu­neh­men oder über die Ein­zel­hei­ten der gegen­sei­ti­gen Leis­tun­gen zu ver­han­deln. Wer ledig­lich einen Teil der mit einem zu ver­mit­teln­den Ver­trags­ver­hält­nis ver­bun­de­nen Sach­ar­beit über­nimmt oder ledig­lich einem ande­ren Unter­neh­mer Ver­mitt­ler zuführt und die­se betreut, erbringt inso­weit kei­ne steu­er­freie Ver­mitt­lungs­leis­tung. Die Steu­er­be­frei­ung einer Ver­mitt­lungs­leis­tung setzt nicht vor­aus, dass es tat­säch­lich zum Abschluss des zu ver­mit­teln­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses gekom­men ist. Unbe­scha­det des­sen erfül­len blo­ße Bera­tungs­leis­tun­gen den Begriff der Ver­mitt­lung nicht 3.

Auch die Betreu­ung, Über­wa­chung oder Schu­lung von nach­ge­ord­ne­ten selb­stän­di­gen Ver­mitt­lern kann zur berufs­ty­pi­schen Tätig­keit eines Bau­spar­kas­sen­ver­tre­ters, Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters oder Ver­si­che­rungs­mak­lers gemäß § 4 Nr. 11 UStG oder zu Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen der in § 4 Nr. 8 UStG bezeich­ne­ten Art gehö­ren. Dies setzt aber vor­aus, dass der Unter­neh­mer, der die Leis­tun­gen der Betreu­ung, Über­wa­chung oder Schu­lung über­nimmt, durch Prü­fung eines jeden Ver­trags­an­ge­bots mit­tel­bar auf eine der Ver­trags­par­tei­en ein­wir­ken kann. Dabei ist auf die Mög­lich­keit abzu­stel­len, eine sol­che Prü­fung im Ein­zel­fall durch­zu­füh­ren.

Die Rege­lung des BMF-Schrei­bens vom 9. Okto­ber 2008 4 in die­sem Zusam­men­hang, wonach es bei Ver­wen­dung von Stan­dard­ver­trä­gen und stan­dar­di­sier­ten Vor­gän­gen genügt, dass der Unter­neh­mer durch die ein­ma­li­ge Prü­fung und Geneh­mi­gung der Stan­dard­ver­trä­ge und stan­dar­di­sier­ten Vor­gän­ge mit­tel­bar auf eine der Ver­trags­par­tei­en ein­wir­ken
kann, ist, so das BMF in sei­nem neu­en Erlass, nicht mehr auf Umsät­ze anzu­wen­den, die nach dem 31. Dezem­ber 2009 bewirkt wer­den.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schei­ben vom 23. Juni 2009 – IV B 9 – S 7160‑f/​08/​10004 [2009/​0404024]

  1. BFH, Urteil vom 30. Okto­ber 2008, V R 44/​071[][]
  2. ent­ge­gen dem BMF-Schrei­ben vom 9. Okto­ber 2008 – IV B 9 – S 7167/​08/​10001, BSt­Bl I S. 948[]
  3. vgl. BMF, Schrei­ben vom 29. Novem­ber 2007 – IV A 6 – S 7160‑a/​07/​0001 [2007/​0544325], BSt­Bl I S. 947[]
  4. BSt­Bl I S. 948[]