Umsatz­steu­er­pflicht bei der Fonds­ver­wal­tung

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zu der Fra­ge vor­ge­legt, ob soge­nann­te außen­ste­hen­de Bera­ter, die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten beim Kauf und Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren für die von der Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaft ver­wal­te­ten Son­der­ver­mö­gen gegen Ent­gelt bera­ten, umsatz­steu­er­pflich­ti­ge oder –wie die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten selbst– steu­er­freie Leis­tun­gen bei der Fonds­ver­wal­tung erbrin­gen.

Umsatz­steu­er­pflicht bei der Fonds­ver­wal­tung

Die Fra­ge ist für die Fonds­ver­wal­tung durch Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten von gro­ßer prak­ti­scher Bedeu­tung, da sich Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten bei der Port­fo­li­o­an­la­ge häu­fig extern bera­ten las­sen und für die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaft im Fall der Steu­er­pflicht der Bera­tungs­leis­tung kein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug besteht, so dass sich die Kos­ten für die Fonds­ver­wal­tung um die dann nicht abzieh­ba­re Umsatz­steu­er von der­zeit 19% erhö­hen.

Im Rah­men die­ser Vor­la­ge wird der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ins­be­son­de­re dar­über zu ent­schei­den haben, ob eine port­fo­li­o­be­zo­ge­ne Bera­tung über­haupt als Ver­wal­tungs­tä­tig­keit anzu­se­hen ist und ob es für die Steu­er­frei­heit dar­auf ankommt, dass die Beauf­tra­gung des exter­nen Bera­ters in Über­ein­stim­mung mit den auf­sichts­recht­li­chen Vor­ga­ben des Invest­ment­rechts erfolgt.

Die Vor­la­ge betrifft unmit­tel­bar nur die vor dem Inkraft­tre­ten des Invest­ment­ge­set­zes bis ein­schließ­lich 2003 bestehen­de Rechts­la­ge. Im Hin­blick auf die Fra­ge, ob es für die Steu­er­frei­heit der durch den Beauf­trag­ten erbrach­ten Leis­tung auf die invest­ment­recht­li­che Zuläs­sig­keit der Beauf­tra­gung ("Aus­la­ge­rung") ankommt, ist die Vor­la­ge aber auch für die heu­te bestehen­de Rechts­la­ge von Bedeu­tung.

Die Fra­ge des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Aus­le­gung der "Ver­wal­tung von Son­der­ver­mö­gen durch Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaf­ten" im Sin­ne von Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 6 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG:

Ist die Leis­tung eines außen­ste­hen­den Ver­wal­ters eines Son­der­ver­mö­gens nur dann hin­rei­chend spe­zi­fisch und damit steu­er­frei, wenn

  1. er eine Ver­wal­tungs­tä­tig­keit und nicht nur eine Bera­tungs­tä­tig­keit aus­übt oder wenn
  2. sich die Leis­tung ihrer Art nach auf­grund einer für die Steu­er­frei­heit nach die­ser Bestim­mung cha­rak­te­ris­ti­schen Beson­der­heit von ande­ren Leis­tun­gen unter­schei­det oder wenn
  3. er auf­grund einer Auf­ga­ben­über­tra­gung nach Art. 5g der geän­der­ten Richt­li­nie 85/​611/​EWG tätig ist?

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Mai 2011 – V R 51/​10