Unge­klär­te aus­län­di­sche Ein­zah­lun­gen auf betrieb­li­che Kon­ten

Ver­letzt ein Steu­er­pflich­ti­ger sei­ne Pflich­ten gemäß § 90 AO, die sich bei Bezü­gen zu Aus­lands­sach­ver­hal­ten noch erhö­hen (§ 90 Abs. 2 AO), und ist der Sach­ver­halt ander­wei­tig nicht auf­klär­bar, so kann das Finanz­amt – und ihm fol­gend das Gericht – zum Nach­teil des Steu­er­pflich­ti­gen von einem Sach­ver­halt aus­ge­hen, für den unter Berück­sich­ti­gung der Beweis­nä­he des Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Auf­klä­rung des Sach­ver­hal­tes eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit spricht.

Unge­klär­te aus­län­di­sche Ein­zah­lun­gen auf betrieb­li­che Kon­ten

Ins­be­son­de­re dann, wenn sich die Mit­wir­kungs­pflicht auf Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel aus dem allei­ni­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Steu­er­pflich­ti­gen bezieht, kann das Finanz­amt aus der Pflicht­ver­let­zung des Steu­er­pflich­ti­gen für ihn nach­tei­li­ge Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen.

Die Finanz­be­hör­de hat die Besteue­rungs­grund­la­gen zu schät­zen, soweit sie die­se nicht ermit­teln oder berech­nen kann (§ 162 Abs. 1 Satz 1 AO). Zu schät­zen ist ins­be­son­de­re dann, wenn die Buch­füh­rung oder die Auf­zeich­nun­gen der Besteue­rung nicht nach § 158 AO zugrun­de gelegt wer­den kön­nen (§ 162 Abs. 2 Satz 2 AO). Nach § 158 AO sind der Besteue­rung die Buch­füh­rung und die Auf­zeich­nun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen, die den Vor­schrif­ten der §§ 140 bis 148 AO ent­spre­chen, zugrun­de zu legen, soweit nach den Umstän­den des Ein­zel­falls kein Anlass besteht, ihre sach­li­che Rich­tig­keit zu bean­stan­den. Eine for­mell ord­nungs­mä­ßi­ge Buch­füh­rung hat grund­sätz­lich die Ver­mu­tung der sach­li­chen Rich­tig­keit für sich 1.

Zu schät­zen ist jedoch auch dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge über sei­ne Anga­ben kei­ne aus­rei­chen­de Auf­klä­rung zu geben ver­mag oder wei­te­re Aus­kunft oder eine Ver­si­che­rung an Eides statt ver­wei­gert oder sei­ne Mit­wir­kungs­pflicht nach § 90 Abs. 1 AO ver­letzt. Dabei ist der Steu­er­pflich­ti­ge nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung bei unge­klär­ten Ein­zah­lun­gen auf betrieb­li­che Kon­ten ver­stärkt zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet. Gelingt ihm dies nicht, so darf dies dahin gewür­digt wer­den, dass die unge­klär­ten Kapi­tal­zu­füh­run­gen auf nicht ver­steu­er­ten Ein­nah­men beru­hen, und zwar auch dann, wenn hin­sicht­lich der Quel­le der frag­li­chen Mit­tel kei­ne Auf­zeich­nungs­pflich­ten bestehen 2.

Ver­letzt ein Steu­er­pflich­ti­ger sei­ne Pflich­ten gemäß § 90 AO, die sich bei Bezü­gen zu Aus­lands­sach­ver­hal­ten noch erhö­hen (§ 90 Abs. 2 AO), und ist der Sach­ver­halt ander­wei­tig nicht auf­klär­bar, so kann das Finanz­amt – und ihm fol­gend das Gericht – zum Nach­teil des Steu­er­pflich­ti­gen von einem Sach­ver­halt aus­ge­hen, für den unter Berück­sich­ti­gung der Beweis­nä­he des Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Auf­klä­rung des Sach­ver­hal­tes eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit spricht. Ins­be­son­de­re dann, wenn sich die Mit­wir­kungs­pflicht auf Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel aus dem allei­ni­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Steu­er­pflich­ti­gen bezieht, kann das Finanz­amt aus der Pflicht­ver­let­zung des Steu­er­pflich­ti­gen für ihn nach­tei­li­ge Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen. Es ist der Sinn des § 90 AO, dass der Steu­er­pflich­ti­ge den Nach­teil des inso­weit nicht auf­ge­klär­ten und durch das Finanz­ge­richt allein nicht auf­klär­ba­ren Sach­ver­hal­tes tra­gen soll 3.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 9. Dezem­ber 2015 – – 7 V 2743/​15

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 14.12 2011 – XI R 5/​10, BFH/​NV 2012, 1921 m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 03.04.2013 – X B 8/​12, BFH/​NV 2013, 1065 m.w.N[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 23.03.2011 – X R 44/​09, BSt­Bl II 2011, 884; und vom 15.02.1989 – X R 16/​86, BSt­Bl II 1989, 462[]