Ver­bil­lig­te Park­raum­über­las­sung an Arbeit­neh­mer

Über­lässt ein Unter­neh­mer nur sei­nen Ange­stell­ten gegen Kos­ten­be­tei­li­gung Park­raum, erbringt er damit eine ent­gelt­li­che Leis­tung. Die Besteue­rung unent­gelt­li­cher Leis­tun­gen erlaubt kei­nen Rück­schluss auf die Besteue­rung von Dienst­leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer gegen ver­bil­lig­tes Ent­gelt erbringt.

Ver­bil­lig­te Park­raum­über­las­sung an Arbeit­neh­mer

Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG unter­lie­gen der Umsatz­steu­er die Lie­fe­run­gen und sons­ti­gen Leis­tun­gen, die ein Unter­neh­mer im Inland gegen Ent­gelt im Rah­men sei­nes Unter­neh­mens aus­führt. Die­ser Leis­tungs­tat­be­stand ist weit aus­zu­le­gen. Erfor­der­lich ist ledig­lich eine belie­bi­ge Vor­teils­ge­wäh­rung, die zu einem Ver­brauch füh­ren kann; der Vor­teil muss dabei einem iden­ti­fi­zier­ba­ren Leis­tungs­emp­fän­ger ein­ge­räumt wer­den 1.

Die Arbeit­ge­be­rin hat ihren Ange­stell­ten gegen Kos­ten­be­tei­li­gung und damit ent­gelt­lich Park­raum über­las­sen. Uner­heb­lich ist, dass die Arbeit­ge­be­rin die­se Leis­tun­gen (über­wie­gend) zu unter­neh­me­ri­schen Zwe­cken erbracht hat.

Dabei erlaubt die Besteue­rung unent­gelt­li­cher Leis­tun­gen kei­nen Rück­schluss auf die Besteue­rung gegen ver­bil­lig­tes Ent­gelt erbrach­ter Dienst­leis­tun­gen. Nach dem Urteil "Fil­li­beck" des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 2 kommt es für die Steu­er­bar­keit einer unent­gelt­li­chen Leis­tung dar­auf an, ob sie dem pri­va­ten Bedarf des Arbeit­neh­mers und damit unter­neh­mens­frem­den Zwe­cken dient oder ob die Erfor­der­nis­se des Unter­neh­mens es gebie­ten, die­se Leis­tung nicht als zu unter­neh­mens­frem­den Zwe­cken erbracht erschei­nen zu las­sen, so dass sie dem über­wie­gen­den Inter­es­se des Arbeit­ge­bers (und damit unter­neh­mens­ei­ge­nen Inter­es­sen) dient. Die­se in Art. 16 und Art. 26 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL ange­leg­te Dif­fe­ren­zie­rung kommt aus­schließ­lich bei unent­gelt­li­chen Leis­tun­gen zur Anwen­dung. Eine ver­gleich­ba­re Unter­schei­dung ist in Art. 2 Abs. 1 Buchst. a und c MwSt­Sys­tRL für ent­gelt­li­che Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den oder Dienst­leis­tun­gen nicht ange­legt.

Einer Vor­la­ge an den Uni­ons­ge­richts­hof bedarf es nicht. Wer Park­raum gegen Ent­gelt ‑auch an das eige­ne Per­so­nal- über­lässt, ver­schafft unzwei­fel­haft einen ver­brauchs­fä­hi­gen Vor­teil i.S. des Art. 2 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL.

Auch die übri­gen Ein­wen­dun­gen der Arbeit­ge­be­rin grei­fen nicht durch.

Die Aus­füh­run­gen in Abschn. 1.8 Abs. 4 Nr. 5 UStAE bezie­hen sich aus­schließ­lich auf unent­gelt­li­che Leis­tun­gen, nicht hin­ge­gen auf Sach­leis­tun­gen, die der Arbeit­ge­ber an sei­ne Arbeit­neh­mer gegen ein ver­bil­lig­tes Ent­gelt erbringt. Nach Abschn.01.8 Abs. 1 Satz 3 UStAE sind u.a. sons­ti­ge Leis­tun­gen nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG steu­er­bar, die der Unter­neh­mer an sei­ne Arbeit­neh­mer auf­grund des Dienst­ver­hält­nis­ses gegen ver­bil­lig­tes Ent­gelt aus­führt. In Abschn. 1.8 Abs. 2 bis 4 UStAE wer­den sodann die Vor­aus­set­zun­gen beschrie­ben, unter denen (aus­schließ­lich) unent­gelt­li­che (Arbeitgeber-)Leistungen den ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen gleich­zu­stel­len sind (§ 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 2 und § 3 Abs. 9a UStG).

Dabei geht die Recht­spre­chung davon aus, dass ent­gelt­li­che Leis­tun­gen auch dann vor­lie­gen, wenn sie ‑wie im Streit­fall- ver­bil­ligt erbracht wer­den 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2016 – V R 63/​14

  1. EuGH, Urteil Land­bo­den-Agrar­diens­te vom 18.12 1997 – C‑384/​95, EU:C:1997:627, Rz 23; BFH, Urteil vom 27.02.2008 – XI R 50/​07, BFHE 221, 410, BSt­Bl II 2009, 426, unter II. 1., m.w.N.[]
  2. EuGH, Urteil Fil­li­beck vom 16.10.1997 – C‑258/​95, EU:C:1997:491, Rz 29 f.[]
  3. z.B. BFH, Urtei­le vom 15.11.2007 – V R 15/​06, BFHE 219, 437, BSt­Bl II 2009, 423, Rz 19 f.; und vom 27.02.2008 – XI R 50/​07, BFHE 221, 410, BSt­Bl II 2009, 426, Rz 9[]