Ver­mie­tung von Kfz-Abstell­plät­zen

Die Ver­mie­tung von Abstell­plät­zen an Kfz Händ­ler kann umsatz­steu­er­pflich­tig sein.

Ver­mie­tung von Kfz-Abstell­plät­zen

Gemäß § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG ist u. a. die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Grund­stü­cken von der Umsatz­steu­er befreit. Die Eigen­tü­me­rin hat ein Grund­stück ver­mie­tet, so dass die­se Ver­mie­tungs­leis­tung grund­sätz­lich unter die Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG fal­len wür­de.

Nicht befreit ist nach § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG die Ver­mie­tung von Plät­zen für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen. Mit der Vor­schrift wird Art. 13 Teil B Buchst. b Nr. 2 der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG (jetzt Art. 135 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL 2006/​112/​EG) in natio­na­les Recht umge­setzt. Nach der Richt­li­ni­en­be­stim­mung befrei­en die Mit­glied­staa­ten die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Grund­stü­cken mit Aus­nah­me der Ver­mie­tung von Plät­zen für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen.

Die Begrif­fe, mit denen die Steu­er­be­frei­un­gen des Art. 13 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (bzw. Art. 135 MwSt­Sys­tRL) umschrie­ben sind, sind eng aus­zu­le­gen, weil sie Aus­nah­men von dem all­ge­mei­nen Grund­satz dar­stel­len, dass jede Dienst­leis­tung, die ein Steu­er­pflich­ti­ger gegen Ent­gelt erbringt, der Umsatz­steu­er unter­liegt 1. Dabei muss aber die Aus­le­gung der in den Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrif­ten ver­wen­de­ten Begrif­fe mit den Zie­len in Ein­klang ste­hen, die mit den Befrei­un­gen ver­folgt wer­den und den Erfor­der­nis­sen des Grund­sat­zes der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät ent­spre­chen, auf dem das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem beruht 2. Dage­gen sind Aus­nah­men von der Befrei­ung nicht eng aus­zu­le­gen 3. Bezo­gen auf die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG hat dies zur Kon­se­quenz, dass die Ver­mie­tung von Plät­zen für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen der all­ge­mei­nen Rege­lung der Richt­li­nie unter­ge­ord­net ist, nach der alle steu­er­ba­ren Umsät­ze der Steu­er unter­wor­fen sein sol­len, sofern nicht aus­drück­lich etwas ande­res vor­ge­se­hen ist 4.

Im Streit­fall erlaubt die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG daher nicht, eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der­ge­stalt, wonach nur eine Ver­mie­tung von Plät­zen erfasst wird, die den Zweck der Nut­zung zu Park­zwe­cken hat. Dies gilt nicht nur für die Fäl­le einer Ver­mie­tung für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen zum Zwe­cke der Nut­zung zu Park­zwe­cken durch einen ande­ren als den Mie­ter selbst 5, son­dern auch für einen ande­ren Zweck der Nut­zung zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen. Wie im Streit­fall kann die Nut­zung der Plät­ze zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen auch den Zweck ver­fol­gen, Fahr­zeu­ge zu Ver­kaufs­zwe­cken dort abzu­stel­len 6. Dies ent­spricht auch dem Neu­tra­li­täts­grund­satz, der dem Mehr­wert­steu­er­sys­tem zugrun­de liegt. Die Gewer­be­trei­ben­den und Mie­ter der Grund­stü­cke, die mit dem Ver­kauf der Fahr­zeu­ge umsatz­steu­er­li­che Erlö­se erzie­len, kön­nen grund­sätz­lich aus den Miet­auf­wen­dun­gen ent­spre­chen­de Vor­steu­er­be­trä­ge gel­tend machen.

Die­se Beur­tei­lung ent­spricht auch der Aus­le­gung des EuGH und der Geset­zes­be­grün­dung zur Ände­rung des § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG durch das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 1992 7. Der EuGH hat her­vor­ge­ho­ben, dass mit "Ver­mie­tung von Plät­zen für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen" wegen der erfor­der­li­chen wei­ten Aus­le­gung die Ver­mie­tung "aller" für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen bestimm­ten Flä­chen umfasst 8. Damit kommt es nach Auf­fas­sung des EuGH nicht auf die kon­kre­te Zweck­be­stim­mung der Nut­zung an. Es sol­len alle Nut­zungs­for­men erfasst wer­den. Die Ent­schei­dung ver­an­lass­te auch den Gesetz­ge­ber § 4 Nr. 12 UStG inso­weit zu ändern, als vor 1992 nur die "kurz­fris­ti­ge" Ver­mie­tung von Plät­zen zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen gesetz­lich als Aus­nah­me von der Steu­er­be­frei­ung gere­gelt war. Auf die­se Ein­schrän­kung ("kurz­fris­tig") wur­de daher auf­grund der EuGH-Recht­spre­chung ver­zich­tet 9.

Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob auf den ver­mie­te­ten Par­zel­len Con­tai­ner etc. abge­stellt waren oder nicht. Denn wären auf die­sen Flä­chen auch Con­tai­ner etc. im Streit­zeit­raum bzw. vor­her abge­stellt wor­den, in denen sich die "Ver­kaufs­bü­ros" der Pkw-Händ­ler befun­den hät­ten, wären die­se als "Zube­hör" zu den ver­mie­te­ten Plät­zen zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen zu behan­deln. Wie der Begriff der Ver­mie­tung von Grund­stü­cken, die nach § 4 Nr. 12 Satz 1 UStG von der Umsatz­steu­er befreit ist, auch als "Zube­hör" die Ver­mie­tung von Plät­zen für das Abstel­len von Fahr­zeu­gen mit­um­fas­sen kann 10, so kann auch umge­kehrt die Ver­mie­tung von Grund­stücks­tei­len zu ande­ren Zwe­cken als zu Ver­mie­tung von Plät­zen zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen (hier die "Ver­kaufs­bü­ros") als "Zube­hör" zur steu­er­pflich­ti­gen Ver­mie­tung im Sin­ne des § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG gehö­ren.

Den dage­gen vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­ten ist nicht zu fol­gen.

So spre­chen zwar evtl. in ande­ren Spra­chen bestehen­de ande­re sprach­li­che Fas­sun­gen des Art. 135 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL gegen den hier ange­nom­me­nen Wort­sinn. In die­sem Sin­ne mag die eng­li­sche sprach­li­che Fas­sung "par­king" für ein ein­ge­schränk­tes Wort­ver­ständ­nis i. S. v. "Par­ken" spre­chen. Der deut­sche Wort­laut "Abstel­len" geht dar­über hin­aus und lässt den Zweck für das Abstel­len außen vor. Der EuGH hat für die­sen Fall wider­sprüch­li­cher sprach­li­cher Fas­sun­gen jedoch gera­de zum Aus­druck gebracht, dass dann eine ein­schrän­ken­de Bestim­mung des Begriffs nicht erfol­gen soll 11.

Auch ist es nicht so, dass mit der Ver­mie­tung von Plät­zen zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen allein das mit dem End­ver­brau­cher getä­tig­te Umsatz­ge­schäft der Umsatz­be­steue­rung unter­wor­fen wer­den soll. Wie die Ent­schei­dung des BFH vom 30.03.2006 12 gera­de zeigt, sind auch Ver­mie­tun­gen steu­er­pflich­tig, wenn der Mie­ter dort nicht selbst parkt.

Dar­über hin­aus kommt es für die Fra­ge der Steu­er­pflicht nicht dar­auf an, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die ansons­ten feh­ler­haf­te Umsatz­be­steue­rung durch berich­tig­te Rech­nun­gen aus­glei­chen kann oder nicht. Die Steu­er­pflicht ist nicht von den fak­ti­schen Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Steu­er­pflich­ti­gen abhän­gig. Soweit die Eigen­tü­me­rin mit die­sem Vor­brin­gen Bil­lig­keits­maß­nah­men anstre­ben soll­te (mit dem Ergeb­nis eines Erlas­ses der ent­stan­de­nen Steu­er gemäß §§ 163, 227 AO), kann dar­über im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren der Prü­fung der Recht­mä­ßig­keit der ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­de nicht ent­schie­den wer­den.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 15. Okto­ber 2015 – 5 K 220/​12

  1. EuGH Urteil vom 03.03.2005 – C‑428/​02, Fon­den Mar­se­l­ins­borg Lyst­ba­de­havn, Rdnr. 29, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 175; Urteil vom 03.03.2005 – C‑472/​03, Arthur Ander­sen, Rdnr. 24, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 188[]
  2. EuGH, Urteil vom 26.05.2005 – C‑498/​03, Kingscrest und Mon­te­cel­lo, UR 2005, 453 Rz. 29; Urteil vom 06.11.2003 – C‑45/​01, Dor­nier, Slg. 2003, I‑12911 Rz. 42[]
  3. EuGH, Urteil vom 03.03.2005 – C‑428/​02, Fon­den Mar­se­l­ins­borg Lyst­ba­de­havn, Rdnr. 43 in BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 175; BFH, Urteil vom 30.03.2006 – V R 52/​05, BSt­Bl II 2006, 731[]
  4. EuGH, Urteil vom 13.07.1989 Rs. 173/​88, Mor­ten Hen­rik­sen, UR 1991, 42 Rz.12[]
  5. s. hier­zu BFH, Urteil vom 30.03.2006 – V R 52/​05, BSt­Bl II 2006, 731[]
  6. eben­so Schü­ler-Täsch in Sölch/​Ringleb, UStG (Lose­blatt), § 4 Nr. 12 Rz. 68 mit Hin­weis auf eine Ent­schei­dung zum fran­zö­si­schen Recht durch das TA Lyon vom 07.09.1999, RJF 11/​99 Nr. 1349[]
  7. BGBl I 1992, 297[]
  8. EuGH, Urteil vom 13.07.1989 Rs. 173/​88, Mor­ten Hen­rik­sen, UR 1991, 42 Rz.17 und Leit­satz[]
  9. s. BT-Drs. 12/​1506, 178[]
  10. EuGH, Urteil vom 04.06.2009 Rs. – C‑102/​08, Salix Grund­stücks-Ver­mie­tungs­ge­sell­schaft, BFH/​NV 2009, 1222 Rz. 38; Urteil vom 13.07.1989 Rs. 173/​88, Mor­ten Hen­rik­sen, UR 1991, 42 Rz.14 und 15; BFH, Beschluss vom 28.06.2007 – V B 12/​06, BFH/​NV 2007, 2363[]
  11. EuGH, Urteil vom 13.07.1989 Rs. 173/​88, Mor­ten Hen­rik­sen, UR 1991, 42 Rz.10ff[]
  12. BFH, Urteil vom 30.03.2006 – V R 52/​05, BSt­Bl II 2006, 731[]