Ver­spä­tungs­zu­schlag bei ver­spä­te­ter Abga­be der Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung in Erstat­tungs­fäl­len

Gemäß § 152 Abs. 1 AO kann gegen den­je­ni­gen, der sei­ner Ver­pflich­tung zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung nicht oder nicht frist­ge­mäß nach­kommt, ein Ver­spä­tungs­zu­schlag fest­ge­setzt wer­den. Der Ver­spä­tungs­zu­schlag darf nach § 152 Abs. 2 Satz 1 AO 10 % der fest­ge­setz­ten Steu­er oder des fest­ge­setz­ten Betra­ges nicht über­stei­gen und höchs­tens 25.000 EUR betra­gen. Bei der Bemes­sung des Ver­spä­tungs­zu­schlags sind neben sei­nem Zweck, den Steu­er­pflich­ti­gen zur recht­zei­ti­gen Abga­be der Steu­er­erklä­rung anzu­hal­ten, die Dau­er der Frist­über­schrei­tung, die Höhe des sich aus der Steu­er­fest­set­zung erge­ben­den Zah­lungs­an­spruchs, die aus der ver­spä­te­ten Abga­be der Steu­er­erklä­rung gezo­ge­nen Vor­tei­le sowie das Ver­schul­den und die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen zu berück­sich­ti­gen (§ 152 Abs. 2 Satz 2 AO).

Ver­spä­tungs­zu­schlag bei ver­spä­te­ter Abga­be der Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung in Erstat­tungs­fäl­len

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist geklärt, dass ein Ver­spä­tungs­zu­schlag auch in Erstat­tungs­fäl­len fest­ge­setzt wer­den kann 1. Fer­ner hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass bei einem Ände­rungs­be­scheid, der zu einer Her­ab­set­zung der Steu­er­schuld führt, zu prü­fen ist, in wel­chem Umfang die für die Fest­set­zung des Ver­spä­tungs­zu­schlags maß­ge­ben­den Gesichts­punk­te noch gege­ben sind, weil sich durch die Her­ab­set­zung der Steu­er­schuld die für die Aus­übung des Ermes­sens maß­ge­ben­den Gesichts­punk­te geän­dert haben 2.

Soweit die Rechts­fra­ge auf­ge­wor­fen wur­de, es sei bei der Fest­set­zung von Ver­spä­tungs­zu­schlä­gen im Rah­men der Umsatz­steu­er unge­klärt, ob sich der Begriff der "fest­ge­setz­ten Steu­er" im Sin­ne des § 152 Abs. 2 [Satz] 1 AO in den Fäl­len des § 18 Abs. 4 UStG auf den Umsatz­steu­er­jah­res­be­trag oder auf den Unter­schieds­be­trag zur Sum­me der Vor­aus­zah­lun­gen bezieht, besteht für den Bun­des­fi­nanz­hof kein Zwei­fel: Denn die For­mu­lie­rung in § 152 Abs. 2 Satz 1 AO bezieht sich auf die "fest­ge­setz­te Steu­er", die bei den streit­be­fan­ge­nen Umsatz­steu­er-Jah­res­be­schei­den nach der Rege­lung des § 16 Abs. 1 Satz 2 UStG das jewei­li­ge gesam­te Kalen­der­jahr umfasst 3. Dem­ge­gen­über ent­hält § 18 Abs. 4 UStG ledig­lich eine Rege­lung zur Fäl­lig­keit der Umsatz­steu­er­schuld, wenn sich ggf. zuguns­ten des Finanz­amts ein Unter­schieds­be­trag zwi­schen der Umsatz­steu­er­schuld aus den Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen und der Umsatz­steu­er-Jah­res­fest­set­zung ergibt. Es han­delt sich bei § 18 Abs. 4 UStG somit um eine Bestim­mung im Bereich der Steu­er­erhe­bung, die den Anwen­dungs­be­reich des § 152 Abs. 2 Satz 1 AO, der sich mit der Steu­er­fest­set­zung befasst, von vorn­her­ein nicht berührt.

Dem­entspre­chend ist es für die Fra­ge der Fest­set­zung eines etwai­gen Ver­spä­tungs­zu­schlags auch ohne Bedeu­tung, ob im Rah­men des Umsatz­steu­er-Jah­res­be­scheids ggf. im Ver­hält­nis zu den ein­ge­reich­ten Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen und den bereits ent­rich­te­ten Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lun­gen ins­ge­samt eine nied­ri­ge­re Umsatz­steu­er fest­ge­setzt wird 4. Die Ansicht des Klä­gers, dass bei der Anwen­dung von § 152 Abs. 2 Satz 1 AO anstel­le der Jah­res­steu­er­fest­set­zung ledig­lich der etwai­ge Unter­schieds­be­trag i.S. von § 18 Abs. 4 UStG zu den Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dun­gen maß­geb­lich sein könn­te, fin­det damit weder in den ein­schlä­gi­gen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen, noch in der vom Klä­ger zitier­ten Recht­spre­chung eine Stüt­ze. Im Übri­gen wür­de der dar­ge­leg­te Sinn und Zweck der Rege­lung des § 152 Abs. 1 Satz 2 AO unter­lau­fen, wenn bei einer nied­ri­ge­ren Umsatz­steu­er-Jah­res­fest­set­zung im Ver­hält­nis zu den gesam­ten Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lun­gen in dem betref­fen­den Jahr jeweils unab­hän­gig von einer deut­lich ver­spä­te­ten Abga­be der Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­run­gen ‑wie im Streit­fall- kein Ver­spä­tungs­zu­schlag fest­ge­setzt wer­den dürf­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. November2013 – XI B 50/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 26.06.2002 – IV R 63/​00, BFHE 198, 399, BSt­Bl II 2002, 679; BFH, Beschlüs­se vom 01.04.2004 – V B 223/​03, BFH/​NV 2004, 1071; vom 14.04.2011 – V B 100/​10, BFH/​NV 2011, 1288[]
  2. BFH, Urteil vom 29.03.1979 – V R 69/​77, BFHE 128, 17, BSt­Bl II 1979, 641[]
  3. vgl. dazu Trei­ber in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 18 Rz 57[]
  4. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2011, 1288[]