Ver­trau­ens­schutz beim Vor­steu­er­ab­zug – nur im Bil­lig­keits­ver­fah­ren?

Beim Bun­des­fi­nanz­hof besteht der­zeit Unei­nig­keit zwi­schen den Bun­des­fi­nanz­ho­fe, ob eine Berück­sich­ti­gung von Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes beim Vor­steu­er­ab­zug nur im Bil­lig­keits­ver­fah­ren oder auch im Rah­men der Anwen­dung des § 15 UStG mög­lich ist.

Ver­trau­ens­schutz beim Vor­steu­er­ab­zug – nur im Bil­lig­keits­ver­fah­ren?

Der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat es in sei­nem Beschluss vom 05.03.2014 1 als geklärt ange­se­hen, dass zur Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes des Ver­trau­ens­schut­zes ein Vor­steu­er­ab­zug nur im Bil­lig­keits­ver­fah­ren in Betracht kommt 2.

Dem­ge­gen­über hat der XI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs mit Beschluss vom 26.09.2014 3 ent­schie­den, dass Unent­schie­den­heit oder Unsi­cher­heit dage­gen in der Beur­tei­lung der Rechts­fra­ge besteht, ob mit Blick auf die Recht­spre­chung des EuGH 4 der Leis­tungs­emp­fän­ger zum Abzug der Vor­steu­er­be­trä­ge berech­tigt ist, wenn er auf die Anga­ben des Lie­fe­ran­ten ver­trau­te und sich die­se Anga­ben spä­ter als falsch her­aus­stel­len. Inso­weit könn­te die Unter­neh­me­rin ‑obgleich § 15 UStG den Schutz des guten Glau­bens an die Erfül­lung der Vor­steu­er­ab­zugs­vor­aus­set­zun­gen nicht vor­sieht und Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­te des­halb grund­sätz­lich nicht bei der Steu­er­fest­set­zung nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten des UStG, son­dern ggf. nur im Rah­men einer Bil­lig­keits­maß­nah­me gemäß § 163, § 227 AO berück­sich­tigt wer­den kön­nen- zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt sein.

Nun­mehr hat der V. Senat im einem von ihm ent­schie­de­nen AdV-Ver­fah­ren die Bereit­schaft zu einer Über­den­kung sei­ner strik­ten Hal­tung zu erken­nen gege­ben und hat sich zur Wah­rung ein­heit­li­cher Rechts­maß­stä­be im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren und ohne Ent­schei­dung dar­über, ob er an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren fest­hält, dem für Zwe­cke auf sum­ma­ri­scher Grund­la­ge zu tref­fen­der Ent­schei­dun­gen ange­schlos­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2015 – V B 160/​14

  1. BFH, Beschluss vom 05.03.2014 – V B 14/​13, BFH/​NV 2014, 918[]
  2. BFH, Urteil vom 08.10.2008 – V R 63/​07, BFH/​NV 2009, 1473[]
  3. BFH, Beschluss vom 26.09.2014 – XI S 14/​14, BFH/​NV 2015, 158[]
  4. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le vom 21.06.2012 – C‑80/​11 und – C‑142/​11 ‑Maha­ge­bén und Dávid‑, BFH/​NV 2012, 1404, UR 2012, 591[]
  5. vgl.…

    Der Tod des ausgleichsberechtigten Ehegatten - und die Abänderung des VersorgungsausgleichsDer Tod des aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten – und die… Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ((vgl. BGH, Beschluss vom 05.06.2013, Az.: XII ZB 635/​12[]