Vor­steu­er­ab­zug aus Schein­rech­nun­gen

Nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG kann ein Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für eine sons­ti­ge Leis­tung nur dann als Vor­steu­er abzie­hen, wenn das ande­re Unter­neh­men auch tat­säch­lich eine Leis­tung für sein Unter­neh­men erbracht hat.

Vor­steu­er­ab­zug aus Schein­rech­nun­gen

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür trägt nach bis­her stän­di­ger Recht­spre­chung der Steu­er­pflich­ti­ge, der den Vor­steu­er­ab­zug begehrt 1.

Nach neue­rer Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 2 ist es hin­ge­gen in bestimm­ten Fäl­len Auf­ga­be der Steu­er­ver­wal­tung, (zunächst) kon­kre­te Anhalts­punk­te dar­zu­le­gen, die gegen einen tat­säch­li­chen Leis­tungs­aus­tausch und für ein "Ken­nen­müs­sen" beim Steu­er­pflich­ti­gen spre­chen 3. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat jedoch der Steu­er­pflich­ti­ge auch auf Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs das tat­säch­li­che Bewir­ken der Lie­fe­rung nach­zu­wei­sen 4.

Der Antrag­stel­ler kann sich nicht auf Gut­glau­bens­schutz beru­fen. Unab­hän­gig davon, ob der Antrag­stel­ler auf ein bis­her nicht durch­ge­führ­tes geson­der­tes Ver­fah­ren über Bil­lig­keits­maß­nah­men (§§ 163, 227 AO) zu ver­wei­sen ist oder ein sol­ches auf­grund neue­rer Ten­den­zen in der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs mit dem Fest­set­zungs­ver­fah­ren zu ver­knüp­fen ist 5, besteht vor­lie­gend kein berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ger Ver­trau­ens­tat­be­stand. Soweit es schon an den For­ma­li­en einer Rech­nung, wie der hin­rei­chen­den Bezeich­nung des Leis­tungs­ge­gen­stands fehlt, kommt die Inan­spruch­nah­me von Ver­trau­ens­schutz nicht in Betracht. Anders als hin­sicht­lich der Fra­ge der inhalt­li­chen Rich­tig­keit von Rech­nungs­an­ga­ben gibt es kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand hin­sicht­lich objek­tiv feh­len­der Anga­ben 6.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 29. Juli 2016 – 2 V 34/​16

  1. BFH, Urteil vom 27.06.1996 – V R 51/​93, BSt­Bl II 1996, 620; vom 19.04.2007 – V R 48/​04, BSt­Bl II 2009, 315; FG Ham­burg, Beschluss vom 20.11.2012 – 2 V 264/​12, UStB 2013, 114[]
  2. vgl. EuGH, Urtei­le vom 13.02.2014, – C‑18/​13, Maks Pen, BB 2014, 863 ff., Rn. 26; vom 21.06.2012 – C‑80/​11, C‑142/​11, C‑80/​11, und C‑142/​1, Maha­gé­ben und Dávid, DSt­RE 2012, 1336; und vom 06.12 2012 – C‑285/​11, Bonik, DSt­RE 2013, 199, []
  3. vgl. FG Müns­ter, Beschluss vom 12.12 2013 – 5 V 1934/​13 U, EFG 2014, 395[]
  4. BFH, Beschlüs­se vom 26.02.2014 – V S 1/​14 (PKH) BFH/​NV 2014, 917; vom 08.07.2015 – XI B 5/​15 BFH/​NV 2015, 1444[]
  5. vgl. BFH, Vor­la­ge­be­schlüs­se vom 06.04.2016 – XI R 20/​14 und – V R 25/​15[]
  6. BFH, Urtei­le vom 08.10.2008 – V R 63/​07, BFH/​NV 2009, 1473; vom 10.11.1994 – V R 45/​93, BSt­Bl II 1995, 395[]