Vor­steu­er­ab­zug bei einem zu Wohn­zwe­cken genutz­tem Geschäfts­ge­bäu­de einer GmbH

Der Unter­neh­mer kann gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG die in Rech­nun­gen i.S. des § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er für Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er­be­trä­ge abzie­hen.

Vor­steu­er­ab­zug bei einem zu Wohn­zwe­cken genutz­tem Geschäfts­ge­bäu­de einer GmbH

st ein Gegen­stand ‑wie das nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt im Streit­fall her­ge­stell­te Ein­fa­mi­li­en­haus- sowohl für den unter­neh­me­ri­schen Bereich als auch für den nicht­un­ter­neh­me­ri­schen pri­va­ten Bereich des Unter­neh­mers vor­ge­se­hen (gemisch­te Nut­zung), wird der Gegen­stand nur dann für das Unter­neh­men bezo­gen, wenn und soweit der Unter­neh­mer ihn sei­nem Unter­neh­men zuord­net 1. Inso­weit hat der Steu­er­pflich­ti­ge (Unter­neh­mer) nach stän­di­ger Recht­spre­chung des EuGH und des BFH ein Zuord­nungs­wahl­recht. Er kann den Gegen­stand ins­ge­samt sei­nem Unter­neh­men zuord­nen oder ihn in vol­lem Umfang in sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen belas­sen oder den Gegen­stand ent­spre­chend dem ‑geschätz­ten- unter­neh­me­ri­schen Nut­zungs­an­teil sei­nem Unter­neh­men und im Übri­gen sei­nem nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich zuord­nen 2.

Die­sel­ben Grund­sät­ze gel­ten auch dann, wenn der Unter­neh­mer kei­ne natür­li­che, son­dern eine juris­ti­sche Per­son (GmbH) ist. Will eine juris­ti­sche Per­son die Vor­steu­ern aus Her­stel­lungs­kos­ten eines teil­wei­se unter­neh­me­risch und teil­wei­se nicht­un­ter­neh­me­risch (zu Wohn­zwe­cken des Geschäfts­füh­rers) genutz­ten Gebäu­des abzie­hen, muss sie bis zum 31.05.des Fol­ge­jah­res erklä­ren, dass sie das Gebäu­de ins­ge­samt ihrem Unter­neh­men zuge­ord­net hat 3.

Das Erfor­der­nis einer recht­zei­ti­gen Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung gilt auch bei einem gestreck­ten Her­stel­lungs­vor­gang, wie vor­lie­gend bei dem im Jah­re 2003 begon­ne­nen und 2004 fer­tig­ge­stell­ten Ein­fa­mi­li­en­haus. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den hat 4 kommt es wegen des Grund­sat­zes des Sofort­ab­zugs der Vor­steu­er hin­sicht­lich der beab­sich­tig­ten pri­va­ten oder nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Ver­wen­dung für die Zuord­nungs­ent­schei­dung zum Unter­neh­men der Klä­ge­rin auf das Jahr des Leis­tungs­be­zu­ges an. Die Zuord­nungs­ent­schei­dung kann nicht in spä­te­ren Zeit­räu­men (etwa nach Fer­tig­stel­lung des Hau­ses) nach­ge­holt wer­den.

Die im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs zu tref­fen­de Zuord­nungs­ent­schei­dung des Unter­neh­mers wird in der Regel in der Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dung des Vor­anmel­dungs­zeit­raums, in den der Leis­tungs­be­zug fällt, spä­tes­tens aber ‑mit end­gül­ti­ger Wir­kung- in der zeit­nah erstell­ten Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­rung erfol­gen, wobei eine "zeit­na­he" Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung nur dann vor­liegt, wenn die­se bis zur gesetz­li­chen Abga­be­frist für Steu­er­erklä­run­gen dem Finanz­amt ‑also bis zum 31.05.des Fol­ge­jah­res- gegen­über abge­ge­ben wur­de 5.

Im Streit­fall wur­de nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt die Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­rung für das Streit­jahr am 17. März 2005 abge­ge­ben, somit erst nach Ablauf des 31. Mai 2004. Es feh­len Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt dazu, ob ‑ent­spre­chend der Behaup­tung der Klä­ge­rin- sich eine Zuord­nungs­ent­schei­dung aus­drück­lich oder sinn­ge­mäß aus den Vor­anmel­dun­gen der Klä­ge­rin ent­neh­men lässt. Die­se Fest­stel­lun­gen hat das Finanz­ge­richt bei sei­ner erneu­ten Ent­schei­dung nach­zu­ho­len.

Ergibt sich aus den Vor­anmel­dun­gen man­gels Vor­steu­er­ab­zugs für den Wohn­teil kei­ne recht­zei­ti­ge Zuord­nungs­ent­schei­dung, ist der Vor­steu­er­ab­zug zu ver­sa­gen. Liegt eine recht­zei­ti­ge Zuord­nungs­ent­schei­dung hin­ge­gen vor, ist wei­ter zu prü­fen, ob die Klä­ge­rin beab­sich­tig­te, die Wohn­räu­me für Zwe­cke einer ‑den Vor­steu­er­ab­zug aus­schlie­ßen­den- steu­er­frei­en Ver­mie­tung 6 zu nut­zen. Hier­bei ist das Med­icom, Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs 7 zu beach­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. März 2014 – V R 27/​12

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 08.03.2001 – C‑415/​98 [Bak­csi], Slg. 2001, I‑1831, 149, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 52, Leit­satz 1 sowie Rz 25[]
  2. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le vom 11.07.1991 – C‑97/​90 [Lenn­artz], Slg. 1991, I‑3795; vom 04.10.1995 – C‑291/​92 [Arm­brecht], Slg. 1995, I‑2775; in Slg. 2001, I‑1831, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 52; BFH, Urtei­le vom 07.07.2011 – V R 21/​10, BFHE 234, 531, BSt­Bl II 2014, 81; vom 19.07.2011 – XI R 29/​09, BFHE 234, 556, BSt­Bl II 2012, 430, unter II. 1.c, m.w.N.; vom 18.04.2012 – XI R 14/​10, BFH/​NV 2012, 1828, unter II. 2.[]
  3. BFH, Urteil vom 12.01.2011 – XI R 9/​08, BFHE 232, 254, unter II. 2.[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 234, 531, BSt­Bl II 2014, 81[]
  5. BFH, Urteil vom 07.07.2011 – V R 42/​09, BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76[]
  6. vgl. EuGH, Urteil vom 23.04.2009 – C‑460/​07 [Puf­fer], Slg. 2009, I‑3251[]
  7. EuGH, Urteil vom 18.07.2013 – C‑210/​11 [Med­icom], DStR 2013, 1604[]