Vor­steu­er­ab­zug bei unzu­tref­fen­der Anga­be der Steu­er­num­mer

Ent­hält die Rech­nung ent­ge­gen § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG nur eine Zah­len­kom­bi­na­ti­on und Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on, bei der es sich nicht um die dem leis­ten­den Unter­neh­mer erteil­te Steu­er­num­mer han­delt, ist der Leis­tungs­emp­fän­ger nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG –vor­be­halt­lich einer Rech­nungs­be­rich­ti­gung– nicht zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt.

Vor­steu­er­ab­zug bei unzu­tref­fen­der Anga­be der Steu­er­num­mer

Anfor­de­run­gen an die Rech­nung

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG setzt der Vor­steu­er­ab­zug vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Dies erfor­dert, dass die dem Unter­neh­mer erteil­te Rech­nung den Anfor­de­run­gen des § 14 Abs. 4 UStG ent­spricht. Die­se Vor­schrif­ten beru­hen auf Art. 18 Abs. 1 Buchst. a und Art. 22 Abs. 3 Buchst. b der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG (Richt­li­nie 77/​388/​EWG). Nach Art. 18 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG muss der Steu­er­pflich­ti­ge, um das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug aus­üben zu kön­nen, eine nach Art. 22 Abs. 3 die­ser Richt­li­nie aus­ge­stell­te Rech­nung besit­zen. Nach Art. 22 Abs. 3 Buchst. b drit­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG hat die Rech­nung die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zu ent­hal­ten, unter der der Steu­er­pflich­ti­ge die Lie­fe­rung von Gegen­stän­den oder Dienst­leis­tun­gen bewirkt hat. Nach Art. 22 Abs. 9 Buchst. e der Richt­li­nie 77/​388/​EWG kann in der Rech­nung statt der Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer auch eine Steu­er­re­gis­ter­num­mer ange­ge­ben wer­den.

Der Vor­steu­er­ab­zug setzt nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG die Ord­nungs­mä­ßig­keit der Rech­nung vor­aus und ver­langt daher u.a., dass die Rech­nung gemäß § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG ent­we­der eine dem leis­ten­den Unter­neh­mer erteil­te Steu­er­num­mer oder des­sen Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ent­hält 1.

Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht nach Satz 2 die­ser Vor­schrift für den Leis­tungs­emp­fän­ger kein Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug 2. Etwas ande­res gilt nur für den –hier nicht vor­lie­gen­den Fall– der ledig­lich betrags­mä­ßig unzu­tref­fen­den Rech­nung 3.

Anga­be der Steu­er­num­mer

Steu­er­num­mer ist die dem Steu­er­pflich­ti­gen zur ver­wal­tungs­tech­ni­schen Erfas­sung und der Durch­füh­rung des Besteue­rungs­ver­fah­rens erteil­te und mit­ge­teil­te Num­mer 4. In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­tet dies: Bei der Rech­nungs­an­ga­be "75/​180 Wv" han­del­te es sich weder um eine der Fir­ma S erteil­te Steu­er­num­mer noch um eine die­sem Unter­neh­mer erteil­te Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer, son­dern um ein aus einer Zah­len- und Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on bestehen­des Akten­zei­chen, wel­ches das Finanz­amt B im Schrift­ver­kehr über die Ertei­lung einer Steu­er­num­mer gegen­über S ver­wen­det hat­te. Die Klä­ge­rin war daher nicht zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt 5.

Rech­nungs­be­rich­ti­gung

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall konn­te der Bun­des­fi­nanz­hof auch offen las­sen, ob der Berich­ti­gung einer feh­ler­haf­ten Rech­nung Rück­wir­kung auf den Zeit­punkt der Rech­nungs­er­tei­lung zukommt 6. Denn auf­grund der für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lung des FG (§ 118 Abs. 2 FGO) war davon aus­zu­ge­hen, dass zumin­dest bis zum Schluss der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem FG kei­ne nach­träg­li­che Berich­ti­gung der feh­ler­haf­ten Rech­nungs­an­ga­be erfolgt ist.

Kein Ver­trau­ens­schutz

Der Leis­tungs­emp­fän­ger kann sich nicht dar­auf beru­fen, ihm sei der Vor­steu­er­ab­zug unter Berück­sich­ti­gung der Grund­sät­ze des Ver­trau­ens­schut­zes zu gewäh­ren. Hier­über ist nicht im Ver­fah­ren über die Recht­mä­ßig­keit des Steu­er­be­schei­des zu ent­schei­den.

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug wegen unzu­tref­fen­der Rech­nungs­an­ga­ben nicht vor, kommt unter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes des Ver­trau­ens­schut­zes ein Vor­steu­er­ab­zug im Bil­lig­keits­ver­fah­ren (§§ 163, 227 AO) in Betracht. Macht der Steu­er­pflich­ti­ge im Fest­set­zungs­ver­fah­ren gel­tend, ihm sei der Vor­steu­er­ab­zug trotz Nicht­vor­lie­gens der mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zu gewäh­ren, ist aller­dings die Ent­schei­dung über die Bil­lig­keits­maß­nah­me nach § 163 Satz 3 AO regel­mä­ßig mit der Steu­er­fest­set­zung zu ver­bin­den 7.

Im jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren gegen die Steu­er­fest­set­zung konn­te der BFH dar­über jedoch nicht ent­schei­den. Im Übri­gen ist die in den Rech­nun­gen ent­hal­te­ne Anga­be "75/​180 Wv" unge­eig­net, einen Ver­trau­ens­tat­be­stand in die Ertei­lung einer dem leis­ten­den Unter­neh­mer erteil­ten Steu­er­num­mer zu begrün­den, da die­se Zei­chen­fol­ge –durch Ver­gleich mit der eige­nen Steu­er­num­mer ohne wei­te­res erkenn­bar– weder in ihrem Umfang noch nach ihrem Auf­bau den in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gebräuch­li­chen Steu­er­num­mern ähnelt.

Kein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten der Finanz­ver­wal­tung

Der Leis­tungs­emp­fän­ger (Rech­nungs­emp­fän­ger) kann sei­nen Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug schließ­lich auch nicht dar­auf stüt­zen, dass eine Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs durch das Finanz­amt zu einem wider­sprüch­li­chen Ver­hal­ten der Finanz­ver­wal­tung füh­ren wür­de. Zwar benö­tig­te der leis­ten­de Unter­neh­mer zum Aus­stel­len von zum Vor­steu­er­ab­zug berech­ti­gen­den Rech­nun­gen eine Steu­er­num­mer. Für die Auf­fas­sung, die Nicht­er­tei­lung einer Steu­er­num­mer für den leis­ten­den Unter­neh­mer begrün­de jedoch einen Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug des Leis­tungs­emp­fän­gers, fehlt ein recht­li­cher Anknüp­fungs­punkt. Viel­mehr kann und muss der leis­ten­de Unter­neh­mer sei­nen gesetz­li­chen Anspruch auf Ertei­lung einer Steu­er­num­mer gegen­über dem Finanz­amt ggf. gericht­lich durch­set­zen 8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2010 – V R 55/​09

  1. BFH, Urteil vom 23.09.2009 – II R 66/​07, BFHE 227, 212, BSt­Bl II 2010, 712[]
  2. EuGH, Urteil vom 15.10.2010 – C‑368/​09 [Pan­non Gep], DStR 2010, 1475 RandNr. 43; sowie BFH, Urtei­le vom 27.07.2000 – V R 55/​99, BFHE 193, 156, BSt­Bl II 2001, 426; vom 08.10.2008 – V R 59/​07, BFHE 222, 189, BSt­Bl II 2009, 218; vom 17.12.2008 – XI R 62/​07, BFHE 223, 535, BSt­Bl II 2009, 432; vom 30.04.2009 – V R 15/​07, BFHE 225, 254, BSt­Bl II 2009, 744; und in BFHE 227, 212, BSt­Bl II 2010, 712[]
  3. BFH, Urteil vom 19.11.2009 – V R 41/​08, BFHE 227, 521, BFH/​NV 2010, 562, Leit­satz 1[]
  4. vgl. § 8 der Buchungs­ord­nung der Finanz­äm­ter, BSt­Bl I 1993, 562[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 227, 212, BSt­Bl II 2010, 712[]
  6. EuGH, Urteil Pan­non Gép in DStR 2010, 1475 RandNr. 44 f.[]
  7. BFH, Urteil vom 30.04.2009 – V R 15/​07, BFHE 225, 254, BSt­Bl II 2009, 744[]
  8. vgl. BFH, Urteil in BFHE 227, 212, BSt­Bl II 2010, 712, Leit­satz[]