Vor­steu­er­ab­zug – und die Schein­rech­nun­gen

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 UStG kann der Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er abzie­hen. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG).

Vor­steu­er­ab­zug – und die Schein­rech­nun­gen

Die­se Vor­schrif­ten beru­hen auf Art. 168 Buchst. a MwSt­Sys­tRL.

Vor­aus­set­zung für den Vor­steu­er­ab­zug ist, dass tat­säch­lich eine Leis­tung aus­ge­führt wor­den ist. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung von EuGH und BFH erstreckt sich das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug nicht auf eine Steu­er, die aus­schließ­lich des­halb geschul­det wird, weil sie in einer Rech­nung aus­ge­wie­sen ist; viel­mehr muss die aus­ge­wie­se­ne Steu­er auf­grund der tat­säch­lich erbrach­ten Lie­fe­rung oder sons­ti­gen Leis­tung geschul­det wer­den 1.

Nach die­sen Grund­sät­zen steht der Unter­neh­me­rin kein Vor­steu­er­ab­zug aus den Rech­nun­gen der ein­zel­nen Lie­fe­ran­ten zu, wenn da die gegen­über der Unter­neh­me­rin von den ein­zel­nen Lie­fe­ran­ten abge­rech­ne­ten Lie­fe­run­gen tat­säch­lich nicht erfolgt sind.

Ob Gesichts­punk­te des Ver­trau­ens­schut­zes nicht im Rah­men des Umsatz­steu­er-Fest­set­zungs­ver­fah­rens berück­sich­tigt wer­den kön­nen, bedurf­te im vor­lie­gen­den Streit­fall kei­ner Ent­schei­dung, denn die Unter­neh­me­rin war nicht gut­gläu­big. So hat sie die tat­säch­li­che Geschäfts­tä­tig­keit der ihr unbe­kann­ten Lie­fe­ran­ten nicht geprüft, obwohl der Kon­takt zu die­sen ‑eben­so wie zu ihrem Abneh­mer- von jeman­den ver­mit­telt wor­den ist, der ihre zusätz­li­che Zwi­schen­schal­tung nicht nach­voll­zieh­bar erklä­ren konn­te und zudem die zur Zah­lung der Lie­fe­ran­ten aus­ge­stell­ten Schecks selbst ent­ge­gen­ge­nom­men hat. Dar­über hin­aus wirk­te sie zumin­dest inso­weit aktiv mit, als sie Ver­mer­ke zur Art und Wei­se der Lie­fe­rung auf Unter­la­gen ange­bracht hat, ohne die zu Grun­de lie­gen­den Waren­lie­fe­run­gen tat­säch­lich zu sehen. Unter die­sen Umstän­den hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Gut­gläu­big­keit der Unter­neh­me­rin abge­lehnt. Sie hät­te jeden­falls erken­nen kön­nen, dass ihre Umsät­ze in einen Mehr­wert­steu­er­be­trug ein­be­zo­gen waren. Die fahr­läs­si­ge Unkennt­nis von der Ein­be­zie­hung in einen Betrug schließt einen Gut­glau­bens­schutz aus 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2015 – XI R 47/​13

  1. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le Geni­us Hol­ding vom 13.12 1989 – C-342/​87, EU:C:1989:635, Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift 1991, 632; Bonik vom 06.12 2012 – C‑285/​11, EU:C:2012:774, UR 2013, 195, Rz 31; Stroy trans vom 31.01.2013 – C‑642/​11, EU:C:2013:54, UR 2013, 275, Rz 42; LVK – 56, EU:C:2013:55, UR 2013, 346, Rz 47; FIRIN, EU:C:2014:151, UR 2014, 705, Rz 54; eben­so BFH, Urtei­le vom 02.04.1998 – V R 34/​97, BFHE 185, 536, BSt­Bl II 1998, 695; vom 24.02.1994 – V R 43/​92, BFH/​NV 1995, 358, unter II. 2.b, Rz 14; vom 10.12 2008 – XI R 57/​06, BFH/​NV 2009, 1156, unter II. 1., Rz 19[]
  2. BFH, Beschluss vom 13.10.2014 – V B 19/​14, BFH/​NV 2015, 243, Rz 6; s. auch z.B. BFH, Beschluss vom 19.12 2014 – XI B 12/​14, BFH/​NV 2015, 534[]