Vor­steu­er­ab­zug – und die Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern

Die Zuord­nungs­ent­schei­dung ist eine mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung des Rechts auf Vor­steu­er­ab­zug.

Vor­steu­er­ab­zug – und die Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern

Die Fra­ge nach dem Zeit­punkt der Zuord­nungs­ent­schei­dung und deren Doku­men­ta­ti­on nach außen ist durch die Recht­spre­chung des BFH geklärt. Die Zuord­nung eines Gegen­stands zum Unter­neh­men erfor­dert eine durch Beweis­an­zei­chen gestütz­te Zuord­nungs­ent­schei­dung des Unter­neh­mers. Aus dem Grund­satz des Sofort­ab­zugs der Vor­steu­er folgt, dass die Zuord­nungs­ent­schei­dung schon bei Anschaf­fung oder Her­stel­lung des Gegen­stands zu tref­fen ist 1. Gleich­wohl kann die Zuord­nungs­ent­schei­dung spä­tes­tens und mit end­gül­ti­ger Wir­kung in einer "zeit­nah" erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Jahr, in das der Leis­tungs­be­zug fällt, nach außen doku­men­tiert wer­den 2. Eine "zeit­na­he" Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung liegt dabei nur dann vor, wenn die­se bis zur gesetz­li­chen Abga­be­frist für Steu­er­erklä­run­gen dem Finanz­amt gegen­über abge­ge­ben wur­de 3.

Aus dem "Senatex"-Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 4 ergibt sich nichts ande­res.

Zwar hat der EuGH ent­schie­den, dass das Grund­prin­zip der Mehr­wert­steu­erneu­tra­li­tät ver­langt, dass der Vor­steu­er­ab­zug gewährt wird, wenn die mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen erfüllt sind, selbst wenn der Steu­er­pflich­ti­ge bestimm­ten for­mel­len Bedin­gun­gen ‑im Fal­le des EuGH, Urteils Sena­tex bestimm­ten Rech­nungs­an­for­de­run­gen- nicht genügt hat 5.

Die Fol­gen eines Ver­sto­ßes gegen for­mel­le Vor­aus­set­zun­gen des Vor­steu­er­ab­zugs sind aber im Streit­fall nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Denn die Zuord­nungs­ent­schei­dung ist kei­ne for­mel­le, son­dern mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung des Vor­steu­er­ab­zugs.

Die für die Ent­ste­hung des Rechts auf Vor­steu­er­ab­zug erfor­der­li­chen mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen sind in Art. 168 Buchst. a der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) auf­ge­zählt. So ist es, um das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug gel­tend machen zu kön­nen, erfor­der­lich, dass der Betrof­fe­ne Steu­er­pflich­ti­ger im Sin­ne der Richt­li­nie ist 6 und dass er bereits im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs als Steu­er­pflich­ti­ger han­delt 7.

Bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung wird für das Unter­neh­men i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG eine Leis­tung daher nur bezo­gen, wenn sie zur (beab­sich­tig­ten) Ver­wen­dung für Zwe­cke einer nach­hal­ti­gen und gegen Ent­gelt aus­ge­üb­ten Tätig­keit bezo­gen wird, die im Übri­gen steu­er­pflich­tig sein muss, damit der Vor­steu­er­ab­zug nicht nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG aus­ge­schlos­sen ist 8.

Dass die mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung "Zuord­nungs­ent­schei­dung im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs" nach außen doku­men­tiert wer­den muss, liegt in ihrer Eigen­schaft als inne­re Tat­sa­che begrün­det. Das Erfor­der­nis einer zeit­na­hen Doku­men­ta­ti­on macht die Zuord­nungs­ent­schei­dung des­halb nicht zu einer for­mel­len Vor­aus­set­zung des Vor­steu­er­ab­zugs.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. März 2017 – V B 109/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 11.07.2012 – XI R 17/​09, BFH/​NV 2013, 266, Rz 38; vom 18.04.2012 – XI R 14/​10, BFH/​NV 2012, 1828, Rz 28 ff.; vom 15.12 2011 – V R 48/​10, BFH/​NV 2012, 808, Rz 18; vom 07.07.2011 – V R 42/​09, BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 23[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 24, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 33, m.w.N.[]
  4. EuGH, Urteil vom 15.09.2016 – C‑518/​14, EU:C:2016:691[]
  5. EuGH, Urteil Sena­tex, EU:C:2016:691, Rz 38[]
  6. EuGH, Urteil Sena­tex, EU:C:2016:691, Rz 28[]
  7. EuGH, Urtei­le Klub vom 22.03.2012 – C‑153/​11, EU:C:2012:163, Rz 36 ff.; Lenn­artz vom 11.07.1991 – C‑97/​90, EU:C:1991:315, Rz 8 f. und 15[]
  8. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 20; vom 27.01.2011 – V R 38/​09, BFHE 232, 278, BSt­Bl II 2012, 68, unter II. 2.b; vom 06.05.2010 – V R 29/​09, BFHE 230, 263, BSt­Bl II 2010, 885, unter II. 1.[]