Vor­steu­ern aus Wald­in­ven­tur

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft Klä­ge­rin kann die in den Ein­gangs­rech­nun­gen für eine Wald­in­ven­tur geson­dert aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­ern als Vor­steu­ern in Abzug brin­gen.

Vor­steu­ern aus Wald­in­ven­tur

Gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG kann der Unter­neh­mer die in Rech­nun­gen im Sin­ne des § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Steu­er für Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­ern abzie­hen. Die Klä­ge­rin hat die Ein­gangs­leis­tun­gen für die Wald­in­ven­tur "für ihr Unter­neh­men" im Sin­ne des § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG bezo­gen, denn die Klä­ge­rin war unter­neh­me­risch tätig.

Die Klä­ge­rin als Forst­be­triebs­ge­mein­schaft ist ein pri­vat­recht­li­cher Zusam­men­schluss von Grund­be­sit­zern, die den Zweck ver­fol­gen, die Bewirt­schaf­tung der ange­schlos­se­nen Wald­flä­chen und der zur Auf­fors­tung bestim­men Grund­stü­cke (Grund­stü­cke) zu ver­bes­sern, ins­be­son­de­re die Nach­tei­le gerin­ger Flä­chen­grö­ße, ungüns­ti­ger Flä­chen­ge­stalt, der Besitz­zer­split­te­rung, der Gemenge­la­ge, des unzu­rei­chen­den Wald­auf­schlus­ses oder ande­rer Struk­tur­män­gel zu über­win­den (§ 16 BWaldG).

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft muss gemäß § 17 BWaldG min­des­tens eine der fol­gen­den Maß­nah­men zur Auf­ga­be haben:

  1. Abstim­mung der Betriebs­plä­ne oder Betriebs­gut­ach­ten und der Wirt­schafts­plä­ne sowie der ein­zel­nen forst­li­chen Vor­ha­ben;
  2. Abstim­mung der für die forst­li­che Erzeu­gung wesent­li­chen Vor­ha­ben und Absatz des Hol­zes oder sons­ti­ger Forst­pro­duk­te;
  3. Aus­füh­rung der Forst­kul­tu­ren, Boden­ver­bes­se­run­gen und Bestands­pfle­ge­ar­bei­ten ein­schließ­lich des Forst­schut­zes;
  4. Bau und Unter­hal­tung von Wegen;
  5. Durch­füh­rung des Holz­ein­schlags, der Holz­auf­ar­bei­tung und der Holz­brin­gung;
  6. Beschaf­fung und Ein­satz von Maschi­nen und Gerä­ten für meh­re­re der unter den Num­mern 2 bis 5 zusam­men­ge­fass­ten Maß­nah­men.

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft wird nach § 18 BWaldG von der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­de auf Antrag aner­kannt, wenn sie bestimm­te in die­ser Vor­schrift auf­ge­führ­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt; u.a. muss sie nach Grö­ße, Lage und Zusam­men­hang aller ange­schlos­se­nen Grund­stü­cke eine wesent­li­che Ver­bes­se­rung der Bewirt­schaf­tung ermög­li­chen (§ 18 Abs. 1 Nr. 2 BWaldG).

Hat der forst­wirt­schaft­li­che Zusam­men­schluss – wie hier – die Rechts­form eines rechts-fähi­gen Ver­eins mit wirt­schaft­li­chem Geschäfts­be­trieb gewählt, so kann ihm gemäß § 19 BWaldG durch die für die Aner­ken­nung zustän­di­ge Behör­de gleich­zei­tig mit der Aner­ken­nung die Rechts­fä­hig­keit nach § 22 BGB ver­lie­hen wer­den.

Aus die­ser gesetz­lich nor­mier­ten Zweck­be­stim­mung einer Forst­be­triebs­ge­mein­schaft, die Bewirt­schaf­tung der ange­schlos­se­nen Wald­flä­chen und der zur Auf­fors­tung bestimm­ten Grund­stü­cke zu ver­bes­sern (vgl. § 16, § 18 Abs. 1 Nr. 2 BWaldG) und aus den Auf­ga­ben einer Forst­be­triebs­ge­mein­schaft (§ 17 BWaldG), mit der die sat­zungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben der Klä­ge­rin kor­re­spon­die­ren, folgt, dass sie im kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­se ihrer Mit­glie­der ins­ge­samt unter­neh­me­risch tätig wur­de. Dafür spricht auch, dass die Klä­ge­rin kein nicht­wirt­schaft­li­cher Ver­ein ("Ide­al­ver­ein") im Sin­ne des § 21 BGB, son­dern ein wirt­schaft­li­cher Ver­ein i.S. des § 22 BGB ist.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 10. Juni 2010 – 16 K 358/​09