Was­ser­an­schluß

Das Legen eines Haus­an­schlus­ses, also die Ver­bin­dung des Was­ser­ver­tei­lungs­net­zes mit der Haus­in­stal­la­ti­on, durch ein Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gegen geson­dert berech­ne­tes Ent­gelt fällt unter den Begriff „Lie­fe­run­gen von Was­ser“ i.S. von § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der Anla­ge zum UStG und ist des­halb mit dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz zu ver­steu­ern, wenn die Anschluss­leis­tung an den spä­te­ren Was­ser­be­zie­her erbracht wird. Mit die­ser Ent­schei­dung setzt der Bun­des­fi­nanz­hof ein ent­spre­chen­des Urteil des EuGH um. Kos­tet also 7% Mehr­wert­steu­er.

Was­ser­an­schluß

Klä­ger war ein aus meh­re­ren Städ­ten und Krei­sen bestehen­der Zweck­ver­band zur Trink­was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung. Er belie­fer­te Kun­den mit Was­ser und leg­te auf Ver­lan­gen von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern gegen Kos­ten­er­stat­tung Haus­an­schlüs­se, d.h. er ver­band sein Was­ser-Ver­tei­ler­netz mit der jewei­li­gen Anla­ge des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers. Die Haus­an­schlüs­se blie­ben im Eigen­tum des Klä­gers.

Der Klä­ger war der Mei­nung, auf die­se Umsät­ze (Legen des Haus­an­schlus­ses) sei – eben­so wie für die Was­ser­lie­fe­rung selbst – nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG in Ver­bin­dung mit Nr. 34 der Anla­ge zum UStG der ermä­ßig­te Steu­er­satz von 7 % anzu­wen­den, soweit sie an Grund­stücks­ei­gen­tü­mer aus­ge­führt wur­den, die zugleich Emp­fän­ger der nach­fol­gen­den Was­ser­lie­fe­run­gen waren. Das Finanz­amt hat­te dage­gen ent­spre­chend einem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 4. Juli 2000 auf die­se Umsät­ze den Regel­steu­er­satz (damals 16 %) ange­wen­det.

Der BFH folg­te im Ergeb­nis der Auf­fas­sung des Klä­gers. Er führ­te zur Begrün­dung aus, in dem im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auf sei­ne Vor­la­ge hin ergan­ge­nen Urteil vom 3. April 2008 habe der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) ent­schie­den, dass unter den Begriff „Lie­fe­run­gen von Was­ser“ i.S. von Art. 12 Abs. 3 Buchst. a und Anhang H Kate­go­rie 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG auch das Legen eines Haus­an­schlus­ses fal­le. Das müs­se – so der BFH – dann auch für die Aus­le­gung des UStG gel­ten. Zwar dürf­ten die Mit­glied­staa­ten das Legen eines Haus­an­schlus­ses von der grund­sätz­li­chen Steu­er­ermä­ßi­gung für die „Lie­fe­run­gen von Was­ser“ aus­schlie­ßen. Dies erfor­de­re aber eine gesetz­li­che Rege­lung und kön­ne nicht durch eine blo­ße Ver­wal­tungs­vor­schrift gesche­hen. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ent­hal­te einen sol­chen Aus­schluss nicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2008 – V R 61/​03
Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 3. April 2008 – C‑442/​05

UPDATE 7. April 2009: Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat hier­auf mitt­ler­wei­le mit einem Anwen­dungs­er­lass reagiert.