Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt-genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern

Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt-genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern hat auf­grund des Grund­sat­zes des Sofort­ab­zugs der Vor­steu­er grund­sätz­lich bei Anschaf­fung oder Her­stel­lung des Gegen­stands zu erfol­gen. Gleich­wohl kann die Zuord­nungs­ent­schei­dung spä­tes­tens und mit end­gül­ti­ger Wir­kung noch in einer "zeit­nah" erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Jahr, in das der Leis­tungs­be­zug fällt, nach außen doku­men­tiert wer­den. Eine sol­che zeit­na­he Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung liegt nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch nur dann vor, wenn die­se bis spä­tes­tens zum 31. Mai des Fol­ge­jah­res dem Finanz­amt gegen­über mit­ge­teilt wird; etwai­ge Ver­län­ge­run­gen für die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen füh­ren zu kei­ner Ver­län­ge­rung der Doku­men­ta­ti­ons­frist.

Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt-genutz­ten Wirt­schafts­gü­tern

Der Unter­neh­mer kann nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er abzie­hen. Aus­ge­schlos­sen ist der Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG für Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer für steu­er­freie Umsät­ze ver­wen­det. Die­se Vor­schrif­ten beru­hen auf Art. 17 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG. Danach ist der Steu­er­pflich­ti­ge, soweit er Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen für Zwe­cke sei­ner besteu­er­ten Umsät­ze ver­wen­det, befugt, die im Inland geschul­de­te oder ent­rich­te­te Mehr­wert­steu­er für Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen, die ihm von einem ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen gelie­fert oder erbracht wer­den, von der von ihm geschul­de­ten Steu­er abzu­zie­hen. Bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung wird für das Unter­neh­men i.S. des § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG eine Leis­tung daher nur bezo­gen, wenn sie zur (beab­sich­tig­ten) Ver­wen­dung für Zwe­cke einer nach­hal­ti­gen und gegen Ent­gelt aus­ge­üb­ten Tätig­keit bezo­gen wird, die im Übri­gen steu­er­pflich­tig sein muss, damit der Vor­steu­er­ab­zug nicht nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG aus­ge­schlos­sen ist 1.

Ist ein Gegen­stand – wie im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall das umge­bau­te und reno­vier­te Ein­fa­mi­li­en­haus der Klä­ge­rin – sowohl für den unter­neh­me­ri­schen Bereich als auch für den nicht­un­ter­neh­me­ri­schen pri­va­ten Bereich des Unter­neh­mers vor­ge­se­hen (gemisch­te Nut­zung), wird der Gegen­stand nur dann für das Unter­neh­men bezo­gen, wenn und soweit der Unter­neh­mer ihn sei­nem Unter­neh­men zuord­net 2. Inso­weit hat der Steu­er­pflich­ti­ge (Unter­neh­mer) nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Zuord­nungs­wahl­recht. Er kann den Gegen­stand ins­ge­samt sei­nem Unter­neh­men zuord­nen oder ihn in vol­lem Umfang in sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen belas­sen oder den Gegen­stand ent­spre­chend dem geschätz­ten- unter­neh­me­ri­schen Nut­zungs­an­teil sei­nem Unter­neh­men und im Übri­gen sei­nem nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich zuord­nen 3. Die­se Zuord­nungs­grund­sät­ze gel­ten auch bei Her­stel­lung oder Erwerb eines Gegen­stands durch zwei eine Gemein­schaft bil­den­de Ehe­gat­ten.

Die Zuord­nung eines Gegen­stands zum Unter­neh­men erfor­dert eine durch Beweis­an­zei­chen gestütz­te Zuord­nungs­ent­schei­dung des Unter­neh­mers, die zeit­nah zu doku­men­tie­ren ist.

Dabei ist die Gel­tend­ma­chung des Vor­steu­er­ab­zugs regel­mä­ßig ein gewich­ti­ges Indiz für, die Unter­las­sung des Vor­steu­er­ab­zugs ein eben­so gewich­ti­ges Indiz gegen die Zuord­nung eines Gegen­stands zum Unter­neh­men 4. Auch die bilan­zi­el­le und ertrag­steu­er­recht­li­che Behand­lung kann ggf. ein Indiz für die umsatz­steu­er­recht­li­che Behand­lung sein 5. Gibt es kei­ne Beweis­an­zei­chen für eine Zuord­nung zum Unter­neh­men, kann die­se nicht unter­stellt wer­den 6. Dies gilt bei gemischt-pri­va­t/­un­ter­neh­me­risch genutz­ten Gegen­stän­den auch hin­sicht­lich des unter­neh­me­risch genutz­ten Teils des Gegen­stands. Die Zuord­nungs­ent­schei­dung bei gemischt­ge­nutz­ten Gegen­stän­den bezieht sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 7 und des BFH 8 nicht nur auf die voll­stän­di­ge Zuord­nung zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen oder die voll­stän­di­ge Belas­sung im Pri­vat­ver­mö­gen, son­dern auch auf die Zuord­nung zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen im Umfang der tat­säch­li­chen unter­neh­me­ri­schen Ver­wen­dung; denn "die tat­säch­li­che Nut­zung eines Inves­ti­ti­ons­guts durch den Steu­er­pflich­ti­gen ob für unter­neh­me­ri­sche oder für pri­va­te Zwe­cke- [ist] nur dann bei der Zuord­nung die­ses Gutes zu berück­sich­ti­gen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge den vol­len oder teil­wei­sen Abzug der für den Erwerb ent­rich­te­ten Vor­steu­er in Anspruch nimmt" 9.

Aus dem Grund­satz des Sofort­ab­zugs der Vor­steu­er folgt, dass die Zuord­nungs­ent­schei­dung schon bei Anschaf­fung oder Her­stel­lung des Gegen­stands zu tref­fen ist. Gleich­wohl kann die Zuord­nungs­ent­schei­dung spä­tes­tens und mit end­gül­ti­ger Wir­kung noch in einer "zeit­nah" erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Jahr, in das der Leis­tungs­be­zug fällt, nach außen doku­men­tiert wer­den 10. Wie der Bun­des­fi­nanz­hof (in BFH Urtei­le in BFH/​NV 2011, 1980; und in DB 2011, 2754)) bereits ent­schie­den hat, liegt eine zeit­na­he Doku­men­ta­ti­on der Zuord­nungs­ent­schei­dung nur dann vor, wenn die­se bis spä­tes­tens 31. Mai des Fol­ge­jah­res dem Finanz­amt gegen­über mit­ge­teilt wird; etwai­ge Ver­län­ge­run­gen für die Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen füh­ren zu kei­ner Ver­län­ge­rung der Doku­men­ta­ti­ons­frist 11.

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 07.07.2011 – V R 42/​09, BFH/​NV 2011, 1980, unter II.01.; vom 07.07.2011 – V R 21/​10, DB 2011, 2754, unter II.01.a; vom 27.01.2011 – V R 38/​09, BFHE 232, 278, BFH/​NV 2011, 727, unter II.02.b; vom 06.05.2010 – V R 29/​09, BFHE 230, 263, BSt­Bl II 2010, 885, unter II.01.[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 08.03.2001 – C‑415/​98 [Bak­csi], Slg.2001, I‑1831, Leit­satz 1 sowie Rdnr. 25[]
  3. vgl. EuGH, Urtei­le vom 11.07.1991 – C‑97/​90 [Lenn­artz], Slg.1991, I‑3795; vom 04.10.1995 – C‑291/​92 [Arm­brecht], Slg.1995, I‑2775; Urteil Bak­csi in Slg. 2001, I‑1831; BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2011, 1980, unter II.02.; in DB 2011, 2754, unter II.01.b; vom 12.01.2011 – XI R 9/​08, BFHE 232, 254, BFH/​NV 2011, 941; vom 17.12.2008 – XI R 64/​06, BFH/​NV 2009, 798; vom 11.04.2008 – V R 10/​07, BFHE 221, 456, BSt­Bl II 2009, 741; zur gemisch­ten Nut­zung bei juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts vgl. BFH, Urteil vom 03.03.2011 – V R 23/​10, BFH/​NV 2011, 1261[]
  4. vgl. zuletzt BFH, Beschluss vom 26.06.2009 – V B 34/​08, BFH/​NV 2009, 2011; BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2009, 798; und vom 08.10.2008 – XI R 58/​07, BFHE 223, 487, BSt­Bl II 2009, 394; in BFHE 221, 456, BSt­Bl II 2009, 741; vom 27.07.1995 – V R 44/​94, BFHE 178, 482, BSt­Bl II 1995, 853; vom 31.01.2002 – V R 61/​96, BFHE 197, 372, BSt­Bl II 2003, 813; und vom 28.02.2002 – V R 25/​96, BFHE 198, 216, BSt­Bl II 2003, 815[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2009, 798; vom 25.03.1988 – V R 101/​83, BFHE 153, 171, BSt­Bl II 1988, 649, und vom 11.11.1993 – V R 52/​91, BFHE 173, 239, BSt­Bl II 1994, 335[]
  6. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2009, 798; in BFHE 221, 456, BSt­Bl II 2009, 741; in BFHE 198, 216, BSt­Bl II 2003, 815[]
  7. EuGH, Urtei­le Lenn­artz in Slg 1991, I3795; und Arm­brecht in Slg.1995, I2775[]
  8. vgl. zuletzt BFH, Urteil in BFH/​NV 2011, 1980, Leit­satz 1[]
  9. EuGH, Urteil Bak­csi in Slg.2001, I1831, Rz. 29[]
  10. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 798; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 2011[]
  11. zur nähe­ren Begrün­dung: BFH, Urteil in BFH/​NV 2011, 1980, unter II.3a) und b).[]
  12. Richt­li­nie 91/​439/​EWG[]