Zuschlag in der Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die umsatz­steu­er­recht­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge

Bemes­sungs­grund­la­ge für die Umsatz­steu­er für Lie­fe­run­gen ist das ver­ein­bar­te Ent­gelt (§ 10 Abs. 1 Satz 1 UStG). Ent­gelt ist alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG). Zum Ent­gelt gehört auch, was ein ande­rer als der Leis­tungs­emp­fän­ger dem Unter­neh­mer für die Leis­tung gewährt (§ 10 Abs. 1 Satz 3 UStG).

Zuschlag in der Zwangs­ver­stei­ge­rung – und die umsatz­steu­er­recht­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge

Die Rege­lung ent­spricht im Ergeb­nis Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG. Danach ist Besteue­rungs­grund­la­ge bei Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen … „alles, was den Wert der Gegen­leis­tung bil­det, die der Lie­fe­rer oder Dienst­leis­ten­de für die­se Umsät­ze vom Abneh­mer oder Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger oder von einem Drit­ten erhält oder erhal­ten soll, ein­schließ­lich der unmit­tel­bar mit dem Preis die­ser Umsät­ze zusam­men­hän­gen­den Sub­ven­tio­nen1.

Es ist durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on geklärt, dass die Besteue­rungs­grund­la­ge für die Lie­fe­rung eines Gegen­stands oder die Erbrin­gung einer Dienst­leis­tung die tat­säch­lich dafür erhal­te­ne Gegen­leis­tung und nicht ein nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en geschätz­ter Wert ist 2.

Gegen­leis­tung in die­sem Sinn ist das, was der Leis­tungs­emp­fän­ger tat­säch­lich auf­wen­det 3.

§ 114a Satz 1 ZVG bewirkt, dass die For­de­rung des zur Befrie­di­gung aus dem Grund­stück berech­tig­ten Gläu­bi­gers gegen­über dem Zwangs­voll­stre­ckungs­schuld­ner auch inso­weit erlischt, als sein bares Meist­ge­bot (ohne Meist­ge­bots­zin­sen nach § 49 Abs. 2 ZVG) zuzüg­lich bestehen blei­ben­der Rech­te hin­ter 7/​10 des Grund­stücks­werts zurück­bleibt. Der berech­tig­te Gläu­bi­ger und der Voll­stre­ckungs­schuld­ner wer­den recht­lich so gestellt, als ob der Gläu­bi­ger ein Gebot abge­ge­ben hät­te, das 7/​10 des Grund­stücks­werts erreicht; soweit durch ein sol­ches Gebot sein Anspruch gedeckt ist, ihm also der Erlös im Ver­tei­lungs­ver­fah­ren zuzu­tei­len gewe­sen wäre, gilt er mit dem Zuschlag als befrie­digt. In Höhe des fik­ti­ven Befrie­di­gungs­be­trags tritt beim Zwangs­voll­stre­ckungs­schuld­ner zwangs­läu­fig kraft Geset­zes eine Schuld­be­frei­ung ein 4.

Die Klä­ge­rin hat für die Erstei­ge­rung des betref­fen­den Grund­stücks neben dem Erbrin­gen des Meist­ge­bots und der Über­nah­me der in Abt. – II bestehen blei­ben­den Rech­te auch die durch Grund­pfand­rech­te gesi­cher­te For­de­rung gegen den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hin­ge­ge­ben, soweit die­se zivil­recht­lich ‑auf­grund von § 114a ZVG ange­ord­ne­ter Rechts­fol­ge- in Höhe von – X EUR tat­säch­lich erlo­schen ist; hier­bei han­delt es sich mit­hin nicht um einen (ledig­lich) geschätz­ten Wert im Sin­ne der dar­ge­leg­ten Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2015 – XI B 87/​14

  1. vgl. BFH, Urteil vom 16.01.2003 – V R 36/​01, BFH/​NV 2003, 667, unter II. 2., Rz 15; Hand­zik in Offerhaus/​Söhn/​Lange, Umsatz­steu­er, § 10 UStG Rz 36a; Teh­ler in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG § 10 Rz 47
  2. z.B. EuGH, Urtei­le Hotel Scan­dic Gas­a­bäck vom 20.01.2005 – C‑412/​03, EU:C:2005:47, UR 2005, 194, Rz 21, m.w.N.; Camp­sa Estacio­nes de Ser­vicio, EU:C:2011:381, UR 2012, 440, Rz 28
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 18.01.2007 – V B 39/​05, BFH/​NV 2007, 1200, UR 2007, 382, unter II. 2., Rz 17
  4. vgl. BFH, Urteil vom 19.06.2013 – II R 5/​11, BFHE 241, 424, BSt­Bl II 2013, 926, Rz 13, m.w.N.