Ver­bind­li­che Aus­kunft – und ihre gericht­li­che Kon­trol­le

Die Ertei­lung einer ver­bind­li­chen Aus­kunft durch das Finanz­amt unter­liegt nur einer ein­ge­schränk­ten gericht­li­chen Kon­trol­le.

Ver­bind­li­che Aus­kunft – und ihre gericht­li­che Kon­trol­le

Gemäß § 89 Abs. 2 AO kann der Steu­er­pflich­ti­ge aus Grün­den der Pla­nungs- und Ent­schei­dungs­si­cher­heit eine ver­bind­li­che Aus­kunft (Zusa­ge) dar­über ver­lan­gen, wie ein in der Zukunft lie­gen­der Besteue­rungs­tat­be­stand steu­er­lich zu beur­tei­len ist.

Dabei han­delt es sich um einen Ver­wal­tungs­akt nach § 118 Satz 1 AO [1].

Ent­spre­chend der Funk­ti­on der ver­bind­li­chen Aus­kunft im Besteue­rungs­ver­fah­ren, dem Steu­er­pflich­ti­gen Pla­nungs- und Ent­schei­dungs­si­cher­heit, d.h. Rechts­si­cher­heit hin­sicht­lich der Ein­schät­zung eines geplan­ten Sach­ver­halts bzw. Ver­trags­mo­dells durch die Finanz­be­hör­de zu ver­schaf­fen [2], regelt die ver­bind­li­che Aus­kunft ledig­lich, wie die Finanz­be­hör­de eine ihr zur Prü­fung gestell­te hypo­the­ti­sche Gestal­tung gegen­wär­tig beur­teilt, nicht aber trifft sie die ‑dem Steu­er­be­scheid vor­be­hal­te­ne- end­gül­ti­ge Aus­sa­ge über die mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keit einer Steu­er­fest­set­zung [3].

Dem­entspre­chend ist die gericht­li­che Kon­trol­le einer ver­bind­li­chen Aus­kunft ein­ge­schränkt.

Wäh­rend die Recht­mä­ßig­keits­prü­fung im Steu­er­fest­set­zungs­ver­fah­ren rechts­wid­ri­ge Steu­er­ver­wal­tungs­ak­te ver­mei­den soll, stellt die ver­bind­li­che Aus­kunft eine Leis­tung für den Steu­er­pflich­ti­gen dar, um ihn bei der Pla­nung zukünf­ti­ger Gestal­tun­gen zu unter­stüt­zen, ins­be­son­de­re ihm eine Risi­ko­ab­schät­zung im Vor­feld eines etwai­gen Besteue­rungs­ver­fah­rens zu erleich­tern.

Ande­rer­seits hat eine erteil­te ver­bind­li­che Aus­kunft den Anfor­de­run­gen eines fai­ren rechts­staat­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens zu genü­gen. Das Finanz­amt hat den all­ge­mei­nen rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen an jeg­li­ches behörd­li­che Han­deln sowie den aus § 89 Abs. 2 AO i.V.m. §§ 1, 2 StAuskV fol­gen­den Vor­ga­ben gerecht zu wer­den. Es hat zunächst den zur Prü­fung gestell­ten Sach­ver­halt zutref­fend zu erfas­sen. Die Funk­ti­on der ver­bind­li­chen Aus­kunft, dem Steu­er­pflich­ti­gen Pla­nungs­si­cher­heit zu ver­schaf­fen, bedingt wei­ter, dass die Behör­de kei­ne Aus­kunft ertei­len darf, deren Bestän­dig­keit im Fest­set­zungs­ver­fah­ren von vorn­her­ein in Fra­ge steht [4].

Dies bedeu­tet, dass die recht­li­che Ein­ord­nung des zu beur­tei­len­den Sach­ver­halts in sich schlüs­sig sein muss und nicht evi­dent rechts­feh­ler­haft sein darf [5].

Abs. 4 GG ver­langt kei­ne stren­ge Recht­mä­ßig­keits­bin­dung der eine ver­bind­li­che Aus­kunft ertei­len­den Behör­de und ent­spre­chend kei­ne umfas­sen­de gericht­li­che Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le im Vor­feld der Steu­er­fest­set­zung [4]. Denn die ver­bind­li­che Aus­kunft ent­fal­tet kei­ne Bin­dungs­wir­kung für die Steu­er­fest­set­zung, wenn sie zu Unguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen rechts­wid­rig ist (§ 2 Abs. 1 Satz 2 StAuskV). Um dies über­prü­fen zu las­sen, steht dem Steu­er­pflich­ti­gen der Rechts­weg gegen den Steu­er­be­scheid offen. Dies genügt den Anfor­de­run­gen effek­ti­ven Rechts­schut­zes im sin­ne des Art.19 Abs. 4 GG. Die mate­ri­el­le Rich­tig­keit der Aus­kunft wird im Besteue­rungs­ver­fah­ren ggf. im Rah­men der Anfech­tung des Steu­er­be­scheids vom Finanz­ge­richt umfas­send geprüft [4].

Auch die Bin­dung der Ver­wal­tung an das Gesetz (Art.20 Abs. 3 GG) und der damit kor­re­spon­die­ren­de Unter­su­chungs­grund­satz (§ 88 AO) erfor­dern kei­ne voll­in­halt­li­che Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le einer ver­bind­li­chen Aus­kunft. Denn die Behör­de trifft mit der ver­bind­li­chen Aus­kunft nur eine Aus­sa­ge über ihre gegen­wär­ti­ge Ein­schät­zung zur steu­er­li­chen Behand­lung eines geplan­ten Sach­ver­halts im Vor­feld einer etwai­gen Besteue­rung die­ses Sach­ver­halts [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juli 2015 – VIII R 72/​13

  1. dazu ein­ge­hend BFH, Urteil vom 30.04.2009 – VI R 54/​07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, unter II. 3.[]
  3. BFH, Urteil vom 29.02.2012 – IX R 11/​11, BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651[][][][]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651; vom 05.02.2014 – I R 34/​12, BFH/​NV 2014, 1014[]