Ver­bö­se­rungs­ver­bot im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Das soge­nann­te Ver­bö­se­rungs­ver­bot (Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us), das teil­wei­se aus § 96 FGO, jeden­falls aber aus Art.19 Abs. 4, Art.20 Abs. 3 GG her­ge­lei­tet wird und in der Sache unstrei­tig ist, besagt, dass das Gericht eine von der Finanz­be­hör­de vor­ge­nom­me­ne Steu­er­fest­set­zung nicht zum Nach­teil des Steu­er­pflich­ti­gen ändern, mit­hin kei­ne höhe­re Steu­er­fest­set­zung vor­neh­men darf 1.

Ver­bö­se­rungs­ver­bot im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Maß­stab die­ses Ver­bö­se­rungs­ver­bots ist die ange­foch­te­ne Steu­er­fest­set­zung, nicht aber der vom Finanz­amt im Ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt gestell­te Antrag.

Der Antrag des Finanz­am­tes war im vor­lie­gen­den Fall auch nicht in der Wei­se aus­zu­le­gen, dass das Finanz­amt damit kon­klu­dent die Beschei­de geän­dert hät­te, dies unge­ach­tet der Fra­ge, ob eine der­ar­ti­ge Aus­le­gung grund­sätz­lich mög­lich wäre. Das Finanz­amt hat­te im Vor­feld die aus­drück­li­che Nach­fra­ge des Finanz­ge­richt, ob es einen Ände­rungs­be­scheid etwa im Sin­ne der betriebs­na­hen Ver­an­la­gung erlas­sen habe, eben­so aus­drück­lich ver­neint. Aller­dings hät­te die Begrün­dung, es lie­ge nach fort­be­stehen­der Auf­fas­sung des Finanz­amt kei­ne Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht vor, auch eine Ände­rung des Bescheids nahe­ge­legt, nur nicht im Sin­ne eines Ver­lusts, wie die Klä­ger begeh­ren, son­dern im Sin­ne von Ein­künf­ten von 0 €. Trotz­dem hat das Finanz­amt gera­de kei­nen Ände­rungs­be­scheid erlas­sen und ersicht­lich nicht erlas­sen wol­len. Dann aber wäre es eine Aus­le­gung gegen den erkenn­ba­ren Wil­len des Finanz­amt, die Antrags­fas­sung in der münd­li­chen Ver­hand­lung, die ledig­lich den vor­he­ri­gen Vor­trag inhalt­lich fort­setzt, als Ände­rung des Bescheids zu wer­ten.

Aus Grün­den der pro­zes­sua­len Klar­heit ist es auch nicht mög­lich zu fin­gie­ren, das Finanz­amt habe den Bescheid so geän­dert wie es inhalt­lich sei­nem Antrag ent­sprä­che.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. März 2016 – X B 198/​15

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 26.11.1997 – X R 146/​94, BFH/​NV 1998, 961, unter II. 4.c; vom 15.01.2015 – VI R 85/​13, BFHE 249, 114, BSt­Bl II 2015, 586, unter II. 2.; vom 04.03.2015 – IV R 38/​12, BFH/​NV 2015, 984, unter II. 3.b bb (2); Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 96 Rz 51[]