Auf­lö­sung nicht­ehe­li­cher Lebens­ge­mein­schaf­ten – und die Grunderwerbsteuer

§ 3 Nr. 5a GrEStG erfasst den Grund­stücks­er­werb durch den frü­he­ren Lebens­part­ner im Sin­ne des Lebens­part­ner­schafts­ge­set­zes. Die Vor­schrift erfasst nicht den Grund­stücks­er­werb durch den frü­he­ren Part­ner einer nicht­ehe­li­chen Lebensgemeinschaft.

Auf­lö­sung nicht­ehe­li­cher Lebens­ge­mein­schaf­ten – und die Grunderwerbsteuer

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­ten Lebens­ge­fähr­ten im Jahr 2015 ein Ein­fa­mi­li­en­haus zu je hälf­ti­gem Mit­ei­gen­tum erwor­ben. Im Jah­re 2019 kam es zur Tren­nung, wor­auf der (ehe­ma­li­ge) Lebens­ge­fähr­te den hälf­ti­gen Mit­ei­gen­tums­an­teil sei­ner (ehe­ma­li­gen) Lebens­ge­fähr­tin über­nahm. Er über­nahm dabei die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Belas­tun­gen und die schuld­recht­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten (valu­tie­rend mit 270.902,28 €) und hat­te außer­dem 15.000 € an sei­ne ehe­ma­li­ge Lebens­ge­fähr­tin zu zah­len. Das Finanz­amt setz­te dar­auf­hin Grund­er­werb­steu­er in Höhe von 9.779 € fest. Als Bemes­sungs­grund­la­ge wur­den 150.451 € (15.000 € Kauf­preis sowie 135.451 € über­nom­me­ne Ver­bind­lich­kei­ten) zugrun­de gelegt. Mit Ein­spruch und Kla­ge berief sich der Klä­ger in ers­ter Linie auf die Steu­er­be­frei­ung nach § 3 Nr. 5a GrEStG, hilfs­wei­se dar­auf, dass die Bemes­sungs­grund­la­ge nur 15.000 € betrage.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Finanz­ge­richt1 hat die Kla­ge abge­wie­sen. Es ist der Auf­fas­sung, dass mit „Lebens­part­ner“ i.S. des § 3 Nr. 5a GrEStG nur Lebens­part­ner i.S. des Lebens­part­ner­schafts­ge­set­zes (LPartG) vom 16.02.20012 gemeint sei­en. Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung der nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft ver­sto­ße auch nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te die­se Rechts­an­sicht nun und wies die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de des erwer­ben­den Lebens­ge­ge­fähr­ten als unbe­grün­det zurück:

Nicht­ehe­li­che Lebens­ge­fähr­ten sind kei­ne Lebenspartner

Die Rüge, der Wort­laut des § 3 Nr. 5a GrEStG recht­fer­ti­ge kei­ne Ein­schrän­kung der Steu­er­be­frei­ung auf ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaf­ten, ent­hält Ein­wän­de gegen die mate­ri­ell-recht­li­che Rich­tig­keit des Finanz­ge­richt, Urteils, die eine Zulas­sung der Revi­si­on für sich genom­men im All­ge­mei­nen nicht recht­fer­ti­gen. Erst ein sog. qua­li­fi­zier­ter Rechts­feh­ler führt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Zulas­sung der Revi­si­on nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 2 FGO3. Die Aus­le­gung des Begriffs „Lebens­part­ner­schaft“ durch das Finanz­ge­richt stellt jedoch kei­nen qua­li­fi­zier­ten Rechts­feh­ler dar, son­dern ist umge­kehrt ein­deu­tig rich­tig. Nach § 3 Nr. 5a GrEStG ist von der Besteue­rung aus­ge­nom­men der Grund­stücks­er­werb durch den frü­he­ren Lebens­part­ner des Ver­äu­ße­rers im Rah­men der Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung nach der Auf­he­bung der Lebens­part­ner­schaft. Es kann dahin­ste­hen, inwie­weit es tat­säch­lich, wie der Klä­ger meint, im All­tags­sprach­ge­brauch üblich ist, die Part­ner einer nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft als „Lebens­part­ner“ zu bezeich­nen. In § 3 Nr. 5a GrEStG sind damit nur Lebens­part­ner i.S. des LPartG gemeint.

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Im Rah­men eines Geset­zes ist der Begriff rechts­tech­nisch zu ver­ste­hen und meint nach dem Grund­satz der Ein­heit der Rechts­ord­nung die Lebens­part­ner­schaft nach dem ent­spre­chen­den Gesetz. Der BFH hat regel­mä­ßig den durch Gesetz ver­wen­de­ten Begriff „Lebens­part­ner“ im Sin­ne der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft ver­stan­den und nicht etwa im Sin­ne einer ‑dann näher zu kon­tu­rie­ren­den- Lebens­ge­mein­schaft. Das betrifft nicht nur die sei­tens des Finanz­amt zitier­te Ent­schei­dung zu § 2 Abs. 8 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes4. Es betrifft auch ver­schie­de­ne Begüns­ti­gungs­vor­schrif­ten in der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er5.

Es gibt kei­nen teleo­lo­gi­schen oder sys­te­ma­ti­schen Ansatz, in der Grund­er­werb­steu­er eine abwei­chen­de Aus­le­gung vor­zu­neh­men. Viel­mehr hat­te der Gesetz­ge­ber ein sol­ches Ver­ständ­nis aus­drück­lich beab­sich­tigt. Das Jah­res­steu­er­ge­setz 20106, durch des­sen Art. 29 Nr. 1 Buchst. c die Nr. 5a in § 3 GrEStG ein­ge­fügt wur­de, woll­te ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner u.a. im Grund­er­werb­steu­er­recht den Ehe­gat­ten gleich­stel­len. Die Vor­schrift beruh­te auf der Erwä­gung, dass die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft wie bei der Schei­dung von Ehe­gat­ten durch gericht­li­ches Urteil auf­ge­ho­ben wer­den kann und hier Gleich­klang her­ge­stellt wer­den soll­te7. Die­se Über­le­gun­gen set­zen den­knot­wen­dig vor­aus, dass mit dem Begriff „Lebens­part­ner­schaft“ allein die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft nach dem LPartG gemeint war.

Kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleichbehandlung

Mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­den macht der Klä­ger die grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che nach § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO gel­tend. ine Rechts­sa­che hat grund­sätz­li­che Bedeu­tung, wenn die für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Rechts­fra­ge das abs­trak­te Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der ein­heit­li­chen Ent­wick­lung und Hand­ha­bung des Rechts berührt. Die Rechts­fra­ge muss im kon­kre­ten Fall klä­rungs­be­dürf­tig und in einem künf­ti­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren klä­rungs­fä­hig sein. Klä­rungs­be­dürf­tig ist eine Rechts­fra­ge, wenn hin­sicht­lich ihrer Beant­wor­tung Unsi­cher­heit besteht. Dar­an fehlt es nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH, wenn die strei­ti­ge Rechts­fra­ge offen­sicht­lich so zu beant­wor­ten ist, wie es das Finanz­ge­richt getan hat, die Rechts­la­ge also ein­deu­tig ist8. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn sich die Beant­wor­tung der Rechts­fra­ge ohne Wei­te­res aus dem kla­ren Wort­laut und Sinn­ge­halt des Geset­zes ergibt9.

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Für den Bun­des­fi­nanz­hof bestehen kei­ne Zwei­fel, dass § 3 Nr. 5a GrEStG mit der vor­be­zeich­ne­ten Aus­le­gung weder gegen Art.20 GG noch gegen Art. 3 GG verstößt.

Der Grund­satz der Nor­men­klar­heit ist nicht bereits des­halb ver­letzt, weil eine Norm der Aus­le­gung bedarf. Dem Bestimmt­heits­er­for­der­nis ist viel­mehr genügt, wenn Aus­le­gungs­pro­ble­me mit her­kömm­li­chen juris­ti­schen Metho­den bewäl­tigt wer­den kön­nen10.

Eine unge­recht­fer­tig­te Ungleich­be­hand­lung einer nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft mit der Ehe wie auch einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft ist nicht erkenn­bar. Die Ehe sowie die Lebens­part­ner­schaft nach dem LPartG schaf­fen viel­fäl­ti­ge, ins­be­son­de­re ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Rech­te und Pflich­ten. Eine ver­gleich­ba­re Rechts­bin­dung ist in der nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft nicht vor­han­den. Es ist des­halb sach­lich gerecht­fer­tigt, dass der Gesetz­ge­ber eine ver­mö­gens­be­zo­ge­ne Pri­vi­le­gie­rung, wie sie § 3 Nr. 5 GrEStG für frü­he­re Ehe­gat­ten und § 3 Nr. 5a GrEStG für frü­he­re Lebens­part­ner schaf­fen, auf nicht­ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaf­ten nicht aus­ge­dehnt hat. Mit ent­spre­chen­den Erwä­gun­gen hat der BFH die Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät des Begüns­ti­gungs­aus­schlus­ses der nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft in der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er bejaht11. Sie ent­spricht der Begrün­dung, mit der das BVerfG die Ungleich­be­hand­lung der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft in der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er für unzu­läs­sig erach­tet hat12. Für eine abwei­chen­de Betrach­tungs­wei­se für die Grund­er­werb­steu­er ist kein Grund ersichtlich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2020 – II B 53/​20

  1. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches FG, Urteil vom 06.08.2020 – 3 K 86/​20[]
  2. BGBl I 2001, 266[]
  3. vgl. etwa BFH, Beschluss vom 11.11.2019 – IX B 55/​19, BFH/​NV 2020, 364, Rz 9[]
  4. BFH, Beschluss vom 26.04.2017 – III B 100/​16, BFHE 257, 424, BStBl II 2017, 903[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 24.04.2013 – II R 65/​11, BFHE 240, 404, BStBl II 2013, 633, Rz 14 f.; BFH, Beschluss vom 01.10.2015 – II B 23/​15, BFH/​NV 2016, 47[]
  6. BGBl I 2010, 1768[]
  7. BT-Drs. 17/​2249, S. 2, 99[]
  8. vgl. etwa BFH, Beschluss vom 03.06.2020 – II B 54/​19, BFH/​NV 2020, 1174, BStBl II 2020, 586, Rz 3, m.w.N.[]
  9. vgl. etwa BFH, Beschluss vom 28.04.2020 – IX B 121/​19, BFH/​NV 2020, 870, Rz 3, m.w.N.[]
  10. BVerfG, Beschluss vom 27.11.1990 – 1 BvR 402/​87, BVerfGE 83, 130, unter B.I. 3.d, m.w.N.[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 240, 404, BStBl II 2013, 633, Rz 16 bis 19[]
  12. BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611/​07, 1 BvR 2464/​07, BVerfGE 126, 400[]

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